Auf dem ukrainischen Gasmarkt hat sich im kommerziellen Segment ein nachhaltiger Überschuss gebildet, der durch den starken Rückgang des Verbrauchs großer industrieller Verbraucher verursacht wurde. Dies erklärte Michail Swischtscho, Experte für die Gasrichtung der Analytikfirma ExPro, in einem Interview mit RBC-Ukraine. Laut seinen Daten lag der Erdgasverbrauch im Durchschnitt des Sommers 2026 um 20 % niedriger als im Vorjahr, im August erreichte der Rückgang 23 % – der stärkste Einbruch des gesamten Berichtsjahres.

Ursachen des Überangebots: Angriffe auf Industrie und Hafeninfrastruktur

Swischtscho erklärte, dass der Überschuss des Rohstoffs die Folge gezielter Angriffe auf große industrielle Gasverbraucher und die Hafeninfrastruktur war. Der massive Rückgang der Verarbeitungs- und Produktionsmengen führte dazu, dass die Förderung den Nachfrageeinbruch nicht vollständig ausgleichen konnte. „Durch die Angriffe auf die großen industriellen Verbraucher und die Angriffe auf die Hafeninfrastruktur ist im kommerziellen Segment ein Überschuss des Rohstoffs entstanden, das heißt, es ist ein gewisses Überangebot an Gas entstanden, weil der Verbrauch der großen Verbraucher gesunken ist“, erläuterte der ExPro-Analyst. Das Gasüberangebot ist somit kein Ergebnis steigender Förderung, sondern spiegelt einen strukturellen Wandel im Gleichgewicht „Förderung – Verbrauch“ wider.

Export wurde nie gestartet: Der Überschuss bleibt innerhalb des Marktes

Der entstandene Gasüberschuss wurde zu einem der zentralen Gegenstände der Debatte über die kontrollierte Eröffnung des Exports. Allerdings wurde der Mechanismus laut Swischtscho nie in Gang gesetzt, und der Überschuss des Rohstoffs verbleibt weiterhin innerhalb des ukrainischen Marktes. „Der Export wurde nie eröffnet, daher bleibt unser Verbrauch gesenkt, und entsprechend haben wir diesen bestimmten Überschuss des Rohstoffs“, merkte der Analyst an. Die Erinnerung daran, dass der Ministerrat zu Beginn der großflächigen Invasion Russlands 2022 Nullkontingente für den Export ukrainischen Erdgases eingeführt hat, unterstreicht, dass das Verbot des Rohstoffexports bereits seit mehr als vier Jahren gilt.

Verordnungsvorlage: 15 % der Förderung und Börsenhandel

Erst kürzlich wurde ein Projekt einer Regierungsvorlage in den öffentlichen Raum eingebracht, das einen kontrollierten Mechanismus zur Eröffnung des Exports vorsieht. Laut Dokument darf das monatliche Exportlimit 15 % der tatsächlichen Förderung des Vormonats nicht überschreiten. Der Gasverkauf soll ausschließlich über spezialisierte Börsenhandelsplätze erfolgen, und exportieren dürfen nur abgestimmte Unternehmen nach Erteilung der entsprechenden Lizenz. Damit beabsichtigt der Staat, die strenge Kontrolle über die Mengen und Kanäle des Rohstoffexports zu wahren.

Expertenbewertungen: von der Einmalveräußerung zum flexiblen Modell

Wladimir Omeltschenko, Direktor der Energieprogramme des Razumkow-Zentrums, hatte zuvor erklärt, dass die Ukraine das geltende Exportverbot für Gas überdenken und zu einem Modell übergehen sollte, bei dem der Überschuss des Rohstoffs im Ausland verkauft und bei Mangel importiert werden kann. Nach seiner Logik würde ein flexibles beidseitiges Modell den Binnenmarkt stabilisieren und den Förderunternehmen zusätzliche Finanzströme sichern. Die ExPro-Analysten weisen ihrerseits darauf hin, dass ein kontrollierter Export des überschüssigen Gases den Förderunternehmen Mittel für den Wiederaufbau nach Angriffen und die Modernisierung der Infrastruktur bereitstellen kann.

Widersprüchliche Daten

In den vorliegenden Quellen wurden keine wesentlichen Abweichungen in Zahlen und Daten festgestellt: Alle beziehen sich auf dieselben ExPro-Schätzungen (20 % im Sommer, 23 % im August) und auf dieselbe Verordnungsvorlage mit dem 15-%-Limit. Zu beachten ist jedoch, dass die Verordnungsvorlage noch nicht verabschiedet und nicht in Kraft getreten ist, und die Aussagen der Experten sind analytischer, nicht normativer Natur. Darüber hinaus behandelt die Quelle life.ru (ID 4) ein verwandtes, aber anderes Thema – den plötzlichen Rückgang des Gasimports wegen der europäischen Preise –, was die Daten zum Binnenüberschuss weder widerspricht noch bestätigt. Die tatsächliche Lage wird somit durch die Expertenschätzungen bestätigt, der regulatorische Status des Exportmechanismus befindet sich jedoch noch im Stadium der projektbezogenen Ausarbeitung.