Am Dienstagmorgen, dem 22. September 2026, gab das Hochgebirge der Karpaten das Signal eines vorzeitigen Wintereinbruchs. Auf dem Berg Pop Iwan (2028 m über dem Meeresspiegel) fiel die Lufttemperatur unter null, und an manchen Stellen wurde eine dünne Schneedecke festgestellt, die Gipfel, felsige Hänge und die Gebäude der Hochgebirgsstation dünn bedeckte. Die örtlichen Bergretter riefen Touristen dazu auf, bei der Planung von Wanderungen an diesem Wochenende besondere Vorsicht walten zu lassen.

Was die Retter auf dem Gipfel der Chornohora sahen

Laut Angaben der Pressestelle der Bergretter des Prykarpattja, die auf Facebook (chornogora.rescue112) bis 8:00 Uhr am 22. September veröffentlicht wurden, war das Wetter auf dem Berg Pop Iwan als bewölkt zu beschreiben. Eine genauere Analyse der veröffentlichten Fotos ergab jedoch, dass im Hochgebirge an manchen Stellen eine dünne Schneedecke zu sehen war – sowohl auf den Dächern der Gebäude als auch auf dem Boden. Die Pressestelle des Hauptdirektorats des Staatlichen Dienstes für Notfälle der Ukraine in der Oblast Iwano-Frankiwsk beschrieb die Lage bildlich: „Die Chornohora ist bereits mit einem Hauch von Winter erwacht. Schnee bedeckte die Gipfel dünn, bestreute die Schaukel neben der Hochgebirgsstation, lag neben der Kapelle und auf den felsigen Hängen“.

Meteorologische Erklärung: Warum der Regen zu Schnee wurde

Die Leiterin der Abteilung für hydrometeorologische Versorgung des Oblast-Zentrums für Hydrometeorologie Iwano-Frankiwsk, Tschatschjana Atamanjuk, erläuterte den Mechanismus der Niederschlagsbildung auf verschiedenen Höhen. Auf der Wetterstation „Poschejewska“ (Höhe des Standorts 1450 m) wurde ausschließlich Regen gemessen: Er begann um 6:00 Uhr am 21. September und dauerte bis fast zum 22., mal stärker, mal schwächer. In diesem Zeitraum fielen 21,2 mm Niederschlag – ein Wert, der als gefährliches Phänomen der Stufe I eingestuft wird. Am Morgen des 22. September regnete es erneut von 6:00 bis 7:40 Uhr und brachte weitere 6,2 mm.

„Stellen wir uns nun vor – 500 m höher, auf dem Berg Pop Iwan. Die Niederschläge sind praktisch dieselben, da die Stationen etwa 1,5 Kilometer voneinander entfernt sind. Aber in der Meteorologie gilt die Regel: Alle 100 m sinkt die Temperatur um 1 °C“, erklärte Atamanjuk. Wenn auf der Poschejewska etwa 1,3–1,9 °C gemessen wurden, so war die Temperatur auf dem Pop Iwan, der auf einer Höhe von über 2000 m liegt, bereits negativ. Genau deshalb wird der Regen auf kleineren Höhen im Hochgebirge zu Schneegriesel, gefrorenem Regen oder nassem Schnee. Der Direktor der Astronomischen Forschungsstation des Internationalen Wissenschaftszentrums „Observatorium“ („Bely Slon“ / „Weißer Elefant“), Wladimir Trojanski, präzisierte, dass auf der All-Sky-Kamera nicht mehr als 1 cm Schnee zu sehen war, der zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits schmolz.

Kalter Zyklon und arktischer Einbruch

Laut Atamanjuk befand sich die Oblast Iwano-Frankiwsk am 21. September praktisch unter dem Einfluss eines kalten Zyklons, dessen Zentrum über der Barentssee lag. Praktisch alle 33 hydrologischen Stationen der Oblast registrierten mäßige, an manchen Stellen erhebliche Niederschläge. Der Wind verstärkte sich auf 14 m/s aus Nordwest. In der Nacht vom 21. auf den 22. September wirkte weiterhin eine kalte atmosphärische Front, die nun mit dem Zyklon über Belarus zusammenhing. Es kam zu einem Einbruch kalter arktischer Luftmassen aus dem Nordwesten, was zu einem starken Temperaturrückgang führte. Die Meteorologen hatten für die Karpaten 1–2 Grad über null prognostiziert, und „so kam es auch“.

Widersprüchliche Daten

In den Veröffentlichungen der beteiligten Seiten gibt es kleine Unterschiede in der Beschreibung der Intensität der Schneedecke. Wladimir Trojanski, gestützt auf die Daten der All-Sky-Kamera, spricht von „nicht mehr als 1 cm Schnee, der schmilzt“, was auf eine extrem dünne und bereits verschwindende Schicht hindeutet. Die Retter und der Notdienst verwenden in ihren Formulierungen dagegen ausdrucksstärkere Wendungen – „Schnee bedeckte die Gipfel dünn“, „bestreute die Schaukel“, „lag neben der Kapelle“ – und erzeugen den Eindruck eines beständigeren Schneedeckens. Tatsächlich stimmen beide Einschätzungen überein: 1 cm Schnee reichen visuell aus, um horizontale Flächen zu „bestreuen“ und den Eindruck eines winterlichen Morgens zu erzeugen, doch die Schicht begann unter der Wirkung der Morgensonne bereits zu schmelzen. Der Unterschied in der Wahrnehmung beruht auf verschiedenen Beobachtungsinstrumenten: Die Kamera erfasst einen quantitativen Parameter, während die Retter das visuelle Bild aus Sicht der Sicherheit der Touristen beschreiben.

Ratschläge der Retter für Touristen

Die Bergretter des Prykarpattja erinnern daran, dass selbst eine geringe Schneeschicht und Eis auf dem Weg in Kombination mit einem starken Temperaturunterschied (Regen unten und Schnee oben) das Verletzungsrisiko erheblich erhöhen. Touristen wird empfohlen: die Wettervorhersage unmittelbar vor dem Aufbruch zu prüfen; warme Kleidung und wasserdichte Ausrüstung mitzunehmen; auf felsigen Abschnitten auf Trekkingstöcke nicht zu verzichten; bei schlechter Sicht aufgrund von Bewölkung oder Niederschlägen umzukehren und nicht in Richtung Gipfel weiterzugehen. Der Berg Pop Iwan, auch als Pop Iwan Chornohorski oder einfach Schwarzer Berg bekannt, liegt am südöstlichen Ende des Hauptkamms des Chornohora-Massivs, an der Grenze zweier Oblaste, und bleibt einer der beliebtesten Gipfel für Wochenendwanderungen.