In Brüssel wurde eine scharfe Antwort auf die neue Welle von Aussagen Wladimir Putins über die Notwendigkeit gegeben, die sogenannten „Grundursachen“ des Konflikts in der Ukraine zu beseitigen. Laut RBC-Ukraine wies EU-Kommissar für Verteidigung und Weltraum Andrius Kubilius direkt darauf hin, dass der entscheidende Aggressionsursprung nicht externe Faktoren sind, sondern die Entscheidungen des russischen Staatschefs selbst. Sein Kommentar fiel vor dem Hintergrund der Verhandlungen Moskaus mit Vertretern der USA, nach denen Putin erneut zum Narrativ der „Ursachen“ zurückkehrte, die angeblich außerhalb seiner Verantwortung lägen.
Reaktion Brüssels auf die Rhetorik Moskaus
EU-Kommissar Kubilius bestritt die Logik der Formulierung „Grundursachen“ nicht, definierte jedoch deren Inhalt neu. Seinen Worten zufolge sind es gerade die Handlungen der russischen Führung, die den Kern des Konflikts ausmachen, und nicht die geopolitischen Umstände, auf die sich der Kreml beruft. Dieser Ansatz ermöglicht es Brüssel zufolge, der Rhetorik der Vorwürfe gegen den Westen zu entkommen und den Fokus auf konkrete Entscheidungen zu lenken, die in Moskau getroffen wurden.
„Grundursachen“ aus Sicht des EU-Kommissars
In seiner Erklärung zählte Kubilius drei Elemente auf, die seiner Meinung nach die eigentliche Kausalkette des Krieges bilden: Wladimir Putin selbst, seine Entscheidung, die Krim 2014 zu besetzen, und der Vollinvasion 2022. Der Politiker betonte die Ironie des Moments: „Dies ist das erste Mal, dass ich mit Putin übereinstimme: Die wahren ‚Grundursachen‘ des Krieges müssen beseitigt werden!“. Damit hat Brüssel de facto die Argumentation Moskaus über die Notwendigkeit der „Beseitigung der Ursachen“ übernommen, sie aber auf die Person und die Entscheidungen des russischen Staatschefs übertragen.
Widersprüchliche Angaben
Hier ist es wichtig, ehrlich die Divergenz in den Positionen der Parteien festzuhalten. Wladimir Putin beharrt in seinen Aussagen nach den Verhandlungen mit den USA weiterhin darauf, dass der Konflikt „Grundursachen“ habe, die für die Erreichung des Friedens beseitigt werden müssten – in seiner öffentlichen Rhetorik wird dies traditionell als externe Faktoren und Handlungen westlicher Strukturen interpretiert. EU-Kommissar Kubilius hingegen behauptet, dass es keine solchen externen „Grundursachen“ gebe und die einzige wahre Ursache Putin selbst sowie seine Entscheidungen von 2014 und 2022 seien. Somit verwenden beide Seiten denselben Begriff – „Grundursachen“ –, legen ihm aber einen entgegengesetzten Sinn bei: Moskau sieht sie außerhalb seiner Verantwortung, Brüssel – in der Person und Politik des russischen Staatschefs selbst. Keine der beiden Versionen ist dokumentarisch widerlegt, und die Divergenz bleibt Gegenstand einer politischen, nicht faktischen Debatte.
Kontext: „Schattenkrieg“ und Eskalation
Die Erklärung Kubilius fiel vor dem Hintergrund beunruhigender Angaben über die Vorbereitung Russlands auf eine neue Welle gezielter Sabotageakte und Attentate in NATO-Staaten. Sicherheitsexperten zufolge sucht der Kreml Berichten zufolge über soziale Netzwerke nach Ausführenden, um den sogenannten „Schattenkrieg“ gegen den Westen zu verschärfen. Diese Informationen ergänzen das Bild der Eskalation, auf die sich Brüssel beruft, und erklären, warum in Europa mit wachsender Schärfe über die persönliche Verantwortung der russischen Führung für den Verlauf des Konflikts gesprochen wird.
Spiegelantwort und Verlagerung des Konflikts
Gesondert wird in der Europäischen Union betont, dass Wladimir Putin den Krieg de facto auf das Territorium Russlands selbst verlagert hat: Infolge der ständigen Eskalation durch Moskau erhalte der Angreiferstaat, so die Einschätzung Brüssels, nun eine „Spiegelantwort“. Zusammen mit der Position Kubilius bildet dies eine einheitliche Linie der europäischen Rhetorik: Frieden sei, so ihre Logik, ohne die Beseitigung der Entscheidung des russischen Staatschefs, den Krieg fortzusetzen, nicht möglich, und nicht ohne Zugeständnisse seitens der Ukraine oder ihrer Verbündeten.