Die Europäische Kommission hat eine neue Runde von Verhandlungen mit den EU-Mitgliedstaaten eingeleitet. Auslöser für die dringenden Konsultationen waren mehrstündige Verzögerungen an Flughäfen des Kontinents, die im Zusammenhang mit der Einführung des neuen biometrischen Ein- und Ausreisesystems EES (Entry/Exit System) entstanden sind.

EU-Kommissar für Migration Magnus Brunner hat ein offizielles Schreiben an die Leiter von Flughäfen und Fluggesellschaften gerichtet. In dem Dokument wird betont, dass das Ziel des Systems die Sicherheit der Bürger ist, die Umsetzung jedoch unnötige Unannehmlichkeiten für Reisende aus Ländern außerhalb des Schengen-Raums vermeiden sollte.

Ursachen der Staus an den Grenzen

Laut Brunner funktioniert das System in den meisten Ländern und Flughäfen einwandfrei. Dennoch räumte er ein, dass Passagiere an bestimmten Zielen mit langen Wartezeiten konfrontiert sind. Der Kommissar nannte als Hauptursachen für die Probleme einen Mangel an Personal und unzureichende technische Infrastruktur.

„Die Kommission wird nun zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um den Mitgliedstaaten zu helfen, die immer noch mit Problemen konfrontiert sind“, betonte Brunner.

Die Situation mit den Warteschlangen hat in der Branche ernste Besorgnis ausgelöst. Die Reaktion Brüssels war eine Antwort auf Schreiben der International Air Transport Association (IATA) und des Zusammenschlusses „Fluggesellschaften für Europa“. Branchenvertreter berichteten über kritische Verzögerungen für Reisende.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat erstmals öffentlich zugegeben, dass zur Behebung der „technischen Probleme“ erhebliche Arbeit erforderlich sein wird. Als vorübergehende Maßnahme erhielten die Mitgliedstaaten das Recht, die Anforderung zur Erfassung biometrischer Daten auszusetzen, um die Abfertigung von Passagieren an den Grenzen zu beschleunigen.

Wie das EES-System funktioniert

Die Regeln des neuen Systems wurden acht Jahre vor dem Inkrafttreten entwickelt. Das EES ersetzte das traditionelle manuelle Stempeln von Pässen durch eine digitale Datenerfassung. Anstatt eines Stempels werden Bürgern aus Nicht-EU-Ländern nun Fingerabdrücke abgenommen und Fotos gemacht.

Die offizielle Einführung des Systems begann am 12. Oktober 2025. Nach einer Phase der schrittweisen Einführung wurde das EES ab dem 10. April 2026 für alle Reisenden aus Drittländern, die sich kurzfristig im Schengen-Raum aufhalten, obligatorisch. In den Geltungsbereich des Systems fielen unter anderem auch Bürger der Ukraine.

Statistik zu Einreiseverweigerungen

Das System hat bereits begonnen, seine Kontrollfunktionen zu erfüllen. Laut dem Nachrichtenmagazin Politico hat das EES-System seit Oktober 2025 43.728 Fälle von Einreiseverweigerungen in die Europäische Union wegen Verstößen gegen die Regeln registriert.