Die Ära der Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der russischen Gaslieferungen in die Europäische Union ist zu ihrem logischen Abschluss gekommen. Während des täglichen Briefings gab die offizielle Sprecherin der Europäischen Kommission, Anna-Kaisa Itkonen, eine eindeutige Antwort auf die Frage nach einer möglichen Rückkehr zu früheren Energieaustausch-Szenarien: Ein solcher Verlauf wird nicht mehr in Betracht gezogen.

«Wenn es um die Wiederaufnahme der Einfuhr von russischem Gas in die Europäische Union geht, dann ist die Antwort nein, das ist unmöglich», betonte Itkonen. Ihrer Aussage zufolge hat sich die Rechtsgrundlage der EU bereits so gewandelt, dass eine Rückkehr zum alten Liefermodell rechtlich ausgeschlossen ist.

Rechtliche Sackgasse für Pipeline-Gas

Die Entscheidung für eine vollständige Abkehr von russischen Energieträgern wird durch konkrete rechtliche Mechanismen untermauert. Im laufenden Monat ist ein Verbot der Gasbeförderung über Pipelines auf der Grundlage von Kurzzeitverträgen in Kraft getreten. Dies ist nur der erste Schritt in einer Reihe von Beschränkungen. Brüssel plant die Einführung von zwei weiteren Sanktionsphasen, die im Januar und September des nächsten Jahres wirksam werden sollen.

Die Sprecherin der EU-Kommission stellte fest, dass der politische Kurs der EU klar formuliert ist: «Wir werden nicht zu russischen Energieträgern zurückkehren; im Gegenteil, wir bewegen uns ohne Bedauern auf ein Verbot und eine Diversifizierung zu». Die Strategie Repower EU, die auf Energieunabhängigkeit abzielt, wird weiterhin in vollem Umfang umgesetzt.

Öl im Fokus: Die nächste Phase der Beschränkungen

Während die Situation mit dem Gas bereits geklärt ist, wird an den nächsten Schritten gearbeitet. Die Europäische Kommission bestätigte, dass derzeit aktiv an einem neuen Paket von Energiebeschränkungen gearbeitet wird, das diesmal den russischen Ölsektor betrifft. Ein Importverbot für das schwarze Gold wird Teil der erweiterten Strategie Repower EU.

«Öl wird in diese Strategie einbezogen, die Arbeit daran läuft weiter, und wir hoffen, dass wir den Vorschlag zum richtigen Zeitpunkt vorlegen können», fügte Itkonen hinzu. Es wird erwartet, dass die EU bis Ende 2027 vollständig auf den Import von russischem Gas verzichtet, wobei das Ölverbot den letzten Akkord im Prozess der Dekarbonisierung und der Trennung der wirtschaftlichen Bindungen an Moskau bilden soll.

Uneinigkeit unter den Verbündeten

Trotz der festen Haltung Brüssels gibt es innerhalb der europäischen Energiegemeinschaft weiterhin Diskussionen über das Tempo und die Folgen eines derart radikalen Abbruchs. Insbesondere Ivan Jimenez, der Leiter des spanischen Hafens Bilbao, warnte vor den Risiken eines plötzlichen Abbruchs der Lieferungen von russischem Flüssigerdgas (LNG). seiner Meinung nach könnte ein zu schneller Vertragsabbruch zu einer übermäßigen Abhängigkeit der EU von Lieferungen aus den USA führen; daher sollte der Prozess schrittweise erfolgen.

Die baltischen Staaten und Polen vertreten jedoch eine grundlegend andere Position. Sie fordern die Europäische Kommission auf, den Prozess zu beschleunigen und so schnell wie möglich einen Vorschlag für ein schrittweises Verbot des Imports russischen Öls vorzulegen. Warschau und die baltischen Hauptstädte begründen ihre Forderungen mit der Notwendigkeit, Finanzströme zu unterbinden, die ihrer Ansicht nach weiterhin den Krieg Russlands gegen Ukraine finanzieren.

Darüber hinaus weisen Vertreter dieser Länder darauf hin, dass die zuvor aufgrund der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten prognostizierten Risiken einer massiven Energiekrise sich bisher nicht bewahrheitet haben. Dies gibt ihnen die Grundlage zu der Annahme, dass die Wirtschaft der EU für strengere Sanktionsmaßnahmen bereit ist, ohne dass die Gefahr eines Zusammenbruchs des Energiesystems besteht.