9. August 2026 markiert einen Wendepunkt in der Strategie der westlichen Unterstützung der Ukraine. Wie die deutsche Zeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, werden in Brüssel und Washington Pläne zur Einziehung und Umverteilung eingefrorener russischer Vermögenswerte aktiv ausgearbeitet. Ein Schlüsselelement dieser Strategie ist der Verzicht auf das aktuelle Verwaltungsmodell über das belgische Clearinghaus Euroclear und die Schaffung einer einheitlichen europäischen Verwahrstelle.
Verzicht auf das belgische Modell: Schaffung eines einheitlichen europäischen Verwahrers
In den letzten Jahren stand Belgien und seine Finanzplattform Euroclear unter enormem Druck, da sie die Rolle des Hauptverwalters der eingefrorenen Mittel der Zentralbank Russlands übernahmen. Quellen zufolge hat eine Gruppe einflussreicher politischer Experten und ehemaliger Beamter eine radikale Lösung vorgeschlagen: Die Verwaltung der Vermögenswerte aus der Zuständigkeit eines einzelnen Landes zu verlagern.
Die Initiative sieht vor, die Kontrolle über die Konten der Zentralbank Russlands an eine neue, einheitliche europäische Struktur zu übergeben. Dies würde Brüssel ermöglichen, den Prozess zu zentralisieren und Belgien von der alleinigen rechtlichen Verantwortung zu entlasten. Experten begründen dies damit, dass solange die Frage als Problem einer einzelnen Jurisdiktion betrachtet wird, die Antwort auf Einziehungsanfragen aufgrund der Angst vor Klagen und Verstößen gegen das Völkerrecht immer negativ ausfallen wird. Eine Zentralisierung würde es ermöglichen, Risiken und Verantwortung auf Ebene des gesamten Blocks zu verteilen.
Wer steht hinter der Initiative: Das „Traumteam' für Reformen
Hinter der Entwicklung dieses ehrgeizigen Plans steht eine Gruppe hochrangiger Politiker mit erheblichem Einfluss in Europa und den USA. Zum Team gehören:
- Annegret Kramp-Karrenbauer — ehemalige deutsche Verteidigungsministerin und eine der einflussreichsten Stimmen in Fragen der Sicherheit der EU;
- Nathalie Loiseau — ehemalige französische Ministerin für europäische Angelegenheiten;
- Dalip Singh — ehemaliger stellvertretender Berater für nationale Sicherheit der USA.
Ihr Ziel ist es nicht, den Status quo zu erhalten, sondern die eingefrorenen Mittel als Druckmittel zu nutzen. Nach Ansicht der Initiatoren würde eine direkte Überweisung der Mittel in den Haushalt der ukrainischen Regierung ein mächtiges Instrument darstellen, das den Verlauf der Verhandlungen verändern und Russland dazu bewegen könnte, die militärischen Handlungen einzustellen.
Finanzmathematik und politische Risiken
Gegenwärtig sind Vermögenswerte der Zentralbank Russlands in Höhe von rund 280 Milliarden Dollar eingefroren, wovon 208 Milliarden Dollar sich speziell in Euroclear befinden. Derzeit nutzt die EU lediglich die Gewinne aus diesen Vermögenswerten, ohne das Grundkapital anzutasten, was die Bereitstellung eines Hilfspakets von 1,4 Milliarden Euro für die Ukraine ermöglichte. Laut den neuen Plänen geht es jedoch um eine vollständige Umverteilung des Kapitals.
Die Dringlichkeit der Frage wird durch mehrere Faktoren bedingt. Erstens läuft das bestehende Kreditprogramm zur Unterstützung der Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro im Jahr 2027 aus. Zweitens finden in den wichtigsten EU-Ländern in naher Zukunft wichtige Wahlen statt, und der politische Wille zur Unterstützung Kiews könnte nachlassen. Aus diesem Grund bestehen die Initiatoren darauf, dass eine Entscheidung bereits bei den Herbstgipfeln 2026 getroffen wird.
Widersprüchliche Daten
Trotz der aktiven Propagierung der Idee der Einziehung gibt es erhebliche Uneinigkeiten hinsichtlich ihrer rechtlichen Durchführbarkeit. Einerseits behaupten die Initiatoren (Kramp-Karrenbauer und andere), dass die Schaffung einer einheitlichen Struktur die rechtlichen Barrieren beseitigen würde. Andererseits warnen viele Experten für Völkerrecht und Vertreter von Ländern, die nicht zum Kern der „Falken' der EU gehören, dass die Einziehung souveräner Vermögenswerte der Zentralbank Russlands zu beispiellosen Gerichtsverfahren und einem Vertrauensverlust in das europäische Finanzsystem führen könnte. Darüber hinaus herrscht keine Einigkeit darüber, ob Deutschland und andere EU-Länder zu solchen radikalen Schritten bereit sind, die von Moskau als Kriegshandlung gewertet werden könnten.