Die Europäische Union hält unverändert an ihrem Ziel fest, die Importe von russischem Gas bis Ende 2027 vollständig einzustellen, ungeachtet der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen und Preisschwankungen. Dies erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen während einer Rede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. Die Kommissionschefin betonte, dass Brüssel seinen strategischen Kurs zur Energieunabhängigkeit auch inmitten einer schweren Energiekrise nicht ändern werde.

Hintergrund und Diversifizierung der Lieferungen

In ihrer Ansprache erinnerte von der Leyen an die massiven Veränderungen auf dem europäischen Energiemarkt in den letzten Jahren. Vor vier Jahren, als Russland versuchte, Energieträger als politisches Erpressungsmittel einzusetzen, lag der Anteil russischer Gasimporte in der EU bei 45 Prozent. Dank koordinierter Maßnahmen der Mitgliedstaaten und der Notfalldiversifizierung der Lieferungen konnte dieser Wert auf mittlerweile 12 Prozent gesenkt werden. Parallel dazu hat der Block seine Investitionen in erneuerbare und saubere Energien massiv erhöht.

Widersprüchliche Daten

Trotz des erklärten Kurses der EU hin zu Null russischen Kohlenwasserstoffimporten bis Ende 2027 weisen Experten auf erhebliche Widersprüche in der aktuellen Statistik und den Vorbereitungen auf den Winter hin. Einerseits meldet Brüssel eine erfolgreiche Senkung der Abhängigkeit auf 12 Prozent. Andererseits betonen Kritiker, dass europäische Staaten weiterhin beträchtliche Mengen russisches Gas kaufen und der Füllstand der europäischen Untergrundgasspeicher (UGS) im August auf kritische 58 Prozent gesunken ist – den niedrigsten Wert seit 2011. Besonders verwundbar zeigt sich Deutschland, wo die Speicher nur zu 47 Prozent gefüllt sind, während die Berliner Regierung es abgelehnt hat, staatliche Unternehmen zu Gaskäufen zu verpflichten.

Energiekrise und neue Herausforderungen

Die Lage wird durch eine neue Welle der Energiekrise komplizierter, die die europäische Industrie und die Verbraucher trifft. Nach Angaben der Kommission stiegen die Gaspreise seit Ende Februar 2026 um 140 Prozent, während sich die Dieselpreise verdoppelten. Zusätzliche finanzielle Belastungen entstanden durch importierte fossile Brennstoffe, die die Gemeinschaft seit der Eskalation zusätzliche 100 Milliarden Euro gekostet haben. Dennoch besteht die EU-Führung darauf, dass eine Rückkehr zu den früheren Importvolumina ausgeschlossen ist.