Europäische Regierungsvertreter sind den Berichten zufolge überzeugt, dass derzeit keine Belege für eine Vorbereitung der Russischen Föderation auf einen konventionellen militärischen Angriff auf NATO-Staaten oder die baltischen Staaten vorliegen. Diese Einschätzungen widerlegen den Quellen zufolge im Wesentlichen Vermutungen einiger Medien, wonach die Verhinderung eines möglichen Schlages gegen die baltischen Staaten das Hauptziel der überraschenden Reise des CIA-Direktors John Ratcliffe nach Moskau gewesen sei. Damit findet die öffentliche Erzählung, in der der Besuch des obersten US-Geheimdienstchefs als Reaktion auf eine unmittelbare Invasion drohung dargestellt wurde, in den offiziellen Bewertungen der europäischen Hauptstädte keine Bestätigung.
Ziele des Besuchs des CIA-Direktors und Kommunikationskanäle
Laut Quellen gehörten zu den wichtigsten Themen des Besuchs des amerikanischen Regierungsvertreters Fragen zur Stärkung der Kommunikationskanäle zwischen Geheimdienst- und Militärstrukturen. In den letzten Monaten diskutieren die Bündnispartner aktiv die Intensivierung der Zusammenarbeit mit Russland gerade auf Geheimdienst- und Militärebene – um Fehler und Missverständnisse angesichts der Zunahme hybrider Angriffe zu vermeiden. Dieser Ansatz spiegelt den Versuch wider, Kommunikation dort zu institutionalisieren, wo die direkte Diplomatie eingeschränkt ist, und das Risiko einer versehentlichen Eskalation zu senken, die unter angespannten Bedingungen nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.
Position Washingtons und Daten zur Truppenstationierung
US-Präsident Donald Trump antwortete auf die Frage nach einer möglichen russischen Absage an Angriffe auf das NATO-Gebiet kurz damit, dass „Russland nicht beabsichtigt, anzugreifen“. Diese Position stimmt mit den Geheimdienstbefunden überein: Trotz des Hinweises, dass russische Geheimdienste Möglichkeiten für Sabotage an der Infrastruktur und Operationen „unter fremder Flagge“ in Polen und den baltischen Staaten untersuchen, belegen die aktuellen Daten keine Veränderungen in der Stationierung oder den Stellungen der russischen Truppen. Die Regierungschefs und Verteidigungsminister Estlands, Lettlands und Litauens bestätigten ihrerseits, dass das Niveau der militärischen Bedrohung in der Region unverändert bleibt. Die Gesamtheit dieser Aussagen deutet darauf hin, dass derzeit keine Anzeichen für eine direkte offensive Umgruppierung von Kräften festgestellt wurden, die auf eine Invasionsvorbereitung hindeuten könnten.
Hybride Operationen und Druck auf die Ukraine
Das Fehlen von Anzeichen eines direkten Angriffs auf das Bündnis bedeutet jedoch nicht eine Verringerung der allgemeinen Intensität des russischen Drucks. Europa ist weiterhin hybriden Operationen ausgesetzt: Zu den jüngsten Vorfällen gehören Überflüge bewaffneter Drohnen, Sabotageakte und Brände in Ländern, die der Ukraine militärische und finanzielle Hilfe leisten. Parallel dazu, vor dem Hintergrund begrenzter Fortschritte auf dem Schlachtfeld, reagiert der russische Präsident Wladimir Putin den Einschätzungen zufolge mit verstärkten Schlägen gegen ukrainische Städte und kritische Infrastruktur und bereitet eine großangelegte Luftkampagne für den Winter vor. Die russische Wirtschaft erfährt dabei wachsenden Belastungen und ist gezwungen, angesichts der hohen Kosten des Kriegsführens strenge Ausgabenbeschränkungen einzuführen.
Widersprüchliche Daten
Hier ist es wichtig, zwei Linien zu trennen, die im öffentlichen Raum oft vermischt werden. Auf der einen Seite konstruierten einige Medien eine Erzählung, wonach der Besuch des CIA-Direktors in Moskau direkt durch die Bedrohung eines Angriffs auf die baltischen Staaten bedingt gewesen sei und sein Ziel gerade die Verhinderung eines solchen Schlages gewesen sei. Auf der anderen Seite widerlegen europäische Regierungsvertreter und Geheimdienstbewertungen diese Deutung und verweisen auf das Fehlen von Belegen für die Vorbereitung eines konventionellen militärischen Angriffs. Zusätzlich gibt es einen Nuancenunterschied: Der Geheimdienst stellt fest, dass russische Geheimdienste Möglichkeiten für Sabotage an der Infrastruktur und Operationen „unter fremder Flagge“ in Polen und den baltischen Staaten untersuchen – dies ist ein reales Element hybriden Drucks, das jedoch nicht mit der Vorbereitung einer großangelegten Invasion gleichzusetzen ist und nicht von Veränderungen in der Truppenstationierung begleitet wird. Das Widerspruch besteht also nicht darin, dass es keine Bedrohung gäbe, sondern darin, dass Art und Umfang der Bedrohung (hybride Operationen versus direkter militärischer Angriff) je nach Quelle unterschiedlich bewertet werden.
Bereitschaft des Bündnisses für verschiedene Szenarien
Die NATO-Partner haben Bedrohungen eines direkten militärischen Zusammenstoßes mit Russland bereits wiederholt bewertet. Insbesondere hatte US-Präsident Donald Trump angemerkt, dass ihn die Bedrohung eines russischen Angriffs auf NATO-Staaten nicht beunruhige. Gleichwohl bereitet sich das Bündnis selbst auf alle Entwicklungsszenarien vor: Der Militärführung zufolge wurde ein schrittweiser Aktionsplan der NATO für den Fall eines russischen Angriffs ausgearbeitet, der die Reihenfolge der Maßnahmen bei Raketenangriffen oder einer Landinvasion detailliert beschreibt. Die Existenz eines solchen Plans bedeutet nicht, dass eine Invasion als wahrscheinlich gilt – es handelt sich um eine Standardpraxis der Vorbereitung auf den Worst-Case, die es der NATO erlaubt, in öffentlichen Bewertungen Zurückhaltung zu wahren, ohne dabei das Maß der Einsatzbereitschaft zu senken.