Der Mai, der traditionell den Beginn des Frühlings und mildes Wetter symbolisiert, hat sich in diesem Jahr zu einer Belastungsprobe für Meteorologen und die Bewohner eines ganzen Kontinents entwickelt. Europa ist mit einer beispiellosen Hitzewelle konfrontiert, die nicht nur die Quecksilbersäulen in die Höhe getrieben, sondern auch Temperaturrekorde ausgelöscht hat, die noch im letzten Jahrhundert aufgestellt wurden. Während Menschen im Westen der Erde Schutz vor der sengenden Sonne suchen, zeigt die Natur am anderen Ende des Globus, in Australien, ihre zerstörerische Wut in Form von Tornados und Starkregen.

London und Paris: Sommer mitten im Frühling

Großbritannien, bekannt für sein wechselhaftes Wetter, war Zeuge eines schockierenden Ereignisses. Am Dienstag zeigte das Thermometer in den Gärten von Kew in London 35,1 °C an. Das ist nicht nur eine hohe Temperatur für den Mai, sondern ein absoluter Rekord, der das Ergebnis von 1922 übertraf. Bemerkenswerterweise hatten die Briten kaum Zeit, sich über den Rekord des Montags (34,8 °C) zu freuen, als dieser bereits sofort übertroffen wurde. Die Hitze war so intensiv, dass selbst die Nächte keine Erleichterung brachten: In Camborne sank die Temperatur nicht unter 21,4 °C, was einen Effekt der „tropischen Nacht“ erzeugte.

Auch Irland, das normalerweise für seine Kühle und Nebel bekannt ist, blieb nicht verschont. Wetterstationen in Killarney und Clonmel verzeichneten 28,8 °C – den Höchstwert für diesen Monat seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Situation ist auch in Frankreich kritisch, wo die Temperaturen bis zu 36 °C erreichten. Nach offiziellen Angaben hat diese Anomalie bereits sieben Menschenleben gefordert, was die Situation nicht nur zu einem meteorologischen, sondern auch zu einem humanitären Problem macht.

Australien: Klimatischer Kontrast

Während Europa in der Hitze schwitzt, kämpft Australien mit der entgegengesetzten Naturgewalt. Der Südosten des Kontinents ist von Stürmen heimgesucht, die das Meteorologische Büro als lebensbedrohlich einstufen. Im Bundesstaat Queensland wurden Starkregen registriert, die innerhalb von nur einer halben Stunde 50 mm Niederschlag brachten, was zu plötzlichen Überschwemmungen führen kann. In New South Wales erreichten Windböen Geschwindigkeiten von 104 km/h, und die Prognose verspricht bis zu 100 mm Niederschlag in einigen lokalen Gebieten. Dies ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich klimatische Verschiebungen gleichzeitig an verschiedenen Orten der Welt manifestieren, jedoch mit unterschiedlicher „Wetterpolitik“.

Globaler Trend: Warum ist der Mai so heiß geworden?

Experten stellen fest, dass die aktuellen Temperaturen in Europa die Durchschnittswerte für diese Jahreszeit um 10–15 Grad übersteigen. Die Prognosen versprechen, dass die Anomalie bis Ende der Woche anhalten wird, wonach in Großbritannien nur eine geringfügige Abkühlung erwartet wird. Ähnliche Szenarien werden auch in der Ukraine beobachtet, wo der Beginn des Mai ebenfalls durch das Erreichen neuer Temperaturrekorde in sechs Städten gekennzeichnet war. Die Klimakarte der Welt wird vor unseren Augen neu gezeichnet, und die Mai-Rekorde sind nur eines der Warnsignale.