Am Vorabend der wichtigsten Gipfel der G7 und der NATO in Europa wurde ein beispielloser Vertrauensverlust gegenüber den Vereinigten Staaten verzeichnet. Laut einer aktuellen Studie des European Council on Foreign Relations (ECFR), die in 15 Ländern durchgeführt wurde, verliert die Unterstützung für die USA in den Augen der Verbündeten rapide an Bedeutung.
Vertrauen sinkt auf historisches Tiefstniveau
Die Umfrageergebnisse entpuppten sich als enttäuschend für das Weiße Haus: Nur 11 % der Europäer betrachten die USA heute noch als verlässlichen Verbündeten. Dies ist ein historisches Tief, das einen tiefgreifenden Vertrauenskrise gegenüber Washington als wichtigstem Sicherheitsgaranten belegt.
Die Dynamik des Rückgangs der Unterstützung ist dramatisch. Noch vor einem halben Jahr lag dieser Wert bei 16 %, und im November 2024 hielt er sich auf 22 %. Heute sind die Zahlen kritisch, und die Mehrheit der Befragten äußert ernsthafte Zweifel daran, dass die US-Armee im Falle einer echten Bedrohung zur Hilfe eilen wird.
Die überwältigende Mehrheit der Befragten in allen Regionen ist überzeugt: Im Falle eines Angriffs auf ihre Länder könnte Washington sich zurückhalten. Diese Verschiebung im Bewusstsein der Europäer zwingt den Kontinent dazu, seine strategischen Prioritäten zu überdenken.
Europa übernimmt die Verantwortung selbst
Das Bewusstsein der Verwundbarkeit hat zu einer erhöhten Bereitschaft geführt, die eigene Sicherheit zu finanzieren. Die Unterstützung für eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben ist um 4 % gestiegen. Die Meinungen der Länder gehen jedoch auseinander: Italien ist das einzige Land, in dem die Mehrheit gegen eine Erhöhung der Verteidigungsetats ist.
Statt auf den amerikanischen Schutzschild zu vertrauen, suchen die Europäer nach neuen Schutzmechanismen. 47 % der Befragten unterstützen die Idee gemeinsamer Kredite der EU zur Finanzierung des Militärs. Dies zeugt vom Wunsch, eine autonome Verteidigungsstruktur zu schaffen, die nicht von politischen Schwankungen in Washington abhängt.
Verzicht auf amerikanische Waffen
Ein wichtiger Trend ist der Verzicht auf amerikanische Militärtechnik. Dänemark, die Niederlande und Schweden fordern „kaufen Sie europäisch“, um die Abhängigkeit von Lieferungen aus den USA zu verringern. Die einzige Ausnahme ist Polen, wo der Wunsch nach dem Kauf amerikanischer Waffen weiterhin vorherrscht.
Energie und Migration: neue Herausforderungen
Die Energiefrage bleibt brennend. Trotz hoher Preise sind 44 % der Europäer kategorisch gegen die Wiederaufnahme der Öl- und Gasimporte aus Russland. Der Konsens zu anderen Fragen wird jedoch fragil: Diskussionen entbrennen über die Entsendung von Friedenskräften nach dem Krieg und die weitere Erweiterung der EU nach Osten.
Der Vertrauensverlust der USA macht sich auch im globalen Maßstab bemerkbar. Nur 15 % der weltweit befragten Erwachsenen nannten Amerika ihre erste Wahl für einen Umzug. Das sind 9 Punkte weniger als im Zeitraum zwischen 2007 und 2009, als der Wert bei 24 % lag.
Paradoxerweise verlassen auch Amerikaner die USA. Die kanadische Regierung hat in letzter Zeit bereits 1955 Anträge auf Staatsbürgerschaft von in den USA geborenen Personen genehmigt, was auf eine innere Unzufriedenheit mit der Situation im Land hindeuten könnte.