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title: "«Ich möchte nicht, dass mein Sohn diesen Schrecken erlebt»: Alleinerziehende Mutter mit zweijährigem Kind verlässt das beschossene Kramatorsk"
description: "Die alleinerziehende Mutter Ruslana verließ mit ihrem zweijährigen Sohn das beschossene Kramatorsk, nachdem eine Drohne ihr Haus getroffen hatte. Auf der Reise spricht sie von der Angst um das Leben ihres Kindes und der Hoffnung auf Unterstützung durch UNICEF, um sich an einem neuen Ort einzurichten. 🚌🇺🇦"
date: 2026-07-31T08:16:00.000Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/evakuierung-einer-mutter-mit-kind-aus-kramatorsk-nach-beschuss-de
tags: [krasmatork, ukraine, unicef, evacuation, drones]
publisher: "XAB.info"
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# «Ich möchte nicht, dass mein Sohn diesen Schrecken erlebt»: Alleinerziehende Mutter mit zweijährigem Kind verlässt das beschossene Kramatorsk

![Mutter mit zweijährigem Kind im Kinderwagen und Polizist vor einem Evakuierungsbus in Kramatorsk](https://xab.info/media/2026/07/31/evakuatsiya-materi-s-rebenkom-iz-krasmatorka-posle-obstrelov/evakuatsiya-materi-s-rebenkom-iz-krasmatorka-posle-obstrelov-1.webp)

Für die 27-jährige Ruslana kam der Moment der Entscheidung plötzlich. Als eine Drohne die zwei Stockwerke unter ihr gelegene Wohnung traf, begriff sie: Es ist unmöglich, mit ihrem zweijährigen Sohn Alexei in Kramatorsk zu bleiben. Im Evakuierungsbus sitzend und Tränen wischend, realisiert die alleinerziehende Mutter die Schwere ihrer Wahl – ihre Heimatstadt zu verlassen und ins Ungewisse zu gehen. Doch sie ist überzeugt, dass dies die einzig richtige Entscheidung zum Schutz ihres Kindes ist.

### Leben in einer belagerten Stadt

Diesen Sommer gleicht Kramatorsk immer mehr den Kulissen eines Post-Apokalypse-Films. Entlang der zentralen Straßen errichten Kommunalbetriebe Betondreiecke – die sogenannten „Drachenzähne“, die mit Stacheldrahtringen umwickelt sind. Durchgänge in diesen Sperren wurden nur für Fußgänger belassen, die zu den Haltestellen eilen. Über den Straßen sind Netze gespannt, die Menschen und Fahrzeuge vor Drohnenangriffen schützen sollen.

Die Frontlinie rückt allmählich näher, und die Großstädte der Oblast Donezk geraten immer häufiger unter Beschuss. Die Schüsse haben sich gehäuft: Nun gibt es Beschuss sowohl tagsüber als auch nachts. Die Bewohner leben in ständiger Anspannung: Ein Einkaufsbummel verwandelt sich in eine Lotterie, bei der man nicht auf die eigene Sicherheit zählen kann.

Trotz der Bedrohungen bleibt die Stadt bewohnt. Laut lokalen Behörden leben derzeit mehr als 50.000 Menschen in Kramatorsk, darunter fast 4.000 Kinder. Diese Zahlen nehmen jedoch täglich ab. Evakuierungsbusse bringen Hunderte von Menschen ab, die nicht warten wollen, bis der Krieg direkt in ihr Haus kommt.

### «Ich bin selbst ein Waisenkind»

Ruslana wartete nicht auf die Ankündigung einer obligatorischen Evakuierung in ihrem Stadtteil. «Schon im Frühling spürte ich, wie sich die Situation verschlechtert», erzählt sie. Die letzten zwei Monate schläft die Frau nur vier bis fünf Stunden pro Tag, erschöpft von nächtlichen Beschüssen und der Angst um das Leben ihres Sohnes.

«Man geht in den Laden und weiß nicht, ob es sicher ist. Ich bin selbst ein Waisenkind, ich weiß, was es heißt, ohne Mutter aufzuwachsen. Und ich möchte einfach nicht, dass mein Sohn das erlebt, einen solchen Schrecken», sagt Ruslana und drückt den zweijährigen Alexei an sich.

Das blauäugige Kleinkind spielt mit seinem geliebten Teddybären und lächelt. Noch hat es nicht begriffen, dass ihm eine lange Reise und die Trennung von der vertrauten Welt bevorstehen. Für Ruslana war der Verkauf ihres alten, defekten Autos als Ersatzteilspender der letzte Schritt vor der Abreise. Sie packte ihre Sachen, nahm ihren Sohn auf den Arm und ging zum Evakuierungspunkt.

### Der Weg ins Ungewisse

Von Kramatorsk aus bringen humanitäre Organisationen und Freiwillige Menschen kostenlos in sicherere Regionen. Täglich verlässt zudem ein Evakuierungszug aus Lozowa die Stadt in Richtung Lwiw. Ruslana meldet sich für einen Flug der humanitären Mission «Proliska» an.

«Ich weiß nicht, wohin wir fahren. Wir haben keine Verwandten oder Freunde, die uns aufnehmen könnten. Ich hoffe, die Freiwilligen helfen uns, einen Ort zu finden, an dem es ruhig und sicher ist», gibt die Frau zu.

Der Bus füllt sich mit Familien mit Kindern, Rentnern und Tragetaschen mit Katzen. Wenige Minuten nachdem Ruslana und Alexei ihre Heimatstadt verlassen haben, gerät Kramatorsk erneut unter Beschuss durch gelenkte Luftbomben und Artillerie. Schwarzer Rauch steigt über der Stadt auf.

Der Evakuierungstransport verlässt die Grenzregion durch lange Tunnel aus Anti-Drohnen-Netzen und umfährt dabei die Skelette von Autos am Straßenrand. Der kleine Alexei döst auf den Armen seiner Mutter, während die Frau von einer besseren Zukunft träumt.

### Hoffnung auf den morgigen Tag

Im Transitcenter in Lozowa werden sie vorübergehend in einem Gemeinschaftsraum für Familien mit Kindern untergebracht. Hier erhält Ruslana humanitäre Pakete und beantragt finanzielle Unterstützung von UNICEF. Im Jahr 2026 leistet die Organisation weiterhin mehrzweckige finanzielle Unterstützung für Familien, die aus Grenzgebieten evakuiert werden.

Diese Hilfe deckt die dringendsten Bedürfnisse nach dem Umzug ab: Miete, Verpflegung, Medikamente und andere Grundbedürfnisse, während sich die Familien an einem sichereren Ort einrichten.

«Ich bin derzeit im Mutterschaftsurlaub und zudem alleinerziehend. Ich habe keine Ersparnisse oder ein stabiles Einkommen, daher ist diese Hilfe für mich sehr wichtig. Sie ermöglicht es mir, für mich und meinen Sohn zunächst eine Wohnung zu mieten, bis ich einen Job finde und Alexei in einen Kindergarten bringen kann», sagt Ruslana.

Während die Frau die Papiere ausfüllt, springt Alexei begeistert auf dem Bett herum. Seine Mutter, die vor der Geburt ihres Sohnes als Köchin und Konditorin arbeitete, träumt von einer einfachen und glücklichen Zukunft: «Ich würde sehr gerne ein Haus auf dem Land mieten, damit ich Gemüse und Kräuter anbauen kann. Und damit Alexei draußen spielen, Freunde finden und in Sicherheit aufwachsen kann».