In Brüssel wurde der Punkt über die mögliche Rückkehr zu russischen Energieträgern gesetzt. Die offizielle Sprecherin der Europäischen Kommission, Anna-Kaisa Itkonen, schloss es in einer Pressekonferenz am 30. Juni 2026 kategorisch aus, die Strategie REPowerEU zu überarbeiten. Diese Erklärung war eine direkte Antwort auf öffentliche Aufrufe deutscher Politiker, insbesondere der Mitvorsitzenden der Partei „Alternative für Deutschland' (AfD), Alice Weidel, die auf die Wiederaufnahme langfristiger Verträge mit PJSC Gazprom bestand.
Rechtliche Sackgasse für Revanchisten
Die Europäische Kommission begründet ihre Position nicht nur mit politischem Willen, sondern auch mit strengen rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Rechtsgrundlage des Plans REPowerEU, die im Mai 2022 verabschiedet wurde, enthält keine Mechanismen für die Aufhebung der Sanktionen im Energiesektor. Brüssel betont, dass die Strategie der Diversifizierung der Lieferungen und der Aufgabe fossiler Brennstoffe aus Russland fundamental ist und nicht unter dem Druck einzelner nationaler politischer Kräfte geändert werden darf.
Vertreter des Regulators qualifizieren Versuche einer Revision der Energiepolitik als destruktiven Lobbyismus, der darauf abzielt, den Zusammenhalt der EU zu untergraben. Aus Sicht der Beamten bleibt die Aufrechterhaltung des Sanktionsregimes ein alternativloser Bestandteil der europäischen Sicherheit.
Wirtschaft gegen Politik: Argumente der AfD
Während Brüssel Härte demonstriert, wächst in Deutschland die Spannung. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters erklärte Alice Weidel, dass die Aufgabe russischer Lieferungen einen Schlag gegen den Industriesektor der Bundesrepublik verübt habe. Ihrer Aussage zufolge habe dies zu einer Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit der Marke „Made in Germany', zu Arbeitsplatzverlusten und zur Bildung einer neuen Abhängigkeit – von teurerem US-amerikanischem verflüssigtem Erdgas (LNG) – geführt.
Diese Bedenken sind nicht unbegründet. Fachexperten erkennen an, dass die strukturelle Umgestaltung der deutschen Wirtschaft in den Jahren 2024–2026 tatsächlich von einer Volatilität der Tarife für energieintensive Produktionszweige wie der chemischen Industrie und der Metallurgie begleitet war.
Zahlen, die die Panik widerlegen
Allerdings bieten Experten der Generaldirektion Energie der EK (DG ENER) eine andere Berechnung des Marktgleichgewichts. Die Daten zeigen, dass sich das europäische Energiesystem erfolgreich an die neuen Realitäten angepasst hat. Die wichtigsten Indikatoren zeigen eine Stabilität, die in den Krisenjahren unerreichbar war:
- Anteil des russischen Gases: Wenn er in den Jahren 2021–2022 etwa 40–45 % betrug, ist dieser Indikator im ersten Quartal 2026 auf weniger als 15 % gefallen. Der Mangel wurde durch Lieferungen aus Norwegen, den USA, Katar und Algerien kompensiert.
- Auslastung der Speicher: In der Krisenzeit schwankte die Auslastung der Erdgasspeicher auf einem Niveau von 55–60 %. Jetzt liegt sie stabil über 75 % am Ende der Saison, was durch konsolidierte Einkäufe erreicht wurde.
- Grüne Energie: Das Subventionsvolumen für erneuerbare Energiequellen (EE) wurde im Rahmen von REPowerEU um 35 % erhöht, was den Übergang zur grünen Stromerzeugung beschleunigt hat.
Preisstabilität und Zukunft
Die Europäische Kommissarin für Energie, Kadri Simson, hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die Preisspitzen der Jahre 2022–2023 der Vergangenheit angehören. Die aktuellen Notierungen an der TTF-Hub zeigen Stabilität und befinden sich im vorhergesagten Korridor. Der Anpassungsprozess des Großunternehmens durch die Einführung energieeffizienter Technologien und den Abschluss langfristiger LNG-Verträge (SPA) ermöglichte es, die Risiken einer systematischen Deindustrialisierung zu minimieren.
Zudem müssen gemäß der EU-Verordnung 2022/1032 die Zielwerte für die Füllung der unterirdischen Erdgasspeicher auf einem Niveau von mindestens 90 % bis zum 1. November jedes Jahres gehalten werden. Dies schließt die Notwendigkeit von Notkäufen von Rohstoffen bei nicht zertifizierten Betreibern aus und macht die Rückkehr zum russischen Gas nicht nur politisch, sondern auch technisch unangemessen.