Der ehemalige Chef des britischen Geheimdienstes MI6, John Sawers, erklärte, dass Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland im Jahr 2027 beginnen könnten, ein ernsthaftes Abkommen zwischen den beiden Seiten bis zum Frühjahr dieses Jahres jedoch unwahrscheinlich sei. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf die Financial Times. Laut Sawers steht beiden Ländern ein „schwerer Winter“ bevor, doch die Anhäufung militärischer und wirtschaftlicher Verluste könnte die Voraussetzungen für den Beginn von Gesprächen im Folgejahr schaffen.
Prognose: Ein vollwertiges Abkommen frühestens 2027
Sawers betonte, dass bis zum Frühjahr 2027 kaum über ein ernsthaftes Abkommen zwischen Kiew und Moskau gesprochen werden könne. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass ein stabiler Frieden praktisch unmöglich sei, solange Wladimir Putin Präsident Russlands bleibe. Nach seiner Einschätzung könnte das realistischste Ergebnis in naher Zukunft nicht ein vollwertiger Friedensvertrag sein, sondern eine Rückkehr zu dem Niveau der Kampfhandlungen, das nach 2014 bestanden hatte, oder lediglich eine Verringerung der Intensität der Kampfhandlungen als nächstes realistisches Ziel.
„Schwerer Winter“ und steigender Preis des Krieges
Nach Ansicht des ehemaligen MI6-Chefs könnte sich 2027 die Möglichkeit für ergebnisreiche Gespräche über eine Waffenruhe eröffnen, wenn der Preis des Krieges für beide Seiten steigt und die russischen Truppen ihre früheren Fortschrittstempo an der Front nicht wiederherstellen. In diesem Fall, so Sawers, könnte Moskau stärker daran interessiert sein, einen Ausweg aus dem Krieg zu finden. Sawers bewertete zudem die Tatsache des Dialogs zwischen Washington und Moskau positiv und erklärte, die USA sollten die Kontakte mit Putin fortsetzen, obwohl er an der Effektivität der amerikanischen Verhandlungsführer zweifelte und als Hauptproblem die unveränderten überzogenen Forderungen der russischen Seite nannte.
Interne Signale aus Moskau und Kiew
Als Signal dafür, dass innerhalb des russischen Systems immer offener über den Preis des Krieges gesprochen werde, nannte Sawers die Ereignisse des vergangenen Monats, als der Kreml den Chefökonom eines der größten staatlichen Finanzinstitute nach dessen Aussage über die Folgen ukrainischer Angriffe entließ. Der Ökonom hatte damals darauf hingewiesen, dass die Verluste durch ukrainische Angriffe zu einem spürbaren makroökonomischen Hindernis für das Wachstum der russischen Wirtschaft würden. Gleichzeitig wies Sawers auf Probleme auch innerhalb der Ukraine hin: Nach seinen Worten seien in dem Land Politiker und einflussreiche Persönlichkeiten aufgetaucht, die beginnen, die Autorität von Präsident Wladimir Selenskyj in Frage zu stellen. Im vergangenen Monat entließ Selenskyj eine seiner wichtigsten Assistentinnen, nachdem ihr Haus von Antikorruptionsbehörden durchsucht worden war.
Kontext: Besuch amerikanischer Gesandter in Moskau
Die Aussagen Sawers kamen vor dem Hintergrund des Besuchs der Sondergesandten des US-Präsidenten, Steve Witkoff und Jared Kushner, in Moskau zustande. Präsident Donald Trump erklärte, sie seien mit einem „Angebot zur Beendigung des Krieges“ nach Russland gekommen, ohne dabei Details des amerikanischen Plans preiszugeben oder mitzuteilen, ob der Kreml bereit sei, auf irgendwelche Kompromisse einzugehen. Wie RBC-Ukraine berichtete, hatten Witkoff und Kushner am Vortag ein Gespräch mit der russischen Führung in Moskau geführt.