In der wissenschaftlichen Welt hat ein einzigartiges Projekt begonnen, das in Bezug auf seine zeitliche Dimension seinesgleichen sucht. Forscher haben ein Experiment gestartet, das auf 500 Jahre ausgelegt ist, um eine grundlegende Frage zu beantworten: Wie lange können Bakterien unter Bedingungen absoluter Trockenheit überleben? Die endgültigen Ergebnisse dieser grandiosen Studie werden erst im Jahr 2514 bekannt sein.
Laut RBC-Ukraine, mit Bezug auf eine Veröffentlichung in der renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift PLOS, wurden die Initiatoren des Experiments durch eine Reihe erstaunlicher zufälliger Entdeckungen inspiriert. Die Idee entstand, nachdem der Astrobiologe Charles Cockell versehentlich eine getrocknete Petrischale mit Bakterien der Art Chroococcidiopsis für ein ganzes Jahrzehnt vergessen hatte. Als er die vergessene Probe wiederentdeckte, waren die Zellen noch am Leben.
Leben jenseits menschlicher Zeitmaßstäbe
Dieser Vorfall war kein Einzelfall. Biologen waren zuvor bereits erfolgreich darin, Bakterien aus Proben wiederzubeleben, die hunderte von Jahren in Museen und Archiven gelagert worden waren. Der deutsche Mikrobiologe Ralph Møller, eine der Schlüsselfiguren in dieser Frage, stellt fest, dass solche Beispiele beweisen: Die Lebensdauer auf unserem Planeten ist nicht an die für den Menschen gewohnten Zeitstandards gebunden.
«Um dieses Phänomen vollständig zu verstehen, sind Untersuchungen erforderlich, die über die durchschnittliche menschliche Lebensspanne hinausgehen», ist sich der Wissenschaftler sicher. Genau zu diesem Zweck wurde ein Experiment geplant, das die Geduld mehrerer Generationen von Forschern erfordert.
Aufbau des Experiments: 800 Ampullen und doppelte Sicherheit
Die Basis des Projekts bilden 800 einfache Glasampullen, in denen getrocknete Bakterien zweier Arten enthalten sind: Chroococcidiopsis und Bacillus subtilis. Um die maximale Reinheit des Experiments zu gewährleisten, wurden die Proben in zwei Gruppen unterteilt:
- Strahlengeschützt: Die Hälfte der Ampullen erhielt eine spezielle Bleibeschichtung. Diese soll die Bakterien vor der zerstörerischen Wirkung natürlicher Strahlung – Radon und kosmischer Strahlung – schützen, die die DNA beschädigen können.
- Ungeschützt: Die andere Hälfte der Ampullen blieb in ihrem normalen Zustand. Dies ist die Kontrollgruppe, die für den Vergleich der Überlebensraten unter verschiedenen Bedingungen notwendig ist.
Bewusst der Risiken des Verlusts einzigartiger Daten, haben die Forscher eine exakte Kopie des gesamten Reagenzglasmengens erstellt. Dieses Reserve-Set wurde zur Aufbewahrung an das Museum für Naturkunde in London übergeben, was die Sicherheit des Experiments auch bei unvorhergesehenen Umständen garantiert.
Prüfplan: Von zwei Jahren bis zu einem Vierteljahrhundert
Das Verfahren zur Überprüfung der Ergebnisse ist streng geregelt und auf Jahrhunderte ausgelegt. In den ersten 24 Jahren des Experiments werden die Wissenschaftler alle zwei Jahre Reagenzgläser öffnen und testen, um die Dynamik des Überlebens in der Anfangsphase zu verfolgen.
Ab dem Jahr 2038 bis zum Endpunkt im Jahr 2514 wird der Prüfplan seltener: Die Analyse wird nur einmal pro Vierteljahrhundert, also alle 25 Jahre, durchgeführt. Den ersten offiziellen Bericht über die Ergebnisse der Anfangsphase des Experiments haben die Wissenschaftler bereits veröffentlicht und dabei die Lebensfähigkeit der Methode bestätigt.