In Anbetracht des massiven Einsatzes russischer Drohnen der neuen Generation mit Strahlantrieb rückt die Frage in den Vordergrund, womit die Streitkräfte der Ukraine diese hochgeschwindigkeitsfähigen Ziele genau abschwärmen werden. In einem aktuellen Beitrag für RBC-Ukraine („Warum die Russische Föderation die Ukraine mit Strahl-„Schaheds“ terrorisiert und was in Zukunft zu erwarten ist“) umriss Kirill Ljukow, Leiter der Abteilung für Drohnentechnologie des Sergej-Prjytula-Fonds, den Schlüsselvektor der Entwicklung der ukrainischen Luftverteidigung: Perspektivisch wird bei der Zerstörung von Strahl-Drohnen der Vorrang auf relativ günstige Abfangraketen mit kurzer Reichweite gelegt. Nach seiner Einschätzung ist genau diese Waffengattung in der Lage, gegen ein breites Spektrum von Luftzielen zu arbeiten – von „Geran-4“ und „Banderoles“ bis hin zu Lenkflugkörpern –, was sie zu einer universellen und wirtschaftlich gerechtfertigten Lösung für die Aufstockung des LVS-Systems macht.
Keine vollständige Umstrukturierung der LVS erforderlich
Ljukow betont, dass das Auftauchen von Strahl-Drohnen nicht die Notwendigkeit einer vollständigen Umstrukturierung des ukrainischen Luftverteidigungssystems bedeutet. Es bleibt ein Komplex aus Kräften und Mitteln im Rahmen der kleinen LVS und der Kampfstellungen entlang der Frontlinie. Den Worten des Experten zufolge arbeitet das Erkennungssystem bereits ausreichend effektiv mit den neuen Bedrohungen, und die Hauptfrage besteht jetzt nicht im „Sehen“ des Gegners, sondern in den Zerstörungsmitteln und der Umstrukturierung der Kampfstellungen und Besatzungen mit verschiedenen Waffentypen entsprechend den potenziellen Zielen des Gegners. Dies ist ein grundsätzlicher Schwerpunktwechsel: Wenn das Problem früher darin bestand, das Ziel rechtzeitig zu bemerken, so wird nun die Frage entscheidend, womit es genau abgeschossen wird und wie die Rotation der Besatzungen aufgebaut wird, um eine lückenlose Abdeckung zu gewährleisten.
Das Radarfeld – eine ständige Aufgabe
Gleichzeitig, wie Ljukow anmerkt, bleibt die Ausweitung des Radarfeldes und anderer Erkennungssensoren eine ständige und nicht weniger wichtige Aufgabe. Selbst das beste Gegenmittel wird ohne rechtzeitige Erkennung, genaue Zielzuweisung und Lenkung nicht funktionieren. Im Kontext der Wellenangriffe, die Russland gegen ukrainische Städte, einschließlich Kiew, durchführt, bedeutet dies, dass jede neue Welle von „Geran-4“ faktisch ein Stresstest für die gesamte Kette „Erkennung – Zielzuweisung – Abfangung“ ist. Die Industrie der RF arbeitet laut dem Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation in beschleunigtem Tempo: Strahl-Drohnen werden praktisch direkt vom Fließband aus gegen die Ukraine gestartet, selbst ohne längere Lagerung in Depots, was der ukrainischen Seite die Möglichkeit nimmt, die Umfang der Angriffe auf Basis der Lagerbestände des Gegners vorherzusagen.
Bedrohung durch aerodynamische Plattformen und steigende Geschwindigkeiten
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Prognose Ljurows bezüglich der Evolution der Luftbedrohungen. Der Expert äußert Befürchtungen, dass der Gegner auf aerodynamischere Plattformen wechseln wird, dank derer die Reisegeschwindigkeit und Höchstgeschwindigkeit der Drohnen noch weiter steigen werden. Der auf „Geran-4“ installierte Motor verfügt über ein deutlich größeres Potenzial als der, der derzeit in Kombination mit dem schahed-ähnlichen Gleiter realisiert wird. Das bedeutet, dass die Geschwindigkeiten der Strahl-Drohnen perspektivisch steigen und die Zeit für die Entscheidungsfindung der LVS-Besatzung und die Lenkung des Abfangers – sich verkürzen wird. Genau deshalb wird nach der Logik des Experten die Antwort nicht ein „universeller“ Flugabwehrkomplex sein, sondern die Aufstockung der Kampfstellung mit günstigen Zerstörungsmitteln, die sich schnell an das sich ändernde Zielsprofil anpassen lassen.
Widersprüchliche Daten
In den Bewertungen der Effektivität der aktuellen Abfangmittel ist eine deutliche Verzweigung zu beobachten. Einerseits stellt Kirill Ljukow in seinem Beitrag für RBC-Ukraine fest, dass das Erkennungssystem „bereits ausreichend effektiv mit den neuen Bedrohungen arbeitet“ und das Problem auf die Zerstörungsmittel und die Organisation der Besatzungen zurückzuführen ist. Andererseits behauptet die britische Zeitung The Telegraph, unter Berufung auf ukrainische Quellen (Material auf zn.ua veröffentlicht), dass „die ukrainischen Abfänger den Strahl-„Schaheds“ nicht hinterherkommen“, d. h. sie registriert einen systematischen Mangel an Abfangtempo auf der aktuellen Stufe. Diese beiden Positionen schließen sich nicht unbedingt gegenseitig aus: Die erste beschreibt die strategische Architektur und das Potenzial des Systems, die zweite – die taktische Realität konkreter Nachtdienste, wenn Welle um Welle von Strahl-Drohnen die vorhandenen Lenkkanäle überlastet. Dennoch ist es für den Leser wichtig zu verstehen, dass die Expertenprognose über „günstige Abfangraketen“ genau eine Entwicklungsprognose ist und keine Feststellung einer bereits erfolgten Aufstockung der LVS mit dieser Waffengattung.
Kontext: ukrainische Strahl-Abfänger in Entwicklung
Parallel zur Debatte über Flugabwehrraketen mit kurzer Reichweite wird in offenen Quellen die Arbeit an einer alternativen Richtung registriert – Strahl-Abfangdrohnen. Laut ura-inform.com und ukranews.com testet die Ukraine eigene Strahl-Abfänger mit einer Geschwindigkeit von über 600 km/h, die genau für den Kampf gegen Strahl-„Schaheds“ bestimmt sind. Diese Richtung kann die Raketensysteme ergänzen und den Besatzungen der kleinen LVS ein zusätzliches Instrument mit kürzerer Reaktionszeit geben. So wird die Strategie, die Ljukow beschreibt, nicht durch einen Waffentyp realisiert, sondern durch eine Kombination aus günstigen Raketen, perspektivischen Abfang-Drohnen und der kontinuierlichen Ausweitung des Sensorfeldes – genau dieser mehrstufige Ansatz wird, nach Meinung des Experten, der Ukraine ermöglichen, den Himmel über ihren Städten zu halten, während der Gegner immer schnellere und aerodynamischere Plattformen erprobt.