Die US-amerikanische Kommunikationsbehörde FCC hat die auf 11,5 Milliarden US-Dollar geschätzte Übernahme des Satellitenbetreibers Globalstar durch Amazon Leo genehmigt — die Satellitensparte von Amazon, die ein eigenes Kommunikationsnetzwerk in der erdnahen Umlaufbahn aufbaut. Die Entscheidung der Behörde beseitigt das wichtigste rechtliche Hindernis für eines der ambitioniertesten Projekte in der Geschichte der kommerziellen Raumfahrt: Amazon erhält nicht nur die Vermögenswerte von Globalstar, sondern auch entscheidende Frequenzen, die eine direkte Satellitenkommunikation auf Abonnenten-Smartphones ohne Spezialgeräte ermöglichen.
Behördliche Genehmigung und Dimension des Deals
Nach Angaben der FCC hat sich Amazon verpflichtet, mehr als 10 Milliarden US-Dollar in das Leo-Projekt zu investieren, und beabsichtigt, bereits Ende 2026 kommerzielle Dienste anzubieten. Die Behörde betonte, dass die Globalstar-Assets Amazon Leo den Markteintritt in die direkte Satellitenanbindung von Endgeräten ermöglichen und sowohl Festnetz- als auch Mobilfunkdienste bereitstellen werden. Damit betrifft die Genehmigung nicht nur den Kauf eines Unternehmens, sondern die Übertragung eines Funksesspekterpakets, das zuvor Globalstar gehörte und nun das Fundament des Verbrauchernetzwerks von Amazon bilden wird.
Ausbaupläne der Amazon-Leo-Konstellation
Seit April 2025 hat Amazon Leo bereits rund 400 Satelliten gestartet und plant, bis 2029 mehrere tausend weitere Raumfahrzeuge in der erdnahen Umlaufbahn zu stationieren. Im Juli dieses Jahres reichte Amazon einen Antrag für den Aufbau einer Konstellation mit bis zu 5.105 Satelliten ein. Dies ist eines der größten jemals von einem privaten Betreiber angemeldeten Orbitalprojekte mit dem Ziel, eine Infrastruktur zu schaffen, die mit dem marktbeherrschenden Starlink-Netzwerk konkurrieren kann, dessen Konstellation über 11.000 Raumfahrzeuge umfasst.
Strategische Bedeutung der Globalstar-Assets
Im Rahmen der Transaktion erwirbt Amazon etwa zwei Dutzend Globalstar-Satelliten sowie Frequenzen für die Smartphone-Satellitenkommunikation. Genau dieses Element macht die Übernahme strategisch wertvoll: Ohne Zugang zu dem entsprechenden Spektrum wäre eine direkte Verbindung herkömmlicher Telefone mit Satelliten in niedriger Umlaufbahn unmöglich. Dank der Globalstar-Assets wird Amazon Leo in der Lage sein, Festnetz- und Mobilfunkdienste direkt auf Endgeräte zu bringen, womit das Unternehmen auf eine Stufe mit Betreibern gestellt wird, die in diesem Segment bereits aktiv sind.
Die Rolle von Apple und dessen Kapitalanteil
Globalstar betreibt die Notfallkommunikations- und Ortungsfunktionen auf iPhones und Apple Watch. Amazon hat mit Apple vereinbart, dass diese Dienste auch künftig bereitgestellt werden. Im Jahr 2024 investierte Apple rund 1,5 Milliarden US-Dollar in Globalstar und erhielt im Rahmen der Vereinbarung einen Kapitalanteil von 20 % am Betreiber. Im vergangenen Jahr entfielen rund 63 % des Globalstar-Umsatzes auf Apple. Im Zuge der Übernahme plant Amazon, auch den von Apple gehaltenen Anteil zu erwerben, womit das Unternehmen nach Abschluss des Verfahrens faktisch zum Alleineigentümer des Betreibers wird.
Wettbewerbsumfeld und Perspektiven
Marktführer im Bereich der Satellitenkommunikation bleibt das Starlink-Netzwerk mit über 11.000 Raumfahrzeugen in seiner Konstellation. Das mit Unterstützung von Apple entwickelte neue Netzwerk wird Globalstar helfen, seine Satellitenzahl auf 54 zu erhöhen, einschließlich Ersatzgeräten — derzeit nutzt der Betreiber nur rund zwei Dutzend. Für Amazon bedeutet dies nicht nur den Kauf eines Konkurrenten, sondern den Erwerb einer fertigen Technologie- und Frequenzbasis, die den Eintritt in den Verbrauchermarkt beschleunigt. Der Gesamteffekt der Transaktion — 11,5 Milliarden US-Dollar an Investitionen und die Verpflichtung, über 10 Milliarden US-Dollar mehr in die Leo-Entwicklung zu stecken — macht Amazon zu einem der wenigen Akteure, die mittelfristig das Monopol von Starlink auf die globale Satellitenkommunikation herausfordern können.