Der Internationale Fußballverband (FIFA) hat nach dem resonanten Konflikt mit den kontinentalen Konföderationen erstmals offiziell bestätigt, dass der amtierende Präsident Gianni Infantino erneut für eine weitere Amtszeit kandidieren möchte. Wie ein offizieller Vertreter der Organisation erklärte: „Der FIFA-Präsident hat bereits im April angekündigt, dass er sich 2027 zur Wiederwahl stellen wird. Natürlich hat sich daran nichts geändert. Herr Infantino wird an den Wahlen teilnehmen.“ Damit plant der Schweizer Funktionär, der die Organisation seit 2016 leitet, nicht einmal angesichts des beispiellosen Drucks seitens der führenden Fußballverbände der Welt, seinen Posten zu verlassen. Weitere Details zu den Umständen der Erklärung finden Sie auf dem Portal Sport RBC.UA.
Ursache der Krise: Versuch der Privatisierung der kommerziellen Rechte an der WM
Der tiefste Bruch zwischen der FIFA-Spitze und den kontinentalen Verbänden wurde durch die Initiative ausgelöst, einen Teil der kommerziellen Rechte an der Fußballweltmeisterschaft an externe private Investoren zu verkaufen. Das Projekt, das in der Fußballwelt als „Privatisierung der WM“ bezeichnet wurde, löste eine Welle der Empörung aus: Eine Reihe europäischer Strukturen äußerten offen ihr Misstrauen gegenüber Infantino und warfen ihm vor, versuchen zu wollen, persönlichen Vorteil aus Vermögenswerten zu ziehen, die allen Mitgliedern der Organisation gehören. Unter wachsendem Druck hat sich die FIFA schließlich vom umstrittenen Projekt zurückgezogen, und Infantino selbst räumte öffentlich Fehler ein. Doch nach Einschätzung von Beobachtern reichte das nicht aus, um die Spannung abzubauen: Die Welle der Kritik ebbte nicht ab, sondern wandelte sich zu einer systematischen Kampagne zur Suche nach einem alternativen Kandidaten.
UEFA, AFC und CONCACAF bereiten einen „Gegenkandidaten“ vor
Obwohl Infantino derzeit der einzige offiziell registrierte Bewerber auf das Präsidentenamt ist, haben sich seine Positionen deutlich geschwächt. Der Europäische Fußballverband (UEFA) hat gemeinsam mit der Asiatischen Fußballkonföderation (AFC) und der Konföderation für Fußball in Nord- und Mittelamerika und der Karibik (CONCACAF) bereits mit der Vorbereitung eines alternativen Kandidaten begonnen. Die konkreten Namen möglicher Rivalen des amtierenden FIFA-Präsidenten sind derzeit nicht bekannt, doch allein die Tatsache der Koalition der drei größten Konföderationen – die mehr als 200 nationale Verbände umfassen – zeigt, dass die Wahlen 2027 die umkämpftesten in der Geschichte der Organisation werden könnten.
Wahlkalender: wichtige Fristen
Die endgültige Frist für die Einreichung der Kandidatur zur FIFA-Präsidentschaftswahl ist der 18. November 2026. Die Wahlen selbst finden am 18. März 2027 auf dem 77. Kongress der Organisation in Rabat (Marokko) statt. Bis dahin haben potenzielle Bewerber etwa zweieinhalb Monate Zeit, um Wahlplattformen zu formen, Unterschriften zu sammeln und Konsultationen mit den nationalen Verbänden zu führen. Für Infantino bedeutet das, dass selbst die formelle Bestätigung seiner Absichten keinen Sieg garantiert: Wenn die UEFA-AFC-CONCACAF-Koalition es schafft, einen konsolidierten Kandidaten aufzustellen, könnte der Kampf äußerst knapp werden.
Kontext: Rennen um die Ausrichtung der WM 2030 und mehr
Auf dem Hintergrund der internen Krise in der FIFA tobt parallel der Kampf um das Recht, zukünftige Weltmeisterschaften auszurichten. Kürzlich wurde bekannt, dass die Ukraine beabsichtigt, gemeinsam mit Polen eine gemeinsame Bewerbung für die WM einzureichen. Dieser Schritt würde, falls er realisiert wird, einen zusätzlichen politischen Faktor auf dem Kongress in Rabat darstellen: Die Abstimmung über die Präsidentschaftskandidatur und über die Bewerbungen für die Austragung von Turnieren traditionell im Rahmen eines einzigen Entscheidungszyklus erfolgen, was die gegenseitige Abhängigkeit der Positionen der nationalen Verbände verstärkt.