Das ukrainische Verteidigungsunternehmen Fire Point hat eine erhebliche Beschleunigung der Arbeiten an einem Luft- und Raketenabwehrsystem mit dem Codenamen „Freya' angekündigt. Laut dem Mitbegründer und Chefkonstrukteur Denis Stilyerman könnten die ersten Abfangraketen bereits bis Ende dieses Jahres einsatzbereit sein.
Schlüsselpartnerschaften in der Technologie
Um diese ehrgeizigen Pläne umzusetzen, schließt das Unternehmen aktiv internationale Verträge ab. Fire Point hat eine Vereinbarung mit einem europäischen Partner über die Lieferung von Infrarot-Suchköpfen für zukünftige Abfangraketen unterzeichnet. Parallel dazu werden Verhandlungen mit einem anderen Unternehmen über die Integration von Hochfrequenz-Leitsystemen geführt, wobei die Namen der Firmen derzeit noch nicht offengelegt werden.
Ein wichtiger Schritt war die Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit dem Münchener Unternehmen Hensoldt. Der deutsche Partner wird den TRML-4D-Radar liefern, der als „Augen' des Freya-Systems dienen und die Zielortung über große Entfernungen hinweg sicherstellen wird.
Kriegsfaktor: Entwicklungsgeschwindigkeit
Denis Stilyerman betont, dass die Bedingungen der Kampfhandlungen in der Ukraine als Katalysator für Innovationen gewirkt haben. Die Abschaffung bürokratischer Hürden ermöglicht Tests in extrem kurzer Zeit. Nach seinen Worten können Prozesse, die in Europa sechs Monate bis ein Jahr dauern, in der Ukraine innerhalb eines Tages realisiert werden.
„Wenn jede europäische Regierung schnell handelt, können wir bis Ende dieses Jahres mit der Arbeit an Abfangraketen beginnen', unterstrich der Konstrukteur und verknüpfte den Erfolg des Projekts mit dem politischen Willen der Partnerländer.
Tests und neue Raketen
Das Unternehmen hat bereits den ersten Test der Abfangrakete FP-7.X durchgeführt, die die Grundlage des Freya-Projekts bilden wird. Dieses Gerät kann Geschwindigkeiten von 1.500 bis 2.000 Metern pro Sekunde erreichen. Im Sommer sollen Flugtests mit der ballistischen Rakete FP-9 beginnen, die mit einer 800-Kilogramm-Kampfkopf ausgestattet ist und Ziele in einer Entfernung von bis zu 850 km bekämpfen kann. Kampftests dieses Modells sind für den Herbst geplant.
Investitionsbewertung und internationale Zusammenarbeit
Das wachsende Selbstbewusstsein des Unternehmens spiegelt sich auch in seiner Marktkapitalisierung wider. Ein früher diskutiertes Angebot eines Investors aus dem Nahen Osten, 30 % der Aktien für 760 Millionen Dollar zu kaufen, wurde abgelehnt, da die Bewertung von Fire Point diesen Betrag überstieg. Laut Stilyerman hat eine bekannte Investmentbank das Unternehmen auf 5,8 Milliarden Dollar bewertet.
Auch auf staatlicher Ebene wird die Zusammenarbeit ausgebaut. In Ramstein unterzeichneten der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der Minister für digitale Transformation Mychailo Fedorow mit Deutschland eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung eines Anti-Ballistischen-Raketen-Programms, bei dem Fire Point eine Schlüsselrolle spielen wird. Darüber hinaus führt das Unternehmen Verhandlungen mit dem deutschen Verteidigungsministerium über die Produktion von Marschflugkörpern vom Typ „Flamingo'.