Das Bauunternehmen "Kalmius", das mit dem Geschäftsumfeld von Iwan Fedorow, dem Leiter der staatlichen Agentur für Wiederaufbau und Infrastrukturentwicklung der Ukraine, verbunden ist, hat nach seiner Ernennung staatliche Aufträge im Wert von 2,14 Milliarden Hrywnja erhalten. Zu diesen Schlüssen kamen Journalisten der Publikation "Nashi Hroshi" in ihrer Recherche, deren Details von führenden ukrainischen Medien veröffentlicht wurden.
Umfang der staatlichen Aufträge und neue Verträge
Den Ermittlern zufolge hat das Unternehmen "Kalmius" in den anderthalb Jahren seines Bestehens über das Prozorro-System Verträge im Gesamtwert von etwa 5,6 Milliarden Hrywnja abgeschlossen. Ein beträchtlicher Teil dieses Betrags, nämlich 2,14 Milliarden Hrywnja, entfällt dabei auf Vereinbarungen, die unterzeichnet wurden, nachdem Iwan Fedorov die Leitung der Behörde übernommen hatte. Einer der größten neuen Aufträge wurde in der Oblast Saporischschja vergeben, die Fedorov zuvor als Leiter der regionalen Staatsverwaltung geführt hatte.
Dabei handelt es sich um ein groß angelegtes Projekt zum Bau von Drohnenschutzvorrichtungen über den Straßen der Oblast Saporischschja mit geschätzten Kosten von rund 1,1 Milliarden Hrywnja. Nach Angaben von Journalisten wurde dieser Auftrag ohne wettbewerbliche Ausschreibung an das Unternehmen vergeben. Das Projekt umfasst die Installation von Schutzmetallkonstruktionen, Spezialnetzen und Metalldrahtverstrebungen.
Preisvergleich und geschlossene Energieaufträge
Bei der Analyse der Dokumentation machten die Rechercheure auf einen erheblichen Preisunterschied bei ähnlichen Arbeiten in verschiedenen Regionen aufmerksam. Insbesondere kostet die Installation von Stützen und die Montage von Schutznetzen in Saporischschja etwa dreimal so viel wie vergleichbare Aufträge in der Oblast Charkiw, während die Errichtung von Metallverstrebungen die Preise in Charkiw um das Anderthalbfache übersteigt.
Darüber hinaus erhielt "Kalmius" ohne Ausschreibungsverfahren zwei große Aufträge zum Schutz von Energieanlagen in der Oblast Dnipropetrowsk im Wert von jeweils 515 Millionen Hrywnja. Diese Vereinbarungen werden im Rahmen von Resilienzplänen ohne Auktionen über Prozorro abgewickelt, und detaillierte Informationen darüber sind verborgen, was die Überprüfung der Baustoffpreise anhand offener Quellen unmöglich macht.
Hintergrund des Unternehmens und Verbindungen zur Wirtschaft in Melitopol
Das Unternehmen "Kalmius" wurde 2025 in Saporischschja registriert, und als Eigentümer ist Danyil Sandyriev angegeben. Bemerkenswert ist, dass die Firma ihren ersten staatlichen Auftrag nur zwei Wochen nach der offiziellen Registrierung erhielt. In der Folge begann das Unternehmen regelmäßig, große Ausschreibungslotterien in der Region zu gewinnen.
Die Autoren der Recherche verfolgen eine direkte Verbindung des Unternehmens zu anderen Strukturen aus Melitopol. So kooperiert "Kalmius" mit dem Bauunternehmen "Positiw", das vor Beginn des groß angelegten Krieges in Melitopol während der Amtszeit von Iwan Fedorov registriert war und später den Sitz nach Saporischschja verlegte. Berichten zufolge wird zudem Ausrüstung von der Firma "Morena SK" gemietet, die in einem Strafverfahren des Büros für wirtschaftliche Sicherheit wegen mutmaßlicher Veruntreuung von Befestigungsgeldern auftaucht, wobei der ehemalige Abgeordnete des Stadtrats von Melitopol, Serhii Bilowol, als Hauptverdächtiger genannt wird.
Bedeutung der Recherche und weiterer Ausblick
Die veröffentlichten Daten zu den Milliardenverträgen lenken erneut die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Transparenz der Haushaltsmittelvergabe im Bau- und Infrastruktursektor. Die Situation um die Vergabe großer Aufträge ohne offene Wettbewerbe wirft bei den zuständigen Behörden Fragen zur Notwendigkeit einer strengen Kontrolle der Preisgestaltung und der Einhaltung von Wettbewerbsverfahren bei der Umsetzung kritischer Wiederaufbauprojekte auf.