Die globale Finanzelite beginnt mit einer umfassenden Umstrukturierung ihrer Vermögen. Der US-Dollar, der jahrzehntelang als unersetzliche Stütze zur Bewahrung von Reichtum galt, verliert in den Portfolios der wohlhabendsten Familien der Erde an Bedeutung. Dies ist nicht nur eine Reaktion auf aktuelle Kursschwankungen, sondern ein fundamentaler Paradigmenwechsel, der von geopolitischer Instabilität und der wachsenden Schuldenlast Amerikas diktiert wird.

Ein neuer Bericht des UBS Global Family Office Report 2026, analysiert von internationalen Medien, deckt eine für Washington beunruhigende Tendenz auf. Etwa zwei Drittel der Family Offices – Strukturen, die die Vermögenswerte wohlhabender Clans verwalten – erwarten innerhalb des nächsten Jahres einen Vertrauensverlust gegenüber dem „Grünen“. Bemerkenswert ist, dass die Studie zu Beginn des Jahres durchgeführt wurde, bevor der Dollar einen Anstieg seiner Stärke zeigte, was auf einen langfristigen und nicht nur kurzfristigen Charakter dieser Stimmungen hindeutet.

Wohin fließt das Geld?

Investoren, die Milliardenwerte verwalten, geben zu, dass ihre Portfolios zu stark mit der amerikanischen Währung belastet sind. Vorherige Dollarabwertungen haben viele dazu veranlasst, ihre Strategie zu überdenken: Fast die Hälfte der Befragten hält ihre Konzentration auf den Dollar für übertrieben. Benjamin Cavalli von UBS weist auf ein beispielloses Phänomen hin: Family Offices beginnen, aktiv in Richtung der Asien-Pazifik-Region und Westeuropa zu blicken. Während dies früher vor allem Nicht-US-Residenten betraf, zeigen sich nun auch unter amerikanischen Familien Anzeichen eines vorsichtigen Abgangs vom Dollar.

Überlebensstrategie: Multi-Shoring und neue Vermögenswerte

Haupttreiber der Veränderungen ist die Geopolitik. In einer Zeit, in der Grenzen enger werden und Handelsrouten verwundbar sind, wechseln wohlhabende Familien zu einer sogenannten „Multi-Shoring“-Strategie. Dies bedeutet die Verteilung von Geschäftstätigkeit und Vermögenswerten auf verschiedene Jurisdiktionen, um Risiken lokaler Krisen zu minimieren.

Statt klassischer Instrumente entstehen neue Prioritäten:

  • Schwellenländer: Der Anteil der Investitionen in diese Regionen soll erhöht werden, da dort das Wachstumspotenzial höher ist.
  • Infrastruktur: Physische Projekte werden attraktiver als spekulative Instrumente.
  • Immobilien: Im Gegensatz dazu nehmen Investitionen in klassische Immobilien allmählich ab und weichen liquideren und vielversprechenderen Vermögenswerten.

Die Umfrage umfasste 307 UBS-Kunden weltweit mit einem durchschnittlichen Vermögen von 2,7 Milliarden Dollar. Ihre Handlungen setzen den Marktton: Wenn die „Wale“ den Kurs ändern, werden ihnen zwangsläufig die anderen Marktteilnehmer folgen. Die Ära des uneingeschränkten Dollar-Dominanz in privaten Investitionen scheint ihrem Ende entgegenzugehen.