Forscher der Rice University in Houston (USA) haben eine Methode zur Fernsteuerung des Verhaltens von Fruchtfliegen – Drosophila – durch gezielte Einwirkung auf ihr Gehirn demonstriert. Laut der in Nature Materials veröffentlichten Studie führten die Insekten die gewünschte Bewegung innerhalb von etwa einer Sekunde aus, nachdem bestimmten Neuronen ein Befehl erteilt wurde. Die Arbeit wird als bedeutender Schritt im Bereich der Neurotechnologie positioniert und bringt laut den Autoren die Entwicklung drahtloser Gehirn-Computer-Schnittstellen näher.

Wie die „magnetische Fernbedienung“ für das Gehirn funktioniert

Im Rahmen des Experiments brachten die Wissenschaftler Eisenoxid-Nanopartikel in das Gehirn der Fliegen ein, die sich unter dem Einfluss eines Magnetfelds erhitzen. Gleichzeitig wurden die Insekten genetisch so verändert, dass in ihren Neuronen ein Ionenkanal vorhanden war, der auf die Geschwindigkeit der Temperaturänderung anspricht. Wenn sich die Fliegen in der Kammer bewegten und krabbelten, änderte sich das Magnetfeld, die eingepflanzten Nanopartikel erwärmten sich und aktivierten damit die erforderlichen Neuronen. So wurde die physische Einwirkung des Magnetfelds in ein gesteuertes neuronales Signal umgewandelt, ohne dass ein physischer Kontakt mit dem Insekt bestand.

Experiment: Kammer, Elektromagnet und Videokamera

Die Studie wurde in einer speziell ausgestatteten Kammer durchgeführt: Unter ihr war ein Elektromagnet installiert, oben eine Videokamera, die die Reaktion der Fliegen auf die gesendeten Signale festhielt. Genau diese Anordnung ermöglichte es, den Moment der Änderung des Magnetfelds mit einer konkreten Verhaltensreaktion der Insekten zu verknüpfen und zeitlich festzuhalten. Laut den Autoren macht diese Konfiguration das Experiment reproduzierbar und für die weitere Feinabstimmung der Stimulationparameter geeignet.

Balzgeste als Erfolgsmarker

Die Videokamera hielt fest, dass die genetisch veränderten Fliegen etwa eine halbe Sekunde nach dem magnetischen Signal ihre Flügel teilweise ausbreiteten. Die Experten werten diese Bewegung als Balzsignal, das für diese Tiere typisch ist, und sie dient als anschaulicher Marker dafür, dass die Zielneuronen tatsächlich aktiviert wurden. Der Studienautor Jacob Robinson betonte, dass die Fernsteuerung ausgewählter neuronaler Schaltkreise mit Hilfe von Magnetfeldern das Hauptziel der Neurotechnologie sei und ihre Arbeit einen wichtigen Schritt nach vorn in der Gehirnforschung darstelle.

Widersprüchliche Angaben

In der Beschreibung der Ergebnisse tauchen zwei unterschiedliche Zeitangaben auf: An einer Stelle wird berichtet, dass die Fliegen die gewünschte Bewegung „nur in einer Sekunde“ ausführten, an anderer Stelle, dass das teilweise Ausbreiten der Flügel „nach einer halben Sekunde“ nach dem Signal erfolgte. Diese Zahlen können den Unterschied zwischen dem Beginn der Reaktion (ca. 0,5 s) und dem vollständigen Abschluss der programmierten Bewegung (bis zu 1 s) widerspiegeln, doch in den öffentlichen Formulierungen werden sie nicht immer konsistent dargestellt. Bis erweiterte Angaben zur Messmethode vorliegen, sollte die genaue Dynamik der Antwort mit Vorbehalt betrachtet werden.

Perspektiven: von der Sehschärfe-Restaurierung bis zu Neurointerfaces

Derzeit arbeitet das Team an Methoden zur Wiederherstellung des Sehvermögens bei Menschen durch Fernstimulation des Gehirns. Die Autoren hoffen, dass die Technologie zur präzisen Aktivierung einzelner Gehirnbereiche in Zukunft die Grundlage für die Behandlung vieler Erkrankungen, einschließlich neurologischer Störungen, ohne chirurgischen Eingriff bilden kann. Darüber hinaus kann dieser Ansatz laut den Wissenschaftlern zur Entwicklung drahtloser Geräte beitragen, die eine direkte Verbindung zwischen Gehirn und Computer ermöglichen; damit solche Geräte der Präzision natürlicher Gehirnsignale nahekommen, muss die Reaktionszeit auf Bruchteile einer Sekunde verkürzt werden.