Die französische Generaldirektion für Rüstung (DGA) hat offiziell einen Vertrag mit dem Rüstungsriesen MBDA über die Entwicklung und Produktion einer nuklearen Marschflugkörper der nächsten Generation – der ASN4G – unterzeichnet. Dieses Ereignis stellt einen entscheidenden Schritt im langfristigen Plan zur Modernisierung der strategischen Abschreckung des Landes dar.

Das neue Waffensystem soll das derzeitige Modell ASMPA-R vollständig ersetzen. Obwohl die aktuellen Raketen ihre Aufgaben weiterhin effektiv erfüllen, bestehen die französischen Militärstrategen auf ihrem Ersatz. Der Haupttreiber für diese Änderungen ist die rasante Verbesserung der Luftabwehrsysteme weltweit sowie die Lehren, die aus dem russisch-ukrainischen Konflikt gezogen wurden.

Die Entscheidung für Hyperschall

In der Planungsphase betrachteten die Ingenieure zwei grundlegend unterschiedliche Konzepte. Die erste Variante setzte auf „Stealth“-Technologien und den Einsatz eines Strahltriebwerks mit direktem Luftstrom (Ramjet), um die Sichtbarkeit auf Radaren maximal zu reduzieren. Die zweite Variante konzentrierte sich auf extreme Hyperschallgeschwindigkeit und extrem hohe Manövrierfähigkeit im Flug.

Letztendlich wählten die Entwickler den Weg des Hyperschalls. Die Kombination aus extrem hoher Geschwindigkeit und der Fähigkeit, die Flugbahn in der Luft zu ändern, verkürzt die Warnzeit des Gegners erheblich. Dies erschwert die radargestützte Verfolgung und macht den Abschuss der Rakete durch moderne Abwehrraketensysteme praktisch unmöglich.

Technische Spezifikationen und Perspektiven

Experten gehen davon aus, dass die Neuheit mit einem Hyperschall-Scramjet-Triebwerk ausgestattet ist. Dies wird es ihr ermöglichen, die Leistungsdaten der aktuellen Rakete ASMPA-R, die eine Geschwindigkeit von etwa Mach 3 erreicht und eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern hat, deutlich zu übertreffen.

Hauptträger der neuen Hyperschallwaffe wird der zukünftige französische Kampfflugzeug Rafale F5 sein. Der Beginn des Einsatzes der aktualisierten Flugzeugversion ist für das Jahr 2030 geplant, während die Rakete ASN4G voraussichtlich um 2035 offiziell in den Dienst der Luftwaffe aufgenommen werden soll.

Der Demonstrator Thémis

Parallel zur Vertragsunterzeichnung veröffentlichte das Verteidigungsministerium das erste offizielle Bild, das mit dem technologischen Demonstrator Thémis in Verbindung steht. Auf dem Foto ist ein flügeltragender Apparat zu sehen, der mit Hilfe von zwei Raketentriebwerken in den Himmel aufsteigt.

Details zu diesen Tests sowie der genaue Ort und Zeitpunkt ihrer Durchführung bleiben streng geheim. Das Agentur betonte jedoch, dass die Umsetzung des Programms einen „enormen technologischen Durchbruch darstellt, der auf einzigartigen industriellen Fähigkeiten basiert, die nur wenigen Ländern der Welt zur Verfügung stehen“.