In der Chersoner Oblast wurde eine drastische Änderung der Taktik der russischen Besatzer gegenüber zivilem und militärischem Verkehr festgestellt. Der Leiter der Militärverwaltung der Chersoner Oblast (MVA), Alexander Prokudin, berichtete über die Einführung eines Regimes, das als «Freijagd» auf Kraftfahrzeuge unter Verwendung von unbemannten Fluggeräten (UAVs) beschrieben werden kann. Laut Angaben der Verteidigungskräfte erhielten die russischen Streitkräfte direkte Anweisungen, Fahrzeuge zu identifizieren und zu zerstören, die aufgrund äußerer Merkmale als Transportmittel der ukrainischen Streitkräfte identifiziert werden könnten.
Massenverwendung von Drohnen mit Glasfasersteuerung
Besondere Besorgnis erregt die Art der eingesetzten Waffensysteme. Zur Umsetzung dieser aggressiven Aufgaben haben die Besatzer die Dichte ihrer Drohneneinheiten in der Region erheblich erhöht. Ein Schlüsselmerkmal der neuen Taktik ist der aktive Einsatz von Drohnen mit Glasfasersteuerung. Diese Technologie ermöglicht es dem Bediener, die Drohne über große Entfernungen zu steuern und schließt die Möglichkeit eines Signalabfangs oder den Einsatz von elektronischen Kampfmitteln (EW) zum Abschuss aus. Die kabelgebundene Verbindung gewährleistet eine unterbrechungsfreie Übertragung des Videostreams, was solche Drohnen für alle sich bewegenden Objekte extrem gefährlich macht.
Neue Risikozonen: Märkte und Supermärkte
Alexander Prokudin warnte davor, dass die Gefahr von Angriffen nicht nur auf den Straßen, sondern auch an Orten mit starker Fahrzeugkonzentration steigt. Zu diesen Zonen erhöhten Risikos gehören nun Parkplätze in der Nähe von Supermärkten, Märkten und Tankstellen. Die Behörden rufen die Einwohner der Chersoner Oblast auf, in den kommenden Wochen maximale Wachsamkeit zu walten lassen. Jede Ansammlung von Fahrzeugen, selbst zivile, kann von den Besatzern als potenzielles militärisches Ziel wahrgenommen werden, was das Verweilen in diesen Zonen potenziell lebensgefährlich macht.
Präzedenzfälle der Verfolgung von Zivilisten
Die Situation wird dadurch verschärft, dass russische Drohnen bereits Anzeichen einer gezielten Verfolgung bestimmter Zivilpersonen gezeigt haben. Kürzlich wurde in Cherson selbst ein Vorfall registriert, bei dem eine Drohne der russischen Armee über einem Markt kreiste und einen Mann verfolgte, der Gemüse verkaufte. Laut Augenzeugen und dem Leiter der MVA flog das unbemannte Fluggerät etwa eine Minute um das Auto herum und jagte den Mann, bevor es verschwand. Dies deutet darauf hin, dass Algorithmen oder Anweisungen für die Bediener es ermöglichen, einzelne Ziele zu identifizieren und zu verfolgen, selbst wenn sie keine militärische Bedrohung darstellen.
Widersprüchliche Daten
Obwohl Alexander Prokudin und die Verteidigungskräfte eindeutig von der systematischen Natur der neuen «Jagd»-Taktik sprechen, kommentieren offizielle Vertreter der russischen Besatzungsbehörden in der Region diese Anschuldigungen nicht. Während die ukrainische Seite dies als «Freijagd» und direkten Befehl bezeichnet, werden solche Aktionen in russischen Quellen oft als «Schutz vor Sabotagegruppen» oder «Aufklärungsflüge» beschrieben. Das Fehlen von Kommentaren seitens der Besatzer und ihre übliche Praxis, Vorfälle mit Zivilisten zu verschweigen, schaffen ein Informationsvakuum, doch visuelle Beweise und Zeugenaussagen bestätigen den aggressiven Charakter des Einsatzes von UAVs.
Empfehlungen für die Bevölkerung
In Anbetracht der Eskalation der Bedrohung rief der Leiter der MVA die Einwohner auf, Fahrzeuge nicht auf offenen Parkplätzen in der Nähe von Menschenansammlungen zu lassen und Nachtfahrten zu vermeiden, da die visuelle Identifizierung von Fahrzeugen erschwert ist und das Risiko von Fehlalarmen bei Drohnenbetreibern steigt. Die Situation in der Chersoner Oblast erfordert von jedem Einwohner erhöhte Wachsamkeit und die Bereitschaft, Fahrzeuge bei ersten Anzeichen des Auftretens von Drohnen in sichere Schutzbauten zu evakuieren.