Die ukrainische Rüstungsindustrie hat einen Schritt in Richtung einer grundlegend neuen Raketenabwehrsystem getan. Das Unternehmen Fire Point hat erfolgreich Tests eines Abfangraketen durchgeführt, die in der Lage ist, ballistische Ziele zu zerstören. Das neue Produkt wird als eine kostengünstigere und besser skalierbare Alternative zu den amerikanischen Patriot-Systemen positioniert.
Das europäische Projekt Freya
Die Entwicklung erfolgt im Rahmen des paneuropäischen Programms Freya, dem sich mehrere Partnerländer angeschlossen haben. Das Hauptziel des Projekts ist die Schaffung eines Luftverteidigungssystems, das ballistische Raketen effektiv abfangen kann. Auf ukrainischer Seite wird das Programm von Rustem Umerov geleitet. An der Umsetzung des Projekts sind neben der Ukraine auch Deutschland, Frankreich und Norwegen beteiligt.
Ein weiteres ukrainisches Unternehmen beteiligt sich am Programm, dessen Name jedoch derzeit noch nicht bekannt gegeben wird. Fire Point fungiert als Initiator, Hauptentwickler und Integrator des gesamten Komplexes. Das Unternehmen entwickelt und produziert die Abfangraketen FP-7 sowie die Startvorrichtungen eigenständig. Die übrigen Komponenten des Systems werden von den Partnerländern erstellt, wonach Fire Point diese in ein einziges, fertiges System integriert.
Technische Spezifikationen der FP-7.x
Die Basis des neuen Komplexes bildet die Abfangrakete FP-7.x, die aus modernen Verbundwerkstoffen gefertigt wurde. Die ersten Demonstrationsstarts der Rakete fanden Ende Februar dieses Jahres statt. Laut den Entwicklern weist das Produkt folgende Parameter auf:
- Die Länge der Rakete beträgt 7,25 Meter.
- Die maximale Fluggeschwindigkeit erreicht 1500–2000 m/s.
- Die Reichweite beträgt bis zu 200 km.
- Das Gewicht der Kampfkopf beträgt bis zu 150 kg.
Ein wichtiger Aspekt ist das Lenksystem. Die Rakete ist mit einem halbaktiven infraroten Lenkkopf ausgestattet. Die Entwicklung dieses Komponenten erfolgt in Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen Diehl Defence (IRIS).
Wirtschaftlicher Faktor und Skalierbarkeit
Der entscheidende Vorteil der neuen Entwicklung, auf den Fire Point setzt, ist die deutlich geringeren Kosten im Vergleich zu westlichen Analoga. Ein Abfangrakete wird auf etwa 700.000 Dollar geschätzt. Zum Vergleich kostet eine PAC-3-Rakete für das Patriot-System etwa 3,8 Millionen Dollar.
Dieser Preisunterschied soll, so die Absicht der Entwickler, eine erhebliche Skalierung der Produktion ermöglichen und große Bestände für den täglichen Einsatz unter Bedingungen intensiver Angriffe schaffen. Dies ist besonders relevant vor dem Hintergrund von Berichten der Luftstreitkräfte der Streitkräfte der Ukraine über einen akuten Mangel an Munition für die Systeme Patriot, NASAMS und IRIS-T, wenn einzelne Einheiten kritisch begrenzte Raketenbestände haben.
Einführungspläne
Das Unternehmen plant, die Serienproduktion bereits im August dieses Jahres zu beginnen. Nach aktuellen Plänen könnte die Rakete 2027 in den Dienst gestellt werden. Fire Point betont, dass Freya ein multifunktionales System ist, das Aufgaben sowohl der Luftverteidigung als auch der Raketenabwehr erfüllen kann, aber seine Hauptmerkmale ist der Schutz speziell vor ballistischen Zielen.