Die ukrainischen Geheimdienste haben vor einer groß angelegten Desinformationskampagne gewarnt, die von ihren russischen Kollegen vorbereitet wird. Laut dem Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation (ZBD) beim Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat (NSWR) plant Moskau, das historische Gedächtnis an die Tragödie in Wolhynien zu nutzen, um einen Konflikt zwischen Kiew und Warschau zu schüren.
Der Leiter des ZBD, Andrei Kowalenko, enthüllte in seinem Telegram-Kanal Details des Plans. Demnach überwacht der FSB-Direktor Alexander Bortnikow die Operation persönlich. Ihr Ziel ist es, künstlich Spannungen in den Beziehungen zwischen zwei Schlüsselverbündeten der Ukraine zu erzeugen.
Szenario der Provokation: 5. Juli und gefälschte Dokumente
Im Zentrum dieser Kampagne steht das Datum des 5. Juli. An diesem Tag planen die russischen Geheimdienste, gefälschte Dokumente zu veröffentlichen, die angeblich mit Ereignissen des Zweiten Weltkriegs und den Wolhynischen Ereignissen in Verbindung stehen. Die Aufgabe ist einfach: eine „Sensation“ zu platzieren, die als Vorwand für eine neue Welle gegenseitiger Vorwürfe und Streitigkeiten zwischen Ukrainern und Polen dient.
Zur Umsetzung des Szenarios werden russische Staatsmedien eingesetzt. Ihre Aufgabe besteht darin, den Einwurf so weit wie möglich zu verbreiten, damit er viral geht und eine heftige Reaktion in der Gesellschaft auslöst. Parallel dazu, wie das ZBD feststellt, haben sich in Polen russische Bot-Farmen aktiviert. Sie schüren die Stimmung, indem sie manipulativen Inhalt und Spekulationen über komplizierte Kapitel der gemeinsamen Geschichte verbreiten.
Anerkennung durch Warschau: Der Krieg um die Köpfe
Die Informationen über die Vorbereitung des Angriffs sind für die polnische Seite keine Überraschung. Der polnische Minister für die Koordinierung der Geheimdienste, Tomasz Siemoniak, hatte bereits zuvor erklärt, dass Russland Troll-Farmen und Bot-Netzwerke aktiv für den Informationskrieg nutzt. Warschau sieht darin einen Versuch des Kremls, historische Streitigkeiten als Druckhebel zu nutzen, um das Vertrauen zwischen den Völkern zu untergraben.
Die Strategie Moskaus besteht darin, emotionale Anlässe zu schaffen, die die Polarisierung nähren. Durch die Nutzung historischer Bilder und sensibler gesellschaftlicher Themen versucht der Kreml, das gegenseitige Misstrauen in der ukrainischen und polnischen Gesellschaft zu verstärken und so die Einheit mit dem westlichen Flügel zu zerstören.
Versuche eines Dialogs inmitten des Drucks
Paradoxerweise unternahmen Ukraine und Polen genau zum Zeitpunkt der Vorbereitung dieser Provokation Schritte zur Deeskalation. Während eines Treffens in Warschau diskutierten die Außenminister Andrii Sybiha und Radosław Sikorski über Krisenmaßnahmen. Die Parteien einigten sich auf Konsultationen von Diplomaten, ein Treffen von Historikern und einen Dialog unter Beteiligung religiöser Führer.
Kiew ging ebenfalls auf die Partner zu, indem es die Aufhebung des Verbots für Exhumierungen ankündigte und sich bereit erklärte, Genehmigungen für Sucharbeiten auszustellen. Doch nach Angaben des ZBD hat Russland jahrelang eine Informationsbasis aufgebaut, um diese Bemühungen zum richtigen Zeitpunkt zu sabotieren und die Partner zu gegenseitigen Vorwürfen zurückzuführen.