Der russische Föderale Sicherheitsdienst (FSB) gab am 14. Juli eine weitreichende Erklärung ab, in der er von der Verhinderung einer großen Sabotageaktion sprach. Laut dem Ministerium ist der bekannte ukrainische Rapper, Videoblogger und Schauspieler Albert Wassiljew, der unter dem Pseudonym Kyivstoner bekannt ist, an der Organisation eines Drohnenangriffs auf ein Rüstungsbetrieb in der Region Moskau beteiligt gewesen.
Die Version der Geheimdienste: Sabotage am Vorabend
Laut offiziellen Angaben des FSB soll Wassiljew, der sich derzeit in Europa aufhält, eine Gruppe von Komplizen geleitet haben, die einen Angriff auf die Fabrik vorbereiteten. Russische Sicherheitsbehörden behaupten, den Angriff im Vorbereitungsstadium vereitelt zu haben. Laut Ermittlungsbehörden planten die Saboteure den Einsatz von 35 FPV-Drohnen, die mit ausländischem Sprengstoff bestückt waren und gegen elektronische Kampfsysteme resistent sein sollen.
Die Drohnen wurden angeblich in einem angemieteten Hangar gelagert, der sich in unmittelbarer Nähe des Angriffsziels befand. Der FSB bestätigte die Festnahme des direkten Ausführenden, der sich mit dem Zusammenbau und der Aktivierung der Drohnen befasste und eine Kommunikationsverbindung zu Operatoren im Ausland herstellte. Bei dem Versuch, den Mieter des Lagers, in dem die Technik gelagert wurde, festzunehmen, leistete dieser bewaffneten Widerstand und kam dabei ums Leben.
In der Erklärung des Ministeriums heißt es ausdrücklich: „Es wurde festgestellt, dass der ukrainische und US-amerikanische Staatsbürger Albert Wiktorowitsch Wassiljew, geboren 1991, Videoblogger, Rapper und Filmschauspieler, der das Pseudonym ‚Kyivstoner‘ verwendet, an der Organisation des Terroranschlags und der Führung der Helfershelfer unter dem Patronat des SBU beteiligt war.“ Darüber hinaus hat die russische Seite dem Künstler auch den Vorwurf der Verbreitung von Drogen gemacht.
Reaktion des Künstlers und der Öffentlichkeit
Albert Wassiljew selbst wurde völlig überrascht. Der Rapper veröffentlichte in seinen sozialen Medien eine Reaktion auf die Anschuldigungen, in der er sein Erstaunen über diese „Aufmerksamkeit“ der russischen Geheimdienste zum Ausdruck brachte und alle Vorwürfe kategorisch zurückwies. Seine Antwort war von obszöner Sprache geprägt, was für öffentliche Erklärungen des Künstlers ein seltenes Vorkommnis darstellt.
Der ukrainische Aktivist Serhij Sternenko reagierte auf die Erklärung des FSB mit Ironie und nannte die Version des Kremls absurd. In seinem Beitrag schrieb er: „Kyivstoner entpuppte sich als tief verdeckter Agent der ukrainischen Geheimdienste und plante, die Region Moskau in die Luft zu jagen. Kein Witz. Unser Elefantenkalb. Deshalb fragte er mich auf Instagram nach Drohnen“.
Voraussetzungen und Kontext
Die Beziehungen zwischen Wassiljew und der ukrainischen Aktivistenszene waren nicht immer harmonisch. Noch vor Beginn des umfassenden Überfalls im September 2021 warf Sternenko dem Rapper vor, für die russische Propaganda zu arbeiten. Anlass war ein Video, in dem der Künstler vor dem Publikum „Russland!“ skandierte. Kyivstoner wies damals die Vorwürfe einer prorussischen Haltung zurück und erklärte seine Unterstützung für die Ukraine sowie seine Wut auf die russische Führung.
Lange Zeit arbeitete Wassiljew in Russland, unter anderem moderierte er die beliebte Talkshow GazLive auf YouTube zusammen mit dem Künstler Basta. 2021 wurde ihm der Einreise in das Land informell untersagt, woraufhin er die Aufnahmen für die Show aus der Ferne fortsetzte. Derzeit lebt der Rapper in Spanien und der Slowakei.
Informationshintergrund
Experten stellen fest, dass Russland nicht zum ersten Mal versucht, die Verantwortung für eigene Militäroperationen auf die Ukraine abzuwälzen. Als Beispiel wird die Desinformationskampagne von Januar 2026 angeführt, als Propagandisten die ukrainischen Streitkräfte (AFU) für Verbrechen in Pokrowsk in der Oblast Donezk verantwortlich machten, obwohl die Zerstörung der Stadt das Ergebnis von Stürmen der russischen Armee war. Auch im Juli 2026 wurden in Deutschland einem Ukrainer Vorwürfe wegen der Beteiligung an der Sprengung der Gasleitungen „Nord Stream“ gemacht.