Der russische Energiesektor durchlebt eine der schwierigsten Phasen in der jüngeren Geschichte. Am 7. Juli erreichten die Aktien der PJSC Gazprom an der Moskauer Börse ein historisches Tief, das seit November 2008 – der Zeit der globalen Finanzkrise und des tiefgreifenden wirtschaftlichen Schocks in Russland – nicht mehr zu verzeichnen war.
Die Kurse fallen unter die psychologische Marke
Laut dem Analyse-Service Tradingview sanken die Kurse des „blauen Ficus' im Verlauf des Handels am Dienstag auf 91,55 Rubel pro Aktie. Dies ist der niedrigste Wert seit 16 Jahren. Noch am Vortag hatten die Papiere des Unternehmens die psychologisch wichtige Marke von 95 Rubel unterschritten, ein Niveau, das zuletzt ebenfalls während der Weltfinanzkrise verzeichnet worden war.
Gegen Abend des 7. Juli, um 17:25 Uhr Kiewer Zeit, stabilisierte sich die Situation nur geringfügig: Die Aktien stiegen auf 92,11 Rubel. Dieser Anstieg änderte jedoch nichts am insgesamt negativen Bild. Die Marktkapitalisierung des russischen Öl- und Gasriesen sank auf etwa 2,22 Billionen Rubel.
Die Lage im Sektor und die Gründe für den Rückgang
Die Probleme betrafen nicht nur Gazprom. Auch die Aktien der Tochtergesellschaft Gazprom Neft verloren fast 2 % an Wert und erreichten ein Tief seit Oktober 2022. Dies deutet auf einen systemischen Druck auf den gesamten russischen Energiesektor hin.
Der Kursverfall hat einen kumulativen Charakter. Bereits am 23. Juni waren die Gazprom-Aktien auf ein Tief seit 2009 gefallen, als sie noch 99,9 Rubel kosteten. Der entscheidende Faktor für den Absturz waren jedoch die Ereignisse vom 18. Juni: Nach einem massiven Drohnenangriff der ukrainischen Streitkräfte auf Moskau stürzte der russische Aktienmarkt ab. An jenem Tag verloren nicht nur Gazprom, sondern auch andere Branchenriesen wie Rosneft und Lukoil rapide an Wert.
Gerichtsverfahren und Schulden
Der finanzielle Druck auf das Unternehmen wird zudem durch außenwirtschaftliche Faktoren verstärkt. Die Erinnerung an die Schulden wurde für Gazprom zu einer weiteren Schocknachricht. Der Öl- und Gaskonzern Naftogaz hat den Prozess gegen den russischen Riesen endgültig gewonnen.
Entsprechend der Gerichtsentscheidung ist Gazprom verpflichtet, der Ukraine die Schulden für die Organisation des Gastransports zu begleichen. Darüber hinaus muss das Unternehmen die aufgelaufenen Zinsen begleichen und die Gerichtskosten erstatten. Diese Entscheidung beendet zwar die Frage der Schulden endgültig, schafft aber neue finanzielle Verpflichtungen für ein Unternehmen, dessen Aktien ohnehin am Boden liegen.