Die Aktien des russischen Energiegiganten „Gazprom' haben einen historischen Tiefststand erreicht und sind auf ein Niveau gefallen, das seit 2009 nicht mehr zu sehen war. An der Moskauer Börse fiel der Kurs einer Aktie zu Beginn des Handels auf 99,9 Rubel. Obwohl die Kurse später teilweise wieder an Boden gewannen, handelte das Unternehmen am Ende des Tages dennoch im Minus – bei 100,65 Rubel und verlor damit 3,67 % seines Wertes.
Faktoren, die zum Absturz beitrugen
Laut dem Nachrichtenagentur Reuters spielten mehrere Faktoren eine Rolle bei der Kursabwärtsbewegung. Ein Schlüsselfaktor war der Drohnenangriff auf ein Moskauer Erdölraffinerie, das der Tochtergesellschaft „Gazprom Neft' gehört. Am Morgen des 18. Juni führten die ukrainischen Streitkräfte (WAF) den bisher massivsten Angriff auf Moskau und die Region durch: Die Raffinerie in Kapotnja wurde getroffen, und dichte Rauchwolken stiegen über der Stadt auf.
Die Folgen des Angriffs ließen nicht lange auf sich warten. Die russischen Behörden führten Einschränkungen beim Verkauf von Kraftstoff ein, an Tankstellen bildeten sich lange Warteschlangen, und die Benzinpreise stiegen sprunghaft an. Analysten des Internationalen Instituts für Strategische Studien (ISW) stellen fest, dass die Angriffe auf Moskau Panik in der Bevölkerung ausgelöst und scharfe Kritik am Kreml provoziert haben.
Historischer Kontext und aktuelle Lage
In den letzten 12 Monaten haben die Gazprom-Aktien etwa 20 % ihres Wertes verloren. Derzeit beträgt die Marktkapitalisierung des Unternehmens rund 2,382 Billionen Rubel oder 32,15 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2008 hatte die Führung von Gazprom angekündigt, den Unternehmenswert auf 1 Billion Dollar zu steigern.
Systematische Angriffe der Ukraine auf die russische Erdölraffinerie-Infrastruktur setzen den Energiesektor des Landes weiterhin unter Druck. Der Vorfall mit dem Angriff auf die Raffinerie in Kapotnja war einer der resonanzreichsten der letzten Zeit und hat die Stimmung der Investoren direkt beeinflusst.
Was kommt als Nächstes?
Experten warnen, dass die weitere Entwicklung von der Schwere der Schäden an der Raffinerie, der Effizienz der Maßnahmen zur Wiederherstellung der Kraftstoffversorgung und der allgemeinen geopolitischen Lage abhängen wird. Der Markt reagiert derzeit auf jeden neuen Angriff auf die Infrastruktur, und Gazprom bleibt in einer Zone erhöhten Risikos.