Die Ukraine befindet sich in einer Zone erhöhter Gefahr. Am Freitag, dem 12. Juni, gaben die Luftstreitkräfte der Ukrainischen Streitkräfte (AFU) eine beunruhigende Warnung heraus: Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner eine ballistische Mittelstreckenrakete einsetzen wird. Nach Angaben der Militärs könnte der Start vom Testgelände „Kapustin Jar“ aus erfolgen.

Alarm und Einschränkungen der Luftabwehrsysteme

In einer Erklärung, die im Telegram-Kanal der Luftstreitkräfte veröffentlicht wurde, wird die ukrainische Bevölkerung eindringlich aufgefordert, die Luftalarme in den nächsten 24 Stunden nicht zu ignorieren. Die Situation wird dadurch erschwert, dass Kiew derzeit über keine eigenen technischen Mittel verfügt, die einen Start der Rakete „Oreshnik“ in der Anfangsphase feststellen können.

Der Senior-Analyst des Ukrainischen Zentrums für Sicherheit und Zusammenarbeit, Anton Zemlyanoy, erklärte gegenüber RBC-Ukraine, dass die verfügbaren Aufklärungssysteme der Streitkräfte die Bedrohung erst unmittelbar vor dem eigentlichen Treffer „sehen“ könnten, wobei die Reaktionszeit dann nur noch in Minuten gemessen werden würde.

Erfahrung aus der Praxis: Der Angriff in der Nacht vom 24. Mai

Die Aktualität dieser Warnung wird durch jüngste Ereignisse bestätigt. In der Nacht vom 24. Mai führte Russland einen massiven kombinierten Schlag gegen das ukrainische Territorium durch. Laut offiziellen Angaben der Luftstreitkräfte setzte der Gegner 600 Drohnen verschiedener Typen und 90 Raketen ein. Zum Arsenal der Angreifer gehörten auch die neuen ballistischen Raketen „Oreshnik“.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Einsatz von zwei solchen Raketen an jenem Abend. Eine davon traf den Bezirk Bila Zerkwa, die andere landete auf dem vorübergehend besetzten Territorium der Oblast Donezk.

„Testangriff“ und Realität versus Propaganda

Die russische Führung begründete die Wahl des Ziels in Bila Zerkwa mit pragmatischen Erwägungen. Wie der russische Staatschef erklärte, wurde der Schlag gegen ein „Scheunengebäude“ durchgeführt, um zu „beobachten, wie die Blöcke fallen“. Sein Ziel sei es gewesen, einen Ort zu wählen, an dem die Ergebnisse der Wirkung der Sprengladung bequem bewertet werden konnten.

Dieser Vorfall entlarvte viele Mythen, die von der russischen Propaganda geschaffen wurden. Zuvor wurde dem „Oreshnik“ eine außergewöhnliche Zerstörungskraft und die Fähigkeit zugeschrieben, strategische Objekte in großer Tiefe zu treffen. Die tatsächlichen Folgen des Angriffs und die Ergebnisse unabhängiger Untersuchungen stellen diese Behauptungen jedoch in Frage.

Produktion und Perspektiven der Bedrohung

Trotz der begrenzten Munitionsvorräte bleibt die Situation angespannt. Nach vorliegenden Informationen könnte Russland mit der Kleinserienproduktion der Raketen „Oreshnik“ begonnen haben. Dies bedeutet, dass zwar die Anzahl dieser Munitionsmittel derzeit noch gering ist, die Gefahr ihres zukünftigen Einsatzes jedoch systematischer werden könnte.