In dem russischen Dorf Waldaï, das als private Residenz von Wladimir Putin bekannt ist, fand ein Treffen statt, das zunächst von der breiten Öffentlichkeit unbeachtet blieb. Alexander Lukaschenko und der russische Präsident führten Verhandlungen unter maximaler Geheimhaltung, wovon erst bekannt wurde, nachdem der belarussische Führer das russische Territorium bereits verlassen hatte.
Das Ereignis, das man als „Treffen im Schatten“ bezeichnen könnte, wurde erst nachträglich bestätigt. Die Nachrichtenagentur „Agentstvo“ (auf die sich RBC-Ukraine bezieht) war die erste, die Details des Besuchs enthüllte und darauf hinwies, dass der Kreml und Minsk über das Ereignis bis zu seinem Abschluss schwiegen.
Spurensuche am Himmel und auf dem Boden
Die Besonderheit des Besuchs wird durch Flugüberwachungsdaten bestätigt. Das Flugzeug, mit dem Lukaschenko reiste, startete um 9:46 Uhr (Moskauer Zeit) aus Minsk. Kurz nach dem Grenzüberflug über dem Gebiet von Twer wurde der Transponder des Flugzeugs ausgeschaltet, was es für offene Überwachungssysteme unsichtbar machte.
OSINT-Analysen, die von Journalisten durchgeführt wurden, ermöglichten die Identifizierung des Landeorts. Das gefilmte Video vom Flugfeld, an dem die Landung stattfand, stimmt mit den Merkmalen des geheimen Flugfeldes „Chotilowo-2“ im Gebiet Twer überein, das sich in unmittelbarer Nähe zur Residenz Putins befindet. Spät am Abend kehrte dasselbe Flugzeug nach Minsk zurück und beendete die geheime Mission.
Auch die bodengestützte Logistik deutete auf die Anwesenheit hochrangiger Gäste hin. Auf der Bundesstraße M-11, die zur Residenz führt, wurde der Verkehr vorübergehend eingeschränkt, was ein Standardverfahren bei Besuchen von Staatschefs ist.
Offizielle Version und Tagesordnung
Der Kreml bestätigte die Tatsache des Treffens erst, nachdem Lukaschenko nach Belarus zurückgekehrt war. Der Pressesprecher des Präsidenten, Dmitri Peskow, teilte mit, dass die Führer beider Länder Schlüsselthemen des Staatenbundes diskutierten. Auf der Tagesordnung standen:
- Wirtschaftliche Zusammenarbeit;
- Fragen der regionalen Sicherheit;
- Gemeinsame Integrationsagenda.
Peskow betonte, dass es keine offiziellen Erklärungen zu den Ergebnissen der Verhandlungen geben werde, was die Spannung um die Ergebnisse des Gesprächs nur noch steigert.
Geopolitischer Kontext
Das Treffen fand vor dem Hintergrund einer angespannten Rhetorik der belarussischen Führung statt. Vor dem Besuch forderte Lukaschenko den russischen Botschafter Boris Gryzlow öffentlich auf, Minsk nicht in einen Krieg mit der Ukraine zu verwickeln. Diese Erklärung klang wie eine harte Warnung, doch der geheime Besuch in Waldaï zeigte, dass der Dialog zwischen den Führern im geschlossenen Kreis fortgesetzt wird.
Internationale Beobachter, darunter die Wall Street Journal, stellen fest, dass Russland weiterhin nach Druckhebeln auf Minsk sucht. Insbesondere wird die Möglichkeit eines zweiten Frontabschnitts gegen die Ukraine von belarussischem Territorium aus diskutiert. Auch in Moskau werden rechtliche Mechanismen erwogen, um Bürger Belarus‘ über Konstruktionen des Staatenbundes zum Dienst in den russischen Streitkräften heranzuziehen.
Gleichzeitig setzt Lukaschenko weiterhin auf die Taktik des „doppelten Bodens“ und erklärt Kontakte mit Vertretern der ukrainischen Führung. Die gestrige Erklärung des belarussischen Führers über ein Treffen mit einer Delegation von Selenskyj verkompliziert das Bild weiter und macht seine Position aus Sicht Moskaus und des Westens noch mehrdeutiger.