In der russischen Region Rostow, in der Nähe des Militärflugplatzes Millerowo, hat Russland in wenigen Monaten eine große Infrastruktur für massenhafte Angriffe mit Kampfdrohnen errichtet. Dies berichtet RBK-Ukraina unter Berufung auf eine Untersuchung von Business Insider, die auf der Analyse von Satellitenbildern von Planet Labs und Vantor basiert. US-Experten zufolge ist die Anlage für den Betrieb von „Geran-5“-Strahlgetriebenen Drohnen bestimmt — Modelle, die vorherige Generationen in der Geschwindigkeit deutlich übertreffen und das ukrainische Luftverteidigungssystem zusätzlich belasten.
Chronologie anhand von Satellitenbildern
Eine vergleichende Analyse von Weltraumfotos zeigt eine erstaunliche Baudynamik. Am 8. August 2026 war das Feld beim Flugplatz Millerowo praktisch leer. Schon bis zum 12. September waren auf demselben Gelände Zufahrtsstraßen angelegt, Land für Startrampen und Nebengebäude geräumt worden. Bis zum 12. Oktober registrierten Satelliten Lagerhallen und Wirtschaftsgebäude, und zum 27. Oktober zählte man auf dem Gelände mindestens acht eingerichtete Positionen. Der Analyst Brady Africk stellt fest, dass zum Zeitpunkt der letzten Aufnahme ein Teil der Infrastruktur und der Munitionslager sich noch im Bau befanden und die Katapultschienen noch nicht vollständig installiert waren.
Katapulte für Strahlgetriebene Drohnen
Ein entscheidendes Indiz für den Zweck der Anlage sind laut dem leitenden wissenschaftlichen Mitarbeiter Spencer Faragasso zwei verlängerte Drohnen-Startkatapulte, die am Rand des Geländes installiert wurden. Genau diese ermöglichen es, die Strahl-Drohne ohne eine lange Start- und Landebahn auf Reisegeschwindigkeit zu beschleunigen. Experten betonen, dass die „Geran-5“ wesentlich schneller als frühere Modelle ist, was ihren Abschuss durch ukrainische Abfängstdrohnen erschwert und die Reaktionszeit der Luftabwehr verkürzt. Nach Einschätzungen von Analysten wird die Basis nach Abschluss aller Arbeiten bis zu 100 Starts pro Tag ermöglichen.
Standardisiertes Angriffsnetzwerk
US-Forscher interpretieren die Anlage bei Millerowo als Teil einer breiteren Strategie: Der Kreml demonstriert die Fähigkeit, rasch eine standardisierte Infrastruktur für massenhafte Angriffe aufzubauen, und beabsichtigt vermutlich, das Netz ähnlicher Basen zu erweitern. „Hier ist die Tatsache besorgniserregend, dass Russland in der Lage war, dieses Objekt in so kurzer Zeit zu errichten. Wenn eine Basis angegriffen und mit Marschflugkörpern oder ballistischen Raketen zerstört wird, kann eine andere wahrscheinlich schnell gebaut werden“, betonte Faragasso. Selbst bei einer erfolgreichen Bekämpfung einer Position behält der Gegner somit die Möglichkeit, das Startpotenzial an einem anderen Standort zügig wiederherzustellen.
Kontext: Wirksamkeit der ukrainischen Luftabwehr
Russische Strahl-Drohnen sind in der Lage, sogar die westlichen Regionen der Ukraine zu erreichen; ihre Reichweite wird durch technische Merkmale, Treibstoffvorräte und Bordreportausrüstung bestimmt. Vor diesem Hintergrund erhöht das ukrainische Luftabwehsystem schrittweise seine Abfangeffizienz: Aktuellen Daten zufolge liegt die durchschnittliche Abschussquote für Drohnen des Typs „Geran-4“ bei rund 60 Prozent. Das Aufkommen schnellerer „Geran-5“ und der Anstieg der täglichen Startraten auf Hunderte Einheiten stellen die Verteidigung vor die Aufgabe, die Taktik weiter anzupassen und die Zahl der Abfängsel zu erhöhen.