Das Wirtschaftgericht der Oblast Lwiw hat Jewgeni Sewastjanow zum Sanierungsverwalter der Aktiengesellschaft „Lwiwsker Kohlekompanie“ ernannt – eines Unternehmens, dessen finanzielle Lage unmittelbar die Arbeit der Zentralen Aufbereitungsfabrik Tschernowogrady (ЦОФ) bestimmt. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf einen Beitrag des Senders „Pryjamyj“. Die Entscheidung fiel nach einer Reihe von Vertagungen der Gerichtstermine, während derer die Fabrik faktisch seit Januar 2026 stillstand und die aufgelaufenen Schulden weiter wuchsen.
Kontext: acht Jahre Insolvenz und Monate Stillstand
Die Aktiengesellschaft „Lwiwsker Kohlekompanie“ befindet sich seit 2015 im Insolvenzverfahren. Der akute Krisenpunkt auf Produktionsebene trat jedoch im Januar 2026 ein, als die Tschernowograder Aufbereitungsfabrik faktisch stillgelegt wurde. Die früheren Gerichtstermine im Sanierungsverfahren wurden wiederholt vertagt, was es der Fabrik ermöglichte, Rückstände anzuhäufen. Laut RBC-Ukraine war gerade das Hinauszögern der Gerichtsverfahren eine der Schlüsselursachen, weshalb das Unternehmen über mehrere Monate hinweg seinen Betrieb nicht wieder aufnehmen konnte. Mitglieder der zuständigen Gewerkschaften hatten sich zuvor an das Energieministerium gewandt und gefordert, auf die Lage der ЦОФ „Tschernowogradska“ einzuwirken, wobei sie die systemische Bedeutung des Objekts für die Energiebilanz der Region unterstrichen.
Einstimmige Unterstützung der Kandidatur
Die Kandidatur Jewgeni Sewastjanows wurde vom Gläubigerausschuss und dem Betriebskollektiv des Unternehmens einstimmig unterstützt. Dem Gericht wurden zudem die Positionen der Vertreter der Justiz, der Staatsanwaltschaft, des Fonds für Staatseigentum und der Gewerkschaftsorganisation vorgelegt – sie alle sprachen sich für die Ernennung Sewastjanows aus. Die Justizvertreterin merkte in der Sitzung an, dass laut dem einheitlichen Register der Insolvenzverwalter gegen diesen Spezialisten keine disziplinarischen Sanktionen verhängt und keine Verstöße in der Arbeit festgestellt wurden. „Die Gläubiger haben die Position geäußert, dass sie Sewastjanow unterstützen, entsprechend unterstützen wir ihn ebenfalls“, erklärte sie.
Fristen: Sanierungsplan bis 16. November, nächste Sitzung – 18. November
Das Gericht verpflichtete den neuen Verwalter, den Sanierungsplan der Aktiengesellschaft „Lwiwsker Kohlekompanie“ bis zum 16. November 2026 vorzulegen. Die nächste Sitzung im Verfahren ist auf den 18. November angesetzt. Damit hat Sewastjanow weniger als drei Monate Zeit, eine Strategie zur Wiederherstellung des Unternehmens zu entwickeln, das den Start der Aufbereitungsfabrik sicherstellen und die Wiederaufnahme der Lohnzahlungen an die Mitarbeiter gewährleisten muss. Die Vorsitzende der primären Gewerkschaftsorganisation, Natalja, formulierte im Namen des Betriebskollektivs die zentrale Aufgabe: „Wir brauchen, dass die Fabrik arbeitet, die Leute ihren Lohn bekommen, und wir unterstützen die Ernennung des neuen Verwalters ebenfalls.“
Energetische Risiken: Heizsaison in Gefahr
Die Bedeutung der Tschernowograder Aufbereitungsfabrik geht weit über ein einzelnes Unternehmen hinaus. Wie in den Materialien von RBC-Ukraine angemerkt wurde, hängt von der vollwertigen Arbeit der Fabrik die Lieferung von Kohle aus den Gruben des Lwiw-Wolhynischen Kohlebeckens an die staatliche Wärmekraftgenerierung ab. Abgeordnete und Gewerkschaftsvertreter hatten zuvor davor gewarnt, dass es der Ukraine ohne den Start der ЦОФ schwerer fallen werde, die bevorstehende Heizsaison zu überstehen. Der Stillstand, der von Januar bis August 2026 andauerte, hat bereits einen Mangel an aufbereiteter Kohle geschaffen und die Belastung der alternativen Versorgungskanäle der Wärmekraftwerke erhöht. Die Ernennung des neuen Sanierungsverwalters wird als erster praktischer Schritt betrachtet, um diesen Infrastrukturdurchsatzknoten aus der „Sackgasse“ zu lösen.
Widersprüchliche Daten
In den vorliegenden Quellen wurden keine wesentlichen faktischen Widersprüche zu den Schlüsselparametern (Name des Verwalters, Daten der Sitzungen, Status des Unternehmens) festgestellt. Gleichzeitig registriert die Quelle Obozrevatel (ID 2) die Formulierung „das Gericht vertagte die Entscheidung erneut“, was sich auf die früheren Sitzungen vor der Ernennung Sewastjanows bezieht. Im Haupttext von RBC-Ukraine wird dies durch den Hinweis bestätigt, dass „die früheren Gerichtssitzungen nicht einmal vertagt wurden“. Der Unterschied im Akzent – „Vertagung“ versus „Ernennung“ – erklärt sich durch die Chronologie: Zuerst gab es Vertagungen, dann wurde die endgültige Entscheidung getroffen. Stand 28. August 2026 ist die Ernennung Sewastjanows ein aktueller und bestätigter Fakt.