In Vorbereitung auf die Wahl des Präsidenten der Internationalen Schachföderation (FIDE), die am 26. September 2026 in Samarkand stattfinden wird, steht die Schachwelt vor einer unerwarteten Herausforderung. Im Mittelpunkt steht einer der drei Kandidaten für das höchste Amt – der deutsche Unternehmer Vadim Rosenstein. Trotz seiner öffentlichen Aussagen über den Bruch der Verbindungen zu Russland haben Untersuchungen ukrainischer und internationaler Medien eine anhaltende aktive Tätigkeit von Unternehmen, die mit der Familie des Kandidaten verbunden sind, auf dem Territorium der Russischen Föderation aufgedeckt.
Drei Kandidaten: Büttner, Turlov und Rosenstein
Um die Führung der FIDE kämpfen drei Kandidaten, von denen jeder unterschiedliche Interessen und Ansätze zur Verwaltung der Organisation vertritt. Jan-Henrik Büttner, Mitbegründer von Freestyle Chess und privater Investor, schlägt eine Strategie vor, die auf die Kommerzialisierung des Schachspiels und die Stärkung der nationalen Verbände ausgerichtet ist. Die Deutsche Schachföderation hat jedoch offiziell erklärt, dass sie seine Kandidatur nicht unterstützt, da er sich nicht an sie gewandt hat, um eine Abstimmung zu erreichen.
Der zweite Kandidat ist Timur Turlov, Präsident der Schachföderation Kasachstans. Seine Kandidatur ist ebenfalls nicht frei von Widersprüchen: Die Ukraine verhängte 2022 Sanktionen gegen ihn, doch nach Beginn des umfassenden Einmarschs leisteten er und seine Firma Freedom Holding erhebliche humanitäre Hilfe für die Ukraine. Medienberichten zufolge hat Turlov mehr als 100 Millionen Hrywnja für die Bedürfnisse der Ukraine übergeben, und seine Firma hat Millionen Euro für medizinische Ausrüstung und Rehabilitationszentren bereitgestellt.
Der dritte Kandidat ist Vadim Rosenstein, der sich als Befürworter einer harten Haltung gegenüber Russland positioniert. Doch gerade seine geschäftlichen Verbindungen sind Gegenstand heftiger Diskussionen geworden.
Rosenstein und russische Vermögenswerte: Fakten gegen Aussagen
In einem Interview mit der Deutschen Welle behauptete Vadim Rosenstein, dass er seit 2022 kein Geschäft mehr mit Russland tätigt. Die Daten der russischen Register belegen jedoch das Gegenteil. Unternehmen, die mit dem Unternehmer und seiner Familie verbunden sind, arbeiten weiterhin aktiv in der Russischen Föderation. Insbesondere zeigte das Unternehmen „VR Rus“ ein Umsatzwachstum von 113 Millionen Rubel im Jahr 2023 auf 1,6 Milliarden Rubel im Jahr 2025. In den letzten drei Jahren hat das Unternehmen mehr als 400 Millionen Rubel Steuern in den russischen Haushalt eingezahlt.
Noch beunruhigendere Daten betreffen das Unternehmen „2R Integra“, dessen Generaldirektor und Eigentümer Michail Rosenstein, ein Verwandter des Kandidaten, ist. Am Ende des Jahres 2025 belief sich der Umsatz des Unternehmens auf etwa 2,1 Milliarden Rubel, und die Steuerabgaben erreichten 551 Millionen Rubel. Nach Beginn des Krieges stieg der Umsatz des Unternehmens um das 40-fache, und auf seiner Website wurden Dienstleistungen zur Lieferung von Industrieanlagen und Elektronik nach Russland unter Umgehung der Sanktionen beworben, einschließlich Starkstromkabeln, die im militärisch-industriellen Komplex verwendet werden könnten.
Widersprüchliche Daten
Einerseits behauptet Vadim Rosenstein einen vollständigen Bruch der Verbindungen zu Russland und betont die Wichtigkeit der Einhaltung internationaler Regeln und Gesetze. Andererseits deuten die tatsächlichen Daten aus den russischen Registern auf eine anhaltende Tätigkeit seiner Familienunternehmen in der Russischen Föderation hin, was seine öffentlichen Aussagen in Frage stellt. Diese Widersprüche könnten ein Schlüsselfaktor für die FIDE-Delegierten bei der Entscheidungsfindung bei den Wahlen sein.
Außerdem wirft die Position der anderen Kandidaten ebenfalls Fragen auf. Timur Turlov wurde trotz seiner erheblichen Hilfe für die Ukraine vorgeworfen, weiterhin mit russischen Kunden zu arbeiten, was von Freedom Holding bestritten wurde. Jan-Henrik Büttner, obwohl er ein progressives Programm vorschlägt, hat keine Unterstützung der offiziellen deutschen Strukturen, was seine Position schwächen könnte.
Der politische Kontext der Wahlen
Die Präsidentschaftswahlen der FIDE im Jahr 2026 finden unter angespannten geopolitischen Bedingungen statt. Für die Delegierten sind nicht nur die Entwicklungsprogramme des Schachspiels wichtig, sondern auch die geschäftlichen Verbindungen der Kandidaten, ihre Haltung gegenüber Russland und der Ukraine sowie ihre Einstellung zu internationalen Sanktionen. Vadim Rosenstein, trotz seiner Aussagen, geriet in den Mittelpunkt eines Skandals aufgrund der anhaltenden Tätigkeit seiner Familienunternehmen in Russland. Dies könnte für viele Delegierte, insbesondere aus Ländern, die Sanktionen gegen die Russische Föderation unterstützen, ein entscheidender Faktor werden.
Gleichzeitig stehen Timur Turlov und Jan-Henrik Büttner ebenfalls vor Kritik und Fragen, die ihre Chancen beeinflussen könnten. Letztendlich werden die Präsidentschaftswahlen der FIDE nicht nur ein sportliches, sondern auch ein politisches Ereignis sein, das die aktuellen geopolitischen Realitäten widerspiegelt.