Vor der Küste von Cádiz im Südwesten Spaniens bewahrt die Tiefe des Meeres Geheimnisse, die seit mehr als drei Jahrhunderten schweigen. Im Jahr 2024 führten Baggerarbeiten zur Vorbereitung des Meeresbodens für einen neuen Terminal zu einer sensationellen Entdeckung. Auf dem Grund des Atlantiks lag ein Wrack, das den vorläufigen Namen „Delta I“ erhielt. Dies ist nicht nur rostiges Metall, sondern eine Zeitkapsel, die Details des illegalen Handels des 17. Jahrhunderts enthüllt.
Das Team des Zentrums für Unterwasserarchäologie des Andalusischen Instituts für historisches Erbe übernahm die Untersuchung der Fundstelle. Während Archäologen zunächst nur das Alter des Schiffes vermuteten, veränderte die detaillierte Analyse der Ladung die Vorstellung von seinem Zweck. An Bord wurde eine zunächst seltsame Mischung entdeckt: 27 schwedische Eisenkanonen, eine Bronzeglocke und 18 Silberringe.
Die interessantesten Details liegen in den zeitlichen Markierungen. Auf einer der Silberstangen ist deutlich das Jahr 1667 eingestanzt, und auf der Glocke steht die Inschrift „Jesus, Maria und Josef 1671“. Insgesamt betrug die Menge des Silbers etwa eine halbe Tonne. Experten sind überzeugt: Dieses Metall stammte aus den Kolonien, vom Gebiet des heutigen Bolivien. Der Weg des Silbers nach Spanien war jedoch streng geregelt und mit hohen Steuern belastet; das Handelsmonopol lag bei Sevilla.
Hier kommt die Theorie des Schmuggels ins Spiel. Cádiz, mit seinen hervorragenden natürlichen Bedingungen für die Liegeplätze von Galeonen, wurde zu einem idealen Ort für „graue“ Operationen. Die Bucht konnte als Versteck für Schiffe dienen, die versuchten, Steuerzahlungen zu umgehen. Aber warum befanden sich schwedische Kanonen an Bord der Schmuggler?
Das Schiff wurde, nach Ansicht der Historiker, in Frankreich gebaut, fiel aber später in die Hände niederländischer Kaufleute, die auf dem Waffenmarkt jener Zeit aktiv waren. Die am Grund gefundenen Kanonen stellen eine heterogene Sammlung aus fünf verschiedenen Kalibern dar. Einige davon hatten beschädigte Rohre oder waren unvollständig. Wissenschaftler vermuten, dass die Artillerie als Ballast gedient haben könnte oder kurz vor der Katastrophe beschädigt wurde. Möglicherweise gehörten diese Geschütze zuvor zur Ausrüstung der französischen Flotte, bevor sie in die Hände illegaler Händler gerieten.
Die Entdeckung von „Delta I“ ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Archäologie überrascht weiterhin: Wenn in Spanien Spuren des illegalen Handels des 17. Jahrhunderts gefunden wurden, entdeckte man in Ägypten 94 Jahre später die zweite Hälfte des legendären Kolosses. Und in Rumänien, in Urlați, kam ein 3000 Jahre alter Schatz ans Licht, der die Geschichte der Bronzezeit neu schreiben könnte. Die Geschichte der Menschheit enthüllt sich weiterhin, und jeder neue Artefakt ist ein Puzzleteil, das wir erst beginnen zusammenzusetzen.