In Kiew entbrennt ein ernsthafter Streit um die Zukunft der Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr. Der Stadtratsgewerkschaftskongress Kiews besteht offiziell darauf, dass die Behörden die Erhöhung der Tarife mindestens um sechs Monate verschieben. Die Argumentation ist einfach: Die Stadt muss Zeit haben, echte Schutzmechanismen für Bürger mit geringem Einkommen zu entwickeln, bevor neue Preise eingeführt werden.

Forderung nach Aufschub und Schutz für Angestellte im öffentlichen Dienst

Die Frage der Tarife wird seit über einem Monat diskutiert. An den Verhandlungen nahmen Vertreter der Gewerkschaften, der Staatlichen Stadtverwaltung Kiews (KGGA) und kommunaler Unternehmen teil. Am 18. Juni verabschiedeten die Gewerkschaften eine Resolution und sandten diese an das Rathaus. Ihr Vorschlag ist eindeutig: Die Einführung neuer Tarife für sechs Monate einfrieren. In dieser Zeit müssen die Behörden ein effektives System zur Kompensation der Fahrtkosten für Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen schaffen, insbesondere für diejenigen, die im öffentlichen Sektor, in kommunalen und staatlichen Strukturen tätig sind.

Die Gewerkschaften betonen, dass Lehrer, Ärzte und Kulturmitarbeiter, die zu den niedrigsten Löhnen in der Hauptstadt zählen, die vorgeschlagenen Tarife angesichts des Krieges und der hohen Inflation physisch nicht bezahlen können.

Zahlen und Berechnungen: Warum 20 Griwna?

Der Streit basiert auf konkreten Berechnungen. Die Gewerkschaften erklären, dass der vorgeschlagene Tarif von 20 Griwna auf der Grundlage einer 2,4-fachen Erhöhung des Mindestlohns berechnet wurde. Seit 2018, als die Tarife zum letzten Mal überarbeitet wurden, ist der Mindestlohn von 3720 Griwna auf 8647 Griwna im Jahr 2026 gestiegen.

Laut Daten der KGGA sollte der wirtschaftlich gerechtfertigte Tarif für 2026 jedoch 64,60 Griwna pro U-Bahn-Fahrt und 44,14 Griwna für den Oberflächennahverkehr betragen. Derzeit beträgt der Ticketpreis lediglich 8 Griwna.

Projekt zur Preiserhöhung und Zeitplan

Am 18. Mai veröffentlichte die KGGA ein Projekt zur Tariferhöhung. Experten schlugen vor, die Preise auf 30 Griwna pro Einzelticket anzuheben. Zudem wurden Optionen für Monatskarten diskutiert: bis zu 1.088 Griwna für einen Monatsausweis und bis zu 4.875 Griwna für einen unbegrenzten Monatsausweis. Hätte das Projekt Zustimmung gefunden, wären die neuen Preise bereits am 15. Juli in Kraft getreten.

Es ist erwähnenswert, dass die KGGA im Jahr 2021 bereits die Gewerkschaften aufgefordert hatte, einen Tarif von 18 Griwna festzulegen, das Schreiben jedoch später zurückgezogen wurde. Gemäß dem territorialen Abkommen für 2021–2023, dessen Geltungsdauer auf die Zeit des Kriegszustandes verlängert wurde, sind die Parteien verpflichtet, solche Änderungen gemeinsam zu erörtern.

Reaktion der Behörden und weitere Schritte

Die KGGA gab bekannt, dass sie derzeit den Vorschlag der Gewerkschaften prüft. In der Verwaltung wurde angemerkt, dass die Möglichkeit der Umsetzung der Initiative untersucht wird sowie deren Auswirkungen auf das Stadtbudget und die Folgen für die kommunalen Verkehrsunternehmen bewertet werden. Ein Schlüsselfaktor bleibt die Notwendigkeit, den ständigen und ununterbrochenen Betrieb des öffentlichen Nahverkehrs sicherzustellen.

Die endgültige Entscheidung über die Einführung neuer Tarife wurde noch nicht getroffen. Die Gewerkschaften fordern von den Stadtbehörden, ihre Vorschläge zu prüfen und eine entsprechende Entscheidung – mit Begründung oder einer begründeten Ablehnung – innerhalb von 30 Kalendertagen zu treffen.