Die Frage der Heimkehr von Soldaten bleibt eines der schärfsten Themen in der ukrainischen Gesellschaft. Der Chef des Generalstabs der Streitkräfte der Ukraine, Andrij Hnatow, gab ausführliche Kommentare zu den Perspektiven der Demobilisierung ab und betonte die enge Abhängigkeit dieses Prozesses von der aktuellen Situation mit der Mobilisierung.
Der direkte Zusammenhang: Mobilisierung und Entlassung
Laut dem Chef des Generalstabs ist der Prozess der Entlassung aus dem Dienst komplex und korreliert direkt mit dem Tempo des Einberufs neuer Kämpfer in die Reihen der Verteidigungskräfte. Derzeit erwägen die Behörden verschiedene Szenarien zur Lösung des Problems und legen besonderen Wert auf jene Kategorien von Verteidigern, die seit Beginn der umfassenden Invasion ununterbrochen an Kampfhandlungen teilnehmen oder eine erhebliche Dienstzeit haben.
Wie jedoch Gnatow betonte, ist eine Massen-Demobilisierung in dieser Phase unmöglich. Der entscheidende limitierende Faktor sind die unzureichenden Mobilisierungsraten im Land. Das Militärführungspersonal ist der Ansicht, dass die Prozesse der Rekrutierung und Entlassung untrennbar miteinander verbunden sind: Je höher die Einberufungszahlen sein werden, desto mehr Möglichkeiten werden sich eröffnen, um diejenigen zu entlassen, die bereits Anspruch darauf haben.
Warnung vor falschen Erwartungen
Andrij Hnatow rief dazu auf, keine vorzeitigen Pläne zu schmieden, und merkte an, dass es derzeit nicht angebracht sei, zu detailliert über die Demobilisierung zu sprechen. Aus seiner Sicht könnte eine übermäßige Detaillierung die Menschen in die Irre führen und falsche Erwartungen wecken, die durch die aktuelle Realität nicht erfüllt werden.
Diese Position wurde zuvor auch von Alexander Pivnenko, dem Kommandeur der Nationalgarde der Ukraine, unterstützt. Er erklärte, dass eine schnelle Heimkehr der Soldaten unmittelbar nach dem Ende der aktiven Kampfhandlungen nicht stattfinden werde. Nach seinen Einschätzungen wird die Armee Zeit für die Anpassung benötigen, und die Stabilisierungsphase könnte etwa ein Jahr dauern.
Mobilisierungsreform und neue Regeln
Parallel zur Diskussion über die Fristen der Demobilisierung wird im Land eine umfassende Reform des Mobilisierungssystems vorbereitet. Geplant ist die Einführung flexibler Verträge mit klaren Dienstzeiten sowie die Erhöhung der Grund- und Kampfgehälter für Militärangehörige.
Zudem hat das Kabinett der Minister die Regeln für die Befreiung vom Militärdienst aktualisiert. Die Änderungen sehen eine Erhöhung der Anforderungen an das durchschnittliche Gehalt für kritisch wichtige Unternehmen vor sowie die Schließung bestehender Schlupflöcher im Zusammenhang mit der Registrierung von Nebentätigkeiten.