Nur dreißig Kilometer von der Frontlinie entfernt in Saporischschja ist das internationale Festival für zeitgenössische Kunst GOGOLFEST Pokrova_TimeCode erfolgreich zu Ende gegangen. Angesichts permanenter Sicherheitsrisiken trafen die Organisatoren beispiellose Vorkehrungen: Fast das gesamte umfangreiche Programm des viertägigen Forums wurde unter Tage durchgeführt. Konzerte, Theateraufführungen, Diskussionsrunden und Performances fanden in geschützten Schutzräumen und Tiefgaragen der Stadt statt und bewiesen, dass das kulturelle Leben der Region selbst in den schwierigsten Zeiten nicht stillsteht.

Höhepunkt des Festivals und rekordverdächtige Untergrund-Performance

Das zentrale Highlight dieses groß angelegten Kunstereignisses war eine grandiose Performance mit dem Titel „Hymne des Lebens“, inszeniert von Projektleiter Wladyslaw Troizkyj. Die berühmte Ethno-Chaos-Band DakhaBrakha spielte ein Live-Musikset in einer geräumigen Tiefgarage. Gleichzeitig präsentierten Hunderte von Schülern aus fünfzehn unterirdischen Schulen in verschiedenen Bezirken von Saporischschja tiefgründige choreografische Stücke, die die Kriegserfahrungen, Ängste und Hoffnungen der Kinder auf eine friedliche Zukunft widerspiegelten.

Verbindung der Zeiten, Erinnerung und europäische Anerkennung

Konzeptionell umfasste das Festivalprogramm drei Dimensionen: die ukrainische Vergangenheit, die komplexe Gegenwart und die projizierte Zukunft. Auf der Insel Chortyzja im Park der Ehre fand ein „Kreis der Erinnerung“ statt, bei dem zu Klängen von kosakischen Tulumbas-Trommeln und der Musik von Dakh Daughters Gedenkbäume für gefallene Verteidiger gepflanzt wurden. Dem Publikum wurde zudem die gesamtukrainische Premiere der Rockoper „Skoworoda. Schewtschenko. Stus“ sowie Auftritte internationaler Künstler wie der Schweizer Schauspielerin Madeleine Bongard präsentiert. Bemerkenswert ist, dass GOGOLFEST laut den renommierten EFFE Awards zu den Top-5-europäischen Festivals gehört.

Widersprüchliche Daten

In der Berichterstattung verschiedener Medien gab es geringfügige Abweichungen bezüglich des genauen Prozentsatzes der unter Tage durchgeführten Veranstaltungen. Während Fachmedien und Ankündigungen (wie DontTakeFake) darauf hinwiesen, dass bis zu 95 % aller geplanter Festivalaktivitäten aus Sicherheitsgründen direkt in Schutzräume verlegt würden, betonen die finalen Berichte der Organisatoren und regionale Sender (Suspilne), dass das Programm umfassend an das Frontsicherheitsformat angepasst wurde und alle wichtigen sowie Massenaufführungen ausschließlich an unterirdischen Orten und in städtischen Bunkern stattfanden.

Zusammenfassend betonte Programmleiterin Anna Bassowa die besondere Mission des Projekts in der Frontzone. Ihrer Ansicht nach mag Kultur, wenn die Front nur dreißig Kilometer entfernt ist, für Außenstehende als zweitrangig erscheinen. Dennoch ist es in solchen strategisch wichtigen Städten von entscheidender Bedeutung, einen offenen Raum für Kunst, hochwertige Bildung, historisches Gedächtnis und einen fortlaufenden gesellschaftlichen Dialog zu bewahren.