Die Einzelhandelspreise für Grafikkarten setzen ihren stetigen Aufwärtstrend fort: Einer Oktober-Studie des YouTube-Kanals Hardware Unboxed zufolge sind die Kosten für Grafikbeschleuniger den dritten Monat in Folge gestiegen. Im Marktdurchschnitt hat der Preisaufschlag über die letzten drei Monate rund 35% erreicht, wobei das monatliche Wachstum im Oktober etwa 10% (ohne das Flaggschiff GeForce RTX 5090) bzw. rund 11% mit diesem betrug. Analysten betonen, dass ein „Licht am Ende des Tunnels“ noch nicht in Sicht ist und die Preise innerhalb der aktuellen Generation kaum auf das Startniveau zurückkehren werden.
Monatliche Dynamik und Messmethodik
Der Preisanstieg im Oktober ist die Fortsetzung des August-Sprungs um 15% und des September-Wachstums um 7%. Genau der kumulierte Effekt dieser drei Monate ergibt den Gesamtzuwachs von 35% im Vergleich zu den Preisen im Herbst. Die Studie umfasst zehn Länder, darunter die USA, Deutschland, Großbritannien, Kanada, Australien und Polen. Wichtig ist, dass Hardware Unboxed nicht den Durchschnittspreis aller Custom-Modelle verfolgt, sondern die Kosten der günstigsten, tatsächlich verfügbaren Modelle. Dieser Ansatz ermöglicht einen korrekten Vergleich der minimal verfügbaren Preise auf verschiedenen Märkten, ohne das Bild durch seltene, teure Varianten zu verzerren.
Nvidia-Flaggschiffe im Epizentrum des Preissturms
Das stärkste Monatsplus wurde bei den Top-Modellen von Nvidia verzeichnet. Die GeForce RTX 5090 verteuerte sich im Durchschnitt um 32%: In den USA kostet die günstigste Version nun 9400 USD gegenüber 6890 USD im September, in Deutschland stieg der Preis von 5640 auf 8000 Euro und in Polen erreichte er 38 000 Zloty. Auch die GeForce RTX 5080 verteuerte sich stark — im Durchschnitt um 22% im Laufe des Monats. In den USA stieg der Mindestpreis von 1580 auf 2200 USD (+39%), in Deutschland erreichte das Modell 2100 Euro (+40%). Die Studienautoren wiesen gesondert auf die eingeschränkte Verfügbarkeit der RTX 5080 in einigen Einzelhandelsketten hin, was den Preisdruck zusätzlich verstärkt.
AMD und Intel ebenfalls im Plus
Der Trend beschränkt sich nicht nur auf Nvidia-Produkte. Im AMD-Segment verteuerte sich die Radeon RX 9060 XT mit 16 GB Speicher weltweit um 17%, während die RX 9070 und RX 9070 XT um 12% zulegten. Die Kosten der Intel Arc B580 stiegen um etwa 10%, wobei die Werte je nach Land variieren. Bemerkenswert ist, dass im Oktober die Preise für Radeon-Grafikkarten sogar schneller wuchsen als die von GeForce-Modellen, sofern man die anomal verteuerte RTX 5090 ausnimmt. Die Preissteigerungen betrafen die Mehrheit der Modelle aller drei Hersteller.
Aufschlag auf die unverbindliche Preisempfehlung und Geografie
Schätzungen von Hardware Unboxed zufolge liegen die aktuellen Einzelhandelspreise (ohne RTX 5090) im Durchschnitt 44% über den empfohlenen Verkaufspreisen (UVP) zum Zeitpunkt der Produkteinführung. Bei den Berechnungen wurden Wechselkursanpassungen und lokale Steuern im Vergleich zu den US-Startpreisen berücksichtigt. Die höchsten Aufschläge wurden in Kanada (58,3%) und den USA (57,6%) verzeichnet, in Deutschland liegt der Wert bei 45,3% und in Polen bei 43,1%. Dies zeigt, dass die Kluft zwischen „Fabrikpreis“ und echtem Einzelhandel zu einem systematischen und keinem lokalen Phänomen geworden ist.
Prognose und Käuferverhalten
Die Autoren von Hardware Unboxed erklärten offen, dass sich die Grafikkartenpreise in der aktuellen Generation kaum normalisieren werden. Diese Schlussfolgerung deckt sich mit den Nachfragedaten: Nach Angaben von Jon Peddie Research waren die Verkäufe von diskreten 3D-Karten im letzten Quartal mit 12,5 Millionen Stück die höchsten seit einigen Jahren — ein Höchststand seit dem ersten Quartal 2022 (+5,9% zum Vorquartal und +7,8% im Jahresvergleich). Analysten führen diesen Kaufrausch darauf zurück, dass Verbraucher versuchen, Karten noch vor der nächsten Preiserhöhung zu erwerben. Auf dem Markt kontrolliert Nvidia weiterhin rund 90% der Anteile, AMD kletterte von 6% auf 8%, während Intel etwa 2% hält.