In der ukrainischen Informationslandschaft werden in den letzten Wochen Gerüchte über einen sogenannten „Machtkampf“ zwischen dem amtierenden Leiter des Hauptnachrichtendienstes (HUR) des Verteidigungsministeriums, Oleg Iwaschtschenko, und seinem Vorgänger, dem derzeitigen Leiter des Präsidentenamts (OP), Kyrylo Budanow, intensiv diskutiert. Offizielle Vertreter der Behörde dementieren diese Behauptungen jedoch kategorisch und bezeichnen sie als „mediale Verleumdung“ und Verschwörungstheorie.
Offizielle Position: Arbeitsdialog statt Konfrontation
Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf „Interfax-Ukraine“ berichtet, erklärte der Nachrichtendienst, dass beide Generäle einen ständigen und konstruktiven Dialog pflegen. Laut Gesprächspartnern des Mediums bleiben an allen Schlüsselpositionen innerhalb der Struktur des HUR Offiziere, die seit Jahren die Ukraine verteidigen, was die Version einer „Säuberung“ oder personellen Umstrukturierung im Interesse eines der Leiter widerlegt.
„Es ist klar, dass bestimmte Änderungen stattfinden, und das ist normal; jeder Kommandant hat das Recht auf seine eigene Vision der strategischen Entwicklung der Struktur, für deren Arbeitsergebnisse er persönlich verantwortlich ist. Aber beide führen weiterhin den Dialog, kommunizieren in Besprechungen und Treffen, alles läuft im Arbeitsmodus, konkret, militärisch“, betonte eine Quelle in der Behörde. Er fügte hinzu, dass beide Generäle faktisch ihr ganzes Leben im Nachrichtendienst gedient haben und die Traditionen der Behörde schätzen, was die Möglichkeit eines offenen Konflikts ausschließt.
Gemeinsame Arbeit am Friedensplan
Ein Beweis für das Fehlen von Missstimmungen zwischen den Leitern ist ihre gemeinsame Tätigkeit auf den höchsten staatlichen Ebenen. Insbesondere wurde im August 2026 bekannt, dass sowohl Oleg Iwaschtschenko als auch Kyrylo Budanow an den Verhandlungen mit der US-Delegation über den Friedensplan beteiligt waren. Laut Quellenangaben erfordern die Diskussionen über Schlüsselthemen der Sicherheit und Diplomatie eine enge Koordination zwischen dem operativen Führungspersonal des Nachrichtendienstes und der strategischen Planung im Präsidentenamt.
Dieses Interaktionsformat bestätigt die These vom Einheitlichen Kommando. Wenn es einen echten „Machtkampf“ gäbe, wäre eine gemeinsame Teilnahme an solchen heiklen Verhandlungen unmöglich oder äußerst schwierig gewesen. Tatsächlich demonstriert ihre Arbeit Synergie: Iwaschtschenko ist für die aktuelle nachrichtendienstliche Unterstützung verantwortlich, während Budanow als Leiter des OP den politischen Kurs koordiniert.
Widersprüchliche Daten
Trotz der Dementis zirkuliert in einigen Medien weiterhin die Version, dass Oleg Iwaschtschenko angeblich versucht, den Einfluss von Kyrylo Budanow auf den HUR zu schwächen, indem er seine Leute von ihren Posten entfernt. Diese zuvor aufgetauchte Information wurde zum Anlass für Spekulationen über eine interne Krise in den Geheimdiensten.
Einerseits verweisen Befürworter dieser Version auf den natürlichen Personalwechsel bei einem Führungswechsel als Zeichen einer „Säuberung“ der Behörde. Andererseits besteht das offizielle Führungspersonal des HUR auf der Stabilität des Personals und dem Fehlen politischer Spiele. Der Widerspruch liegt in der Interpretation standardmäßiger Personalverschiebungen: Was die einen als „Machtkampf“ sehen, nennen die anderen „normalen Dienstbetrieb“.
Historischer Kontext der Ernennung
Um die Situation zu verstehen, ist es wichtig, die Chronologie der Ereignisse zu rekapitulieren. Anfang Januar 2026 ernannte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Kyrylo Budanow zum Leiter des Präsidentenamts und ersetzte damit Andrej Jermak auf diesem Posten. Gleichzeitig wurde Oleg Iwaschtschenko, der zuvor die Auslandsnachrichtendienst (SWR) der Ukraine leitete, zum neuen Leiter des HUR ernannt.
Diese Rotation wurde von der Expertencommunity als logischer Schritt zur Stärkung der Machtvertikale und zur Trennung der Kompetenzen wahrgenommen. Unter den Bedingungen eines andauernden Krieges werden jedoch alle Änderungen in der Führung der Geheimdienste einem strengen Beobachtung unterzogen und oft durch die Brille von Intrigen interpretiert, auch wenn dafür keine reale Grundlage besteht.