Der Vertreter des Hauptamts für Aufklärung des Verteidigungsministeriums der Ukraine, Wadym Skybytsky, erklärte, dass internationale Sanktionen zum Schlüsselinstrument des Drucks auf die russische Drohnenindustrie geworden seien. Seinen Worten zufolge sei es der Ukraine schwer, russische Fabriken zur Herstellung von Drohnen direkt anzugreifen, da sich viele von ihnen, einschließlich der Standorte der gemeinsamen Produktion mit chinesischen Unternehmen, mehr als 2000 Kilometer von der ukrainischen Grenze befänden. Die Erklärung wurde im Rahmen der Konferenz YES Annual Meeting 2026, organisiert vom Viktor-Pintschuk-Forum, abgegeben und im Sender RBC-Ukraine übertragen.

Druckstrategie: Sanktionen statt Schläge ins Hinterland

Skybytsky betonte, dass der ukrainische Geheimdienst Informationen über alle Betriebe und Unternehmen besitze, die in die Drohnenproduktion eingebunden seien, einschließlich der gemeinsamen Projekte mit chinesischen Partnern. Die geografische Entfernung der meisten dieser Objekte mache deren praktische Neutralisierung durch Mittel der Schlagluftwaffe oder Raketenwaffen jedoch äußerst schwierig. Unter diesen Bedingungen sei, so die Einschätzung des Hauptamts für Aufklärung, gerade der Sanktionsdruck die effektivere Methode zur Eindämmung des russischen Drohnenpotenzials.

Abhängigkeit von chinesischen Komponenten

Laut dem Vertreter des Hauptamts für Aufklärung stößt Russland heute dank der internationalen Sanktionen auf ernsthafte Probleme bei der Versorgung mit Strahltriebwerken für aus China importierte Drohnen. Skybytsky fügte hinzu, dass China seiner Einschätzung nach die möglichen Folgen, Risiken und Probleme für die eigene Industrie bei der Fortsetzung der Lieferungen nach Russland, einschließlich chemischer Elemente und elektronischer Komponenten, erkenne. Er erklärte zudem, dass das Hauptamt für Aufklärung über „offizielle Dokumente und Berichte des Generalstabs der RF an den Verteidigungsminister der RF“ über ernsthafte Probleme bei der Lieferung von Komponenten aus China nach Russland verfüge, und bezeichnete den Sanktionsmechanismus als „funktionierend“. Zuvor hatte das Magazin Politico berichtet, dass das chinesische Staatsunternehmen Jilin Chemical Fiber Group Russland heimlich mit Chemikalien für Angriffsdrohnen beliefert habe.

Widersprüchliche Daten

Die Bewertung der Sanktionseffektivität durch das Hauptamt für Aufklärung stößt auf eine Reihe widersprüchlicher Signale aus offenen Quellen. Einerseits behauptet Skybytsky systematische Probleme Russlands bei der Lieferung von Triebwerken und Komponenten. Andererseits produziert Russland laut dem Magazin „Militarny“ (auf das zuvor UNIAN Bezug genommen hatte) bereits mehr strahlgetriebene Kamikaze-Drohnen als langsamere „Schahed“-Modelle, was auf ein Wachstum und nicht auf einen Zusammenbruch der Produktion hindeutet. Außerdem wurde laut Focus in der RF die Produktion der Drohnen „Geran-3“ ausgesetzt, was das Hauptamt für Aufklärung ebenfalls mit separaten Gründen erklärte. Somit koexistieren die Versionen von „ernsthaften Problemen“ und von der Ausweitung der Produktion strahlgetriebener UAVs im öffentlichen Raum, und ihr Vergleich erfordert Vorsicht: Der Sanktionsdruck wirkt sich vermutlich auf einzelne Glieder der Lieferkette aus, führt aber nicht unbedingt zu einem allgemeinen Rückgang der Produktion.

Position Peking

Auf diesem Hintergrund erklärt das offizielle Peking seine Bereitschaft, sich an der Beilegung des Krieges Russlands gegen die Ukraine zu beteiligen. Dabei, wie der chinesische Staatspräsident Xi Jinping bemerkte, halte sich China an einen Ansatz, der auf die „Beseitigung sowohl der Symptome als auch der Ursachen des Problems“ abziele. Diese Formulierung lässt Spielraum: Peking deklariert seine Beteiligung am diplomatischen Prozess, stellt aber gleichzeitig, so die Einschätzung ukrainischer und westlicher Quellen, weiterhin Russland Komponenten mit doppeltem Verwendungszweck zur Verfügung, was gerade Gegenstand des Sanktionsdrucks wird.