Der Juli 2026 ging als einer der schwersten Monate für das ukrainische Luftabwehrsystem in die Geschichte des Krieges ein. Laut dem Hauptnachrichtendienst des ukrainischen Verteidigungsministeriums (GUR) erreichten die russischen Streitkräfte beispiellose Werte beim Einsatz von ballistischen und Hyperschallraketen. Generalmajor Wadym Skybyzkyj, stellvertretender Leiter des GUR, enthüllte in einem exklusiven Interview mit RBC-Ukraine Details zur taktischen Wende Moskaus und den Zustand des russischen militärisch-industriellen Komplexes.
Paradigmenwechsel: Fokus auf Ballistik
Die Strategie der russischen Angriffe hat sich grundlegend gewandelt. Während Moskau zuvor auf kombinierte Schläge setzte, die Dutzende verschiedener Raketen und Hunderte von Kamikaze-Drohnen zur Unterdrückung der Luftabwehr umfassten, verlagerte sich die Priorität in diesem Jahr auf ballistische Raketen. Skybyzkyj zufolge liegt dies am Mangel an Patriot-Abfangraketen auf ukrainischer Seite, was Russland zwingt, teurere und komplexere Waffensysteme einzusetzen, um einen garantierten Effekt zu erzielen.
Im Juli belief sich die Anzahl der abgefeuerten ballistischen und Hyperschallraketen (9M723 „Iskander-M“, RM-48U vom S-400-System und „Zirkon“) auf 198 Einheiten. Dies ist ein absoluter Rekord für das Jahr 2026. Die Zunahme verlief linear: von 61 Raketen im April auf 134 im Juni. Die Intervalle zwischen den Angriffen verkürzten sich von zehn Tagen auf wöchentlich und in Spitzenzeiten auf wenige Tage.
Übererfüllung des Rüstungsauftrags: Produktionszahlen
Der wichtigste Indikator für den Erfolg der russischen Strategie ist die Fähigkeit der Industrie, eine hohe Intensität der Angriffe aufrechtzuerhalten. Das GUR verfügt über dokumentarische Beweise für die Erfüllung der Pläne des staatlichen Rüstungsauftrags. Zum 3. August 2026 hatte Russland den Jahresplan für die Produktion von Hyperschallraketen „Zirkon“ und modernisierten „Oniks“-Raketen bereits erfüllt.
In den ersten sieben Monaten des Jahres stellte der Gegner 33 „Zirkon“-Raketen und 60 „Oniks“-Einheiten her. Letztere, ursprünglich als Lenkwaffen gegen Schiffe konzipiert, wurden für die Bekämpfung von Bodenzielen modernisiert und erhielten eine größere Reichweite sowie eine verbesserte Sprengladung. Insgesamt liegt die Erfüllung der Monatspläne für die wichtigsten Waffentypen bei 110–120 %. So wurde der Plan für die Produktion der Marschflugkörper Ch-101 im Juli um 140 % und der für Ch-35 um 200 % übertroffen.
Neue Bedrohungen und technische Probleme
Neben klassischen Raketen setzt Moskau aktiv neue Waffensysteme ein. In diesem Jahr erschienen auf dem Schlachtfeld die Gleitbomben „Banderol“ und „Dan-T“, die von Hubschraubern gestartet werden. Es werden Arbeiten zur Anpassung dieser Systeme für den Start von Flugzeugen durchgeführt. Zudem wird ein verstärkter Einsatz neuer reaktiver „Geranien“ anstelle von Massenangriffen mit herkömmlichen Drohnen beobachtet.
Allerdings nimmt der Luftkomponente der Angriffe ab. Laut Geheimdienstinformationen hat Russland technische Probleme mit Marschflugkörpern und Trägerraketen: Nicht alle Raketen starten erfolgreich. Zur Absicherung wird Reservefliegerkräfte eingesetzt, doch der allgemeine Trend deutet auf eine Verlagerung der Schwerpunkte hin zu Systemen, für die stabile Lieferketten für Komponenten bestehen.