Die Regierung der Ukraine hat eine neue Haushaltsdeklaration für die Jahre 2027–2029 verabschiedet. Das Dokument sieht eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums auf 6,7 % im Jahr 2029 vor, eine schrittweise Erhöhung der sozialen Standards sowie zwei Entwicklungsszenarien – je nach Lage in Bezug auf die Sicherheit. Dies meldet RBC-Ukraine unter Berufung auf Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko.
Zwei Szenarien: optimistisch und konservativ
Die Haushaltsdeklaration basiert auf einem Basisszenario, das eine Verbesserung der Sicherheitslage ab 2027 vorsieht. Gleichzeitig hat die Regierung ein separates Resilienz-Szenario für den Fall einer längeren aktiven Phase von Kampfhandlungen vorgesehen. Dieser Ansatz ermöglicht eine flexible Anpassung des Haushalts an sich ändernde Bedingungen bei gleichzeitiger Wahrung der sozialen Stabilität und wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit.
Wirtschaftsprognosen: BIP-Wachstum und Inflationsrückgang
Die Regierung rechnet mit einer Beschleunigung des realen BIP-Wachstums. Laut Prognosen soll das durchschnittliche Gehalt von 35.010 Hrywnja auf 44.083 Hrywnja steigen. Die Inflation soll sich hingegen von 8,9 % auf 5,1 % verlangsamen. Diese Indikatoren zeugen von einer schrittweisen Erholung der Wirtschaft und einer Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung.
Soziale Garantien: Lohnerhöhungen und Unterstützung vulnerabler Gruppen
Der Mindestlohn wird im Jahr 2027 überproportional zum Inflationsniveau steigen. Der Existenzminimum wird in allen drei Jahren um das Niveau der Inflation plus 2 Prozentpunkte wachsen. Das Dokument sieht zudem die Fortsetzung der Unterstützung für Veteranen und Personen vor, die infolge der bewaffneten Aggression betroffen sind. Separate Bestimmungen sind für die Rückkehr von Binnenvertriebenen und die Wiederherstellung des Humankapitals vorgesehen.
Koordination mit internationalen Partnern
Die Haushaltsdeklaration wurde mit internationalen Partnern sowie den Verpflichtungen der Ukraine im Rahmen von Programmen zur externen finanziellen Unterstützung abgestimmt. Dies gewährleistet eine stabile Finanzierung und das Vertrauen ausländischer Investoren und Gläubiger.
Historischer Kontext: vom Vorrang der Verteidigung zum sozialen Wachstum
Die vorherige Haushaltsdeklaration für die Jahre 2025–2027 sah vor, den Mindestlohn auf dem Niveau von 8.000 Hrywnja zu belassen, ohne weitere Erhöhungen – Priorität hatten weiterhin die Ausgaben für den Sektor Verteidigung und Sicherheit. Das neue Dokument markiert einen Wandel hin zur sozioökonomischen Entwicklung, was die veränderten Prioritäten der Regierung unter den Bedingungen einer relativen Stabilisierung der Lage widerspiegelt.
Am Vortag präsentierte Finanzminister Serhij Marhenko das Dokument dem Koalitionsrat in Anwesenheit von Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko. Dies stellte einen wichtigen Schritt im Prozess der Verabschiedung der Haushaltsstrategie für die kommenden drei Jahre dar.