Europa steht vor einer beispiellosen Wetteranomalie: Der Mai 2026 ging als der zweitheißte Mai in der gesamten Geschichte der Wetteraufzeichnungen in die Annalen ein. Länder Westeuropas, darunter Großbritannien, Frankreich, Irland und Portugal, verzeichneten Rekordtemperaturen, die sowohl die lokale Bevölkerung als auch die Klimaforscher schockierten.

„Hitzekuppel“ über dem Kontinent

Ursache dieses drastischen Temperaturanstiegs war ein mächtiges atmosphärisches Phänomen – eine sogenannte „Hitzekuppel“. Dabei handelt es sich um eine gewaltige Masse heißer Luft, die sich über Nordafrika gebildet hatte und sich auf das Gebiet Westeuropas verlagerte. Laut dem Copernicus Climate Change Service war dieser Monat durch einen raschen Übergang von kühlen Bedingungen zu einer der intensivsten Hitzewellen, die je zu Beginn eines Jahres beobachtet wurden, gekennzeichnet.

In einigen Regionen erreichte die gefühlte Temperatur kritische Werte von 35 bis 40 Grad. Die lokalen Behörden sahen sich gezwungen, Warnungen auszusprechen, da sie um die Gesundheit der Bevölkerung, insbesondere vulnerabler Gruppen, besorgt waren.

Die neue klimatische Realität

Experten betonen, dass derartige Phänomene keine seltenen Ausnahmen mehr sind. Samantha Burgess, Strategische Leiterin für Klimafragen beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen, merkte an, dass eine so früh einsetzende anomale Hitze zur neuen Normalität wird. Plötzliche Temperaturschwankungen bergen nicht nur ernsthafte Risiken für die menschliche Gesundheit, sondern auch für die Landwirtschaft und natürliche Ökosysteme.

Die globale Statistik bestätigt diesen beunruhigenden Trend: Die durchschnittliche Lufttemperatur auf der Erde erreichte im Mai 15,81 °C, was den zweithöchsten Wert in der Geschichte darstellt. Eine ähnliche Situation ist auch bei der Meeresoberflächentemperatur zu beobachten.

Der Einfluss von El Niño

Wissenschaftler stellen einen Zusammenhang zwischen der aktuellen Anomalie und der Entwicklung des El-Niño-Phänomens her. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) schätzt die Wahrscheinlichkeit seiner Entstehung in den kommenden Monaten auf 80 %. Klimamodelle sagen voraus, dass der neue Zyklus zu den stärksten in der gesamten Beobachtungsgeschichte gehören könnte.

Die Geschichte zeigt einen direkten Zusammenhang: Das vorherige El-Niño-Ereignis trug dazu bei, dass das Jahr 2023 das zweitheißte und 2024 das heißeste Jahr wurde. Nun warnen Meteorologen davor, dass die Welt in den kommenden Jahren mit der Aufstellung neuer Temperaturrekorde sowie mit einer Zunahme der Risiken für Dürren, Hitzewellen und extremen Niederschlag in verschiedenen Teilen der Welt konfrontiert sein könnte.