Im September 2026 kündigte Huawei die Einführung der zweiten Generation des intelligenten Energiespeicher-Managementsystems SmartEMO 2.0 in der Ukraine an. Die auf Künstlicher Intelligenz und der Cloud-Plattform FusionSolar basierende Lösung zielt auf die Automatisierung des Betriebs von Energiespeicheranlagen (ESA) an industriellen und gewerblichen Objekten ab. Laut RBC-Ukraine wird das System bereits aktiv unter Geschäftskunden ausgerollt, die den dynamischen Tarif „einen Tag im Voraus“ (DTP) nutzen, der auf dem ukrainischen Energiemarkt verfügbar ist.

Drei Säulen: Strom, Big Data und KI

Die Architektur von SmartEMO 2.0 stützt sich auf drei miteinander verbundene Komponenten. Die erste ist der Strom selbst als begrenzter Ressourcen, dessen effiziente Nutzung für Unternehmen von entscheidender Bedeutung ist. Die zweite ist der große Datenbestand, den Huawei auf der Cloud-Plattform FusionSolar gesammelt hat: Das Unternehmen ist einer der führenden Anbieter auf dem Weltmarkt für Solarwechselrichter und Energiespeicheranlagen, was ihm den Zugang zu einer enormen Menge an Telemetriedaten von Anlagen auf der ganzen Welt verschafft hat. Die dritte Komponente sind Huaweis eigene Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, die es ermöglichen, Rohdaten in operative Entscheidungen umzuwandeln. Genau an der Schnittstelle dieser drei Elemente entstand SmartEMO, und ihre zweite Generation ist auf die Besonderheiten der europäischen und ukrainischen Märkte zugeschnitten.

Wie das System Entscheidungen trifft: vom Preisverlauf zum stündlichen Plan

Der Algorithmus von SmartEMO 2.0 arbeitet nach einer mehrstufigen Logik. In der ersten Phase erhält das System von der JSC „Marktoperator“ den DTP-Preisverlauf für die kommenden 24 Stunden. Anschließend wird das konkrete Objekt analysiert: Für den Start sind mindestens 30 Tage historischer Daten erforderlich – Verbrauchsverlauf, Merkmale der vorhandenen Solaranlage, technische Einschränkungen der Anschlussleistung. Wenn auf dem Objekt eine PV-Anlage installiert ist, werden die Solarstrahlungsprognosen des Dienstes SolarGIS in die Berechnung einbezogen. Auf Basis all dieser Parameter wird ein optimales stündliches Ladezustandsprofil des Speichers erstellt, das sogar die Abhängigkeit des Verbrauchs vom Wochentag berücksichtigt.

Der statische Prognosewert ist jedoch nur der Ausgangspunkt. Alle 15 Minuten vergleicht SmartEMO 2.0 die tatsächlichen Werte mit dem Plan, und stündlich wird die Prognose auf Basis aktueller Daten neu berechnet. So wird das System aus einer einmaligen Berechnung zu einem selbstlernenden Regelkreis, der sich täglich an die tatsächlichen Betriebsbedingungen anpasst. Laut Huawei erreicht die Prognosegenauigkeit der Solarerzeugung 90 %, die der Objektlast 85 %.

SOC-Genauigkeit und „schonendes“ Batteriemanagement

Ein Schlüsselparameter für die Wirtschaftlichkeit ist die Genauigkeit der Ladezustandsprognose (SOC) – von ihr hängt ab, wie vollständig das System günstigen Strom nutzt. In die Berechnung fließen die Parameter des Speichers selbst ein: der Gesundheitszustand der Batterie (SOH), der aktuelle Ladezustand, die Zellenbalancierung und die Zelltemperatur. Die hohe SOC-Genauigkeit wird laut Huawei durch den Symbiose der Technologien der LUNA2000-215/241-Anlagen gewährleistet: gleichmäßige Kühlung der Akkuzellen und der Ladeoptimierer zwischen den Modulen Optimizer 2.0. Dies ermöglicht es nicht nur, den wirtschaftlichen Nutzen zu maximieren, sondern auch die Lebensdauer der Ausrüstung zu verlängern.

Wirtschaftlichkeit: 71 % Vorteil gegenüber dem Standard-TOU-Modus

Der praktische Effekt von SmartEMO 2.0 wird im Vergleich zum Standard-Modus Time-of-Use (TOU) deutlich, bei dem der Speicher in den günstigen Stunden maximal geladen und in den teuren Stunden entladen wird. SmartEMO erhöht die Anzahl der Lade-/Entladezyklen pro Tag, indem es Preisschwankungen nutzt, die TOU nicht berücksichtigt. Im von RBC-Ukraine angeführten Beispiel betrug der Vorteil von SmartEMO gegenüber TOU 71,45 %, und die Gesamtersparnis bei der Stromversorgung lag bei 19,7 %. Für Unternehmen bedeutet dies, dass der Speicher zu Zeiten des Mindesttarifs oder aus der eigenen PV-Anlage geladen und bei DTP-Preisspitzen Energie abgibt, wobei die Tarifdifferenz in direkte Ersparnisse umgewandelt wird. Gleichzeitig schützt das System das Objekt vor Überschreitung der Anschlussleistung und glättet Spitzenlasten – all dies geschieht automatisch, ohne tägliche Eingriffe des Betreibers.

Kontext: Warum gerade jetzt und gerade in der Ukraine

Anstoß für die Einführung von SmartEMO in Europa war der Markt mit dynamischem Tarif und sogar negative Tagespreise, die durch den massiven Bau von Solaranlagen entstanden sind. In der Ukraine wurden bisher keine negativen Tarife verzeichnet, jedoch ist der DTP bereits für Geschäftskunden verfügbar, was die Kombination „Speicher + SmartEMO“ zu einem praktisch relevanten Instrument zur Senkung der Energiekosten macht. In einer Situation, in der die Stromkosten eine der wichtigsten Ausgabearten für Industrie und Gewerbesektor bleiben, rückt das KI-basierte automatisierte Speichermanagement von der Kategorie „technologisches Experiment“ in den Bereich des routinemäßigen operativen Instruments.