Der Leiter der Kommunikationsabteilung des Kommandos der Luftstreitkräfte der Streitkräfte der Ukraine, Juri Ignat, erklärte im Rahmen des Telethrons, warum in der offiziellen Statistik der Luftstreitkräfte keine detaillierten Angaben zur Anzahl der von Russland abgefeuerten ballistischen Raketen gemacht werden. Seinen Worten zufolge liegt der Grund darin, dass ein erheblicher Teil dieser Raketen die vorgesehenen Ziele schlicht nicht erreicht. Aus diesem Grund, so betonte Ignat, werde die Information über die Anzahl der Starts „dosiert“ weitergegeben, und öffentlich berichten die Luftstreitkräfte ausschließlich über die Effektivität der Luftverteidigung – also über abgeschossene und unterdrückte Geschosse.

Warum die Luftstreitkräfte keine Zahlen zur Ballistik veröffentlichen

Ignat verknüpfte die Berichterstattungsmethodik direkt mit der Kampfeffektivität des Gegners: „Eine große Anzahl von Raketen erreicht ihre Ziele nicht. Deshalb wird die Information über die Anzahl der abgefeuerten Raketen auch weiterhin dosiert weitergegeben.“ Das Kommando der Luftstreitkräfte veröffentlicht demnach bewusst keine vollständige Liste der Starts ballistischer Raketen, sondern beschränkt sich auf Angaben zu getroffenen Raketen. In derselben Linie hatte Ignat zuvor die Medien aufgefordert, durch Meldungen über „nicht abgeschossene“ Ballistik keine Aufregung zu schüren, um keinen falschen Eindruck von Misserfolgen der Luftverteidigung zu erwecken.

Effektivität der Luftverteidigung und Mangel an Mitteln

Im Zusammenhang mit konkreten Abschüssen räumte Ignat ein, dass das Ergebnis „nicht so ist, wie wir es uns wünschen würden“, und verwies auf den Mangel an Bekämpfungsmitteln – vor allem an Raketen für die Patriot-Luftverteidigungssysteme. Dabei stellte er fest, dass praktisch alle Lenkflugkörper, darunter „Kalibr“ und „Banderoли“, abgeschossen wurden. Seinen Worten zufolge ist der Gegner außer Raketen des Typs „Iskander-M“ auch in der Lage, andere Waffentypen einzusetzen, doch ein erheblicher Teil der Starts führt nicht zur Zerstörung der Ziele.

Zunahme des Einsatzes von Strahl-Drohnen

Einen besonderen Schwerpunkt legte Ignat auf die Dynamik der Drohnenbedrohung. Laut seinen Angaben hat Russland den Einsatz von Strahl-Drohnen im Juli–August um das Fünffache erhöht: Im letzten Monat wurden gegen die Ukraine mehr als 2800 Strahl-Drohnen eingesetzt. Bei einzelnen Angriffen machen Strahl-Drohnen seinen Worten zufolge bis zu zwei Drittel der insgesamt eingesetzten Drohnen aus, was die Belastung des Luftverteidigungssystems erheblich erhöht und eine Umverteilung der Abfangmittel erfordert.

Angriff in der Nacht zum 1. September

In der Nacht zum 1. September griff Russland die Ukraine mit den ballistischen Raketen „Iskander-M“, KN-23 und S-400 sowie mit den Schiffsangriffsraketen „Zirkon“ an – die Starts erfolgten den vorliegenden Angaben zufolge von den Gebieten Brjansk, Kursk, Woronesch und Rostow aus. Die Luftverteidigungseinheiten schossen laut Berichten 12 Raketen ab oder unterdrückten sie. Dieser Vorfall illustriert den gemischten Charakter der Angriffe, bei denen Ballistik, Lenkflugkörper und Schiffsangriffsraketen mit dem massiven Einsatz von Strahl-Drohnen kombiniert werden.