Beim G20-Außenministertreffen in Atlanta erklärte US-Aussenminister Marco Rubio, dass eine Reihe von Ländern ihre Bereitschaft signalisiert habe, sich den Bemühungen zur Stabilisierung der Lage im Bereich der Schwarzmeersicherheit anzuschließen. Seinen Angaben zufolge haben die Türkei und Indien konkrete Ideen vorgelegt, wie der Getreidetransport durch die Region wiederhergestellt werden kann. Dies steht nach Einschätzung Washingtons in direktem Zusammenhang mit der globalen Ernährungssicherheit und gewissermassen auch mit der Energiesicherheit.

Rubios Erklärung und der Getreideweg

«Wenn es um das Schwarze Meer geht, haben sich viele Länder geäussert und ihre Bereitschaft zur Teilnahme erklärt. Sowohl die Türkei als auch Indien sind mit einigen Ideen gekommen, wie wir den Transport von Getreideladungen erleichtern können, da dies Auswirkungen auf die globale Ernährungssicherheit und gewissermassen auf die Energiesicherheit hat», zitiert RBC-Ukraine Rubio. Somit wird das Schwarze Meer auf G20-Ebene nicht nur als militärischer Knotenpunkt diskutiert, sondern auch als Wirtschafts- und Logistikdrehscheibe, von der die Getreideversorgung der Weltmärkte abhängt.

Selenskyjs Position: Drei Parteien und Waffenstillstand

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj brachte diese Initiativen mit seinem Friedensplan in Verbindung, in dem laut ihm die Einbeziehung von drei Parteien zur Erreichung von Waffenstillstand und Frieden von entscheidender Bedeutung ist. Er erinnerte daran, dass die Türkei der Ukraine und Russland bereits einen Vorschlag für eine Feuerpause im Schwarzen Meer übermittelt hatte und dass Erdogan diese Frage persönlich mit ihm besprochen habe. «Die Wiederherstellung der Sicherheit im Schwarzen Meer muss unsere Priorität sein. Vor allem, wenn es Länder gibt, die daran interessiert und bereit sind, nicht nur darüber zu reden, sondern dies auch zu garantieren», betonte Selenskyj und fügte hinzu: «Jetzt das Meer. Als Nächstes die Energie. Gehen wir voran.»

Trilaterales Format und die Rolle der Türkei

Hintergrund dieser Aussagen ist der 31. Oktober, als Selenskyj nach Gesprächen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ankündigte, dass sich die Ukraine auf ein trilaterales Format unter Beteiligung der USA und Russlands in der ersten Novemberhälfte vorbereite. Die Parteien erörterten die Einbeziehung der Türkei, Europas und anderer Partner sowie die Möglichkeit, ein Treffen auf türkischem Boden abzuhalten. Bereits am 5. November kündigte Erdogan die Absicht an, das Ende des Krieges mit Wladimir Putin zu besprechen, und teilte mit, dass türkische Beamte Kontakte mit Vertretern der Ukraine und Russlands bezüglich eines neuen Treffens in der Türkei unterhalten.

Vorbehalte und nächste Schritte

Der Kreml erklärte jedoch, dass es bislang keine konkreten Vereinbarungen über ein Gespräch zwischen Erdogan und Putin gebe. Dies bedeutet, dass trotz der regen diplomatischen Aktivität Ankaras und des Interesses Washingtons an Schwarzmeer-Initiativen die praktische Fixierung des Formats und der Termine für trilaterale Kontakte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch aussteht. Nichtsdestotrotz deutet das Zusammentreffen von Signalen — vom G20-Treffen in Atlanta bis hin zu den Äusserungen von Selenskyj und Erdogan — darauf hin, dass die Frage der Schwarzmeersicherheit und des Getreidewegs zu einem zentralen Thema im aktuellen diplomatischen Zyklus wird.