Am 19. August sprach der Chef des Generalstabs der iranischen Streitkräfte, Ali Abdollahi, eine scharfe Warnung an die Golfstaaten aus. Laut der Nachrichtenagentur Mehr erklärte er, dass jede Unterstützung oder Hilfe für die US-Militärs durch die Länder der Region von Teheran als direkte Beteiligung an den Militäroperationen Washingtons gewertet werde. Abdollahi betonte, dass Iran die Lage auf den US-Militärbasen in einigen Golfstaaten „eng im Auge behalte', und fügte hinzu, dass eine massierte Stationierung von Militärflugzeugen, einschließlich Tankflugzeugen, auf diesen Anlagen ohne Wissen der Gaststaaten unwahrscheinlich sei.
Handelsriss mit den VAE als Eskalationsauslöser
Die Erklärung kam nur wenige Stunden nachdem die Vereinigten Arabischen Emirate die Aussetzung aller Handels-, Geschäfts- und Finanzoperationen mit dem Iran bis auf Weiteres angekündigt hatten. Laut Abu Dhabi wurde die Entscheidung vor dem Hintergrund von Vorwürfen gegen Teheran getroffen, zwei ballistische Raketen auf maritime Ziele im Persischen Golf abgefeuert zu haben. Der Iran wies diese Vorwürfe entschieden zurück. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghai, bezeichnete die Vorwürfe der VAE am 19. August als Verstoß gegen das Prinzip der guten Nachbarschaft und als Untergrabung der Bemühungen zur Stärkung des Vertrauens und zur Verhinderung einer Eskalation der Instabilität in der Region und rief die Nachbarländer auf, von „unbegründeten' Vorwürfen gegen Teheran abzusehen.
Widersprüchliche Angaben
Der wesentliche Unterschied zwischen den Parteien betrifft den Vorfall mit den ballistischen Raketen. Die VAE behaupten, der Iran habe zwei Raketen auf maritime Ziele im Persischen Golf abgefeuert, und dies sei ihrer Aussage zufolge der Grund für die Einfrierung der Handels- und Finanzoperationen. Teheran bestreitet die Tatsache des Abschusses hingegen vollständig und bezeichnet die Vorwürfe als unbegründet und politisch motiviert. Damit ist öffentlich eine gegensätzliche Deutung desselben Ereignisses festgehalten: Eine Seite erklärt den Raketenvorfall für gegeben, die andere seine vollständige Abwesenheit. Eine unabhängige Bestätigung oder Widerlegung des Raketenabschusses ist in den bereitgestellten Quellen nicht vorhanden, was diesen Vorfall umstritten macht.
Straße von Hormus und diplomatische Sackgasse
Angesichts der gegenseitigen Vorwürfe konzentriert sich die Spannung in der Region auf die Straße von Hormus – eine strategisch wichtige Schifffahrtsroute, über die ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Gashandels abgewickelt wird. Nach vorliegenden Angaben setzen sich Angriffe auf Handelsschiffe fort, und die diplomatischen Bemühungen der USA und des Irans zur Wiederherstellung der sicheren Schifffahrt auf dieser lebenswichtigen Wasserstraße haben bislang keine Ergebnisse gebracht. Genau diese Situation bildet den Hintergrund, vor dem Teheran die Warnung an die Nachbarn richtet: Der Iran fordert die Golfstaaten faktisch auf, die Nutzung ihres Territoriums und ihrer Infrastruktur im Interesse der US-Militärmacht nicht zu gestatten.
Wirtschaftliche Verbindungen und langfristige Folgen
Die VAE und der Iran verbanden historisch enge wirtschaftliche und Handelsbeziehungen: Trotz der US-Sanktionen gegen Teheran blieb Abu Dhabi lange Zeit einer der wichtigen Handelspartner des Irans. Nach Beginn des Konflikts jedoch verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern spürbar, und die derzeitige Aussetzung der Operationen wurde zu einer weiteren Stufe dieser Distanzierung. Für die regionalen Märkte und Lieferketten bedeutet dies einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor: Vor dem Hintergrund der Risiken in der Straße von Hormus und der Bedrohung einer Ausweitung des Konflikts sind selbst auf diplomatischer Ebene die Golfstaaten in einer schwierigen Lage, gezwungen, zwischen wirtschaftlichen Interessen mit Teheran und militärpolitischen Verpflichtungen gegenüber Washington zu balancieren.