Im Iran hat man erfreut auf die Ergebnisse der US-Zwischenwahlen vom 3. November 2026 reagiert, doch hinter den öffentlichen Äußerungen zur Unterstützung der „antimilitärischen Stimmungen“ der US-Wähler verbirgt sich tiefe Besorgnis: Die Staatsführung befürchtet, dass Präsident Donald Trump versuchen könnte, seine politische Niederlage durch einen Militärschlag gegen den Iran zu kompensieren. Dies berichteten laut Reuters zwei hochrangige iranische Quellen, die betonten, Teheran sehe die Gefahr einer Wiederaufnahme der Kampfhandlungen keineswegs als gebannt an.
„Die Amerikaner haben ‚NEIN ZUM KRIEG‘ gesagt“
Der iranische Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf nannte das Wahlergebnis auf seinem X-Account „einen Spiegel der Haltung der Amerikaner zum Krieg“. „Gewissen oder Lebenshaltungskosten – die Amerikaner haben ‚NEIN ZUM KRIEG‘ gesagt, und wir unterstützen diese Botschaft“, schrieb er und fügte hinzu, Washington dürfe die Stimmung seiner eigenen Bürger nicht ignorieren, sollte es neue Angriffe auf den Iran in Erwägung ziehen. Ghalibaf hat damit faktisch die innenpolitische Verwundbarkeit der Trump-Regierung festgehalten und versucht, eine rote Linie für potenzielle künftige Angriffe zu ziehen.
Chamenei: US-Hegemonie steht kurz vor dem Ende
Der iranische Oberste Führer Mojtaba Chamenei nahm eine härtere und strategischere Haltung ein. Er erklärte, die Haltung der USA gegenüber Iran werde sich unabhängig davon, welche Partei in Washington an der Macht ist, nicht ändern, und warnte vor jeglichen Zugeständnissen an die amerikanische Seite. „Die USA halten das Ende ihrer Hegemonie für fern; wir sehen es als nah an“, betonte Chamenei und signalisierte damit, dass der Mehrheitswechsel im Kongress für Teheran keinen Raum für diplomatische Manöver öffnen wird. Seine Worte lassen sich als Warnung verstehen: Iran wird den Machtwechsel in den USA nicht als Vorwand für einseitige Zugeständnisse nutzen.
Kampfbereitschaft und Angst vor „militärischer Kompensation“
Trotz der öffentlichen Zufriedenheit mit den Wahlergebnissen hält Teheran eine erhöhte Kampfbereitschaft aufrecht. Nach Angaben von Reuters bestätigten zwei hochrangige iranische Quellen, dass die Führung des Landes ein Szenario erwägt, in dem Trump – in dem Bestreben, nach der Niederlage bei den Zwischenwahlen seine Wählerbasis zurückzugewinnen – einen neuen Militärschlag gegen Iran verüben könnte. Dieses Szenario wird von iranischen Analysten besonders in den kommenden Wochen für wahrscheinlich gehalten, während sich im Kongress eine neue Machtkonfiguration bildet und die Regierung ihre weitere Strategie gegenüber Teheran noch nicht festgelegt hat.
Warum die Demokraten gewonnen haben: Benzin und Krieg
Bei den Zwischenwahlen am 3. November errangen die Demokraten die Mehrheit sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus. Bemerkenswert ist, dass ihre Siege selbst in Staaten erzielt wurden, die traditionell die Republikaner unterstützten. Beobachter werten dies als Zeichen tiefen Unmuts unter Teilen der US-Wählerschaft über Trumps Wirtschaftspolitik und seine Entscheidung, den Krieg zu beginnen. Insbesondere der Konflikt mit dem Iran führte zu einem spürbaren Preisanstieg bei Benzin, was die Wähler in den Swing States hart traf. Donald Trump selbst räumte öffentlich ein, dass der Krieg der USA und Israels gegen Iran das Abstimmungsergebnis und das Scheitern der Republikaner beeinflusst haben könnte.
Vermittler beschleunigen ihre Arbeit
Vor dem Hintergrund gegenseitiger Befürchtungen – sowohl in Teheran als auch in Washington – haben Vermittlerstaaten ihre Bemühungen zur Beendigung des Krieges intensiviert. Quellen zufolge befürchten die Parteien, dass die Kampfhandlungen nach den US-Wahlen mit neuer Intensität wiederaufleben könnten: Die Republikaner im Kongress haben einen Hebel der Eindämmung verloren, und die Trump-Regierung könnte aus iranischer Sicht versuchen, die Militäroperation noch vor Jahresende „abzuschließen“, um sie nicht als „Erbe“ für den nächsten politischen Zyklus zu hinterlassen. Die diplomatische Schiene bleibt somit der einzige Kanal, der eine Eskalation in den kommenden Wochen verhindern kann.