Die Lage im Persischen Golf, die den weltweiten Energiemarkt in den letzten Monaten in Atem hielt, könnte sich radikal verändern. Der iranische Staatsfernsehsender hat Details zu einem inoffiziellen Entwurf eines Abkommens mit den USA veröffentlicht, das die Spielregeln in der Region grundlegend ändern könnte.

Ein Monat bis zur „Normalisierung“ des Schiffsverkehrs

Laut Berichten tehraner Medien sind im Dokument klare Fristen festgelegt: Der Modus des freien und sicheren Durchgangs von Schiffen durch die Straße von Hormus könnte bereits innerhalb von 30 Tagen nach Unterzeichnung der endgültigen Fassung des Dokuments wiederhergestellt werden. Dies ist ein entscheidender Punkt, der sich sofort auf die Börsenkurse ausgewirkt hat.

Der Entwurf sieht auch die vollständige Aufhebung der Seeblockade iranischer Häfen durch Washington sowie den Abzug der US-Marine aus den angrenzenden Gewässern vor. Allerdings bleibt vorerst unklar, wie aktuell dieser Text ist und ob die US-Regierung bereit ist, derartige harte Bedingungen zu akzeptieren.

Wer wird Herr der Straße?

Der zentrale Punkt der Verhandlungen bleibt die Frage der Souveränität über diese strategische Wasserstraße. Teheran besteht darauf, dass die Kontrolle über die Route beim Iran verbleibt. Im Entwurf wird die Möglichkeit eines gemeinsamen Überwachungsmechanismus für den Schiffsverkehr unter Beteiligung Omans erwähnt.

Washington verlangt seinerseits Garantien für den ungehinderten Durchgang aller internationalen Schiffe und möchte keinen Szenario zulassen, in dem der Iran die Straße erneut als Druckmittel nutzen könnte.

Marktreaktion und Trumps Position

Der Markt reagierte auf die Gerüchte über ein mögliches Abkommen sofort und schmerzhaft für die Verkäufer. Der Preis für Brent-Rohölfutures stürzte um fast 5 % ab und fiel unter die Marke von 95 Dollar pro Barrel. Innerhalb einer Woche verloren die Kurse mehr als 8 %, da Händler massenhaft den Szenario einer Deeskalation des Konflikts in ihre Berechnungen einbezogen.

Die Informationen über Fortschritte in den Verhandlungen stimmten mit den Aussagen von Donald Trump überein, der erklärte, das Dokument sei „im Wesentlichen vereinbart“ und es blieben nur noch Details zu klären. Dennoch hat Teheran bereits eilig die Informationen über eine vollständige Öffnung der Straße widerlegt und betont, dass die Kontrolle darüber ausschließlich beim Iran verbleiben wird.

Laut Financial Times arbeiten Vermittler derzeit an einem Memorandum zur Verlängerung des Waffenstillstands um weitere zwei Monate, was eine Basis für weitere Diskussionen über das iranische Atomprogramm schaffen soll.