Die Lage in der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Seehandelsrouten der Welt, hat einen kritischen Punkt erreicht. Vor dem Hintergrund der Wiederaufnahme amerikanischer Luftangriffe hat der Iran offiziell die vollständige Schließung der Straße für alle Schiffstypen erklärt. Diese Entscheidung, getroffen durch die Revolutionsgarden (IRGC), bedroht die globale Logistik und die Ölversorgung.
Das Ultimatum Teherans
Die iranischen Streitkräfte verzichteten auf mehrdeutige Formulierungen. Die IRGC verkündete, dass die Straße für alle Handelsschiffe, Öltanker und andere Schiffe gesperrt ist. Jedes Schiff, das versucht, dieses Verbot zu verletzen, wird als legitimes Angriffsziel betrachtet.
„Sie gefährden die Sicherheit der heiligen Straße von Hormus? Wir werden diese Region zum Höllenfeuer für Sie machen, von ganz Iran aus“, erklärte der Befehlshaber der Luft- und Weltraumkräfte der IRGC, Sayed Hossein Musavi Eftekhari. Seine Worte klangen wie eine direkte Antwort auf die Eskalation der Gewalt durch die Vereinigten Staaten.
Amerikanische Version: „Die Route ist offen“
In Washington wird die Einschätzung der Lage in Teheran kategorisch bestritten. Das US-Zentralbefehlshaberamt (CENTCOM) widerlegte die Behauptungen über die Blockade der Route und behauptete, dass Handelsschiffe weiterhin frei durch die Straße von Hormus fahren. Laut dem Pentagon wurde die Schifffahrt trotz der angespannten Rhetorik der iranischen Seite nicht unterbrochen.
Doch die iranischen Staatsmedien zeichnen ein anderes Bild. Sie berichten von bewaffneten Zusammenstößen zwischen den Armeen beider Länder direkt in der Straße und behaupten angeblich, zwei Schiffe seien getroffen worden. Die amerikanische Seite bestreitet diese Informationen und stellt fest, dass keines ihrer Kriegsschiffe Schaden genommen hat.
Chronologie der Eskalation
Die aktuelle Krise entflammte vor dem Hintergrund einer Serie gegenseitiger Vorwürfe und militärischer Aktionen, die bereits Anfang Juni begannen:
- 9. Juni: US-Präsident Donald Trump erklärte, dass iranische Kräfte einen amerikanischen Militärhubschrauber AH-64 im Bereich der Straße von Hormus abgeschossen hätten. Als Antwort drohte er Teheran mit neuen Angriffen.
- Nacht zum 10. Juni: US-Truppen griffen iranische Luftabwehrsysteme, bodengebundene Kommandozentralen und andere militärische Einrichtungen an. Der Iran berichtete von Gegenangriffen auf amerikanische Ziele im Nahen Osten.
- Nachfolgende Tage: Trump warf dem Iran vor, den Verhandlungsprozess hinauszuzögern, und erklärte, das Land müsse dafür „bezahlen“. Er warnte auch vor der Vorbereitung eines weiteren Angriffs.
Neue Welle von Angriffen
Gestern Abend berichteten US-Medien über ein Treffen im Lagezentrum des Weißen Hauses, bei dem ein mögliches Wiederaufgreifen der Angriffe diskutiert wurde. Als Option wurde eine großangelegte, aber kurzfristige Operation in Betracht gezogen, die darauf abzielte, die Position des Irans in den Verhandlungen zu beeinflussen.
Der Pentagon-Chef Pete Hegseth bestätigte, dass die USA bereits in der kommenden Nacht oder innerhalb von 24 Stunden einen neuen Angriff durchführen könnten. Die Prognose traf zu: In der Nacht zum 11. Juni setzten US-Truppen die Bombardierung des Irans fort, was den Auslöser für die Erklärung zur Schließung der Straße von Hormus bildete.